Betroffener berichtet: Tagebuch eines Corona-Patienten. Neulengbacher wurde positiv getestet. Er schildert, wie es ihm geht.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. März 2020 (04:03)
Symbolbild
Shutterstock/Jarun Ontakrai

Der erste bestätigte Corona-Fall wurde in der Vorwoche aus Neulengbach gemeldet. Der Patient, der namentlich nicht genannt werden möchte, hat für die NÖN aufgeschrieben, wie es ihm geht.

Samstag, 14. März:

30 Semmeln kaufen, auch eine neue Batterie für das Motorrad muss noch vor der Schließung der Geschäfte beschafft werden. Das Heimfahren mit dem Rad macht ungewohnte Mühe. Ich fühle mich schlapp, nach dem Frühstück geht’s wieder ins Bett. Das Fieberthermometer zeigt 38,2°C. Schock: Ich erinnere mich daran, dass ein Kollege aus der Firma am Montag aus Ischgl mit einem Coronaverdächtigen Freund zurückgekehrt war und angewiesen wurde, trotz seiner Bedenken zur Arbeit zu kommen. Wir rufen 1450 an, ein Rückruf wird versprochen. Telefonate mit dem Chef. Den Tag verbringe ich mit Schwitzen und Gliederschmerzen im Bett, Husten oder Halsschmerzen habe ich nicht. Die Versorgung mit Obst, Arznei und Fertiggerichten übernimmt ab nun mein Schwager. Abends 38,5° Fieber.

Sonntag, 15. März.:

Die Temperatur ist auf 37,7°C zurückgegangen. Weiterhin Müdigkeit, etwas Husten. Abends 38,2°C .

Montag, 16. März.:

Morgens 36,8°C. Der ersehnte Rückruf der Amtsärztin trifft ein, nach einer Erläuterung des Ansteckungsverdachts wird ein Absonderungsbescheid auf 14 Tage ausgesprochen und per Mail zugestellt. Fieber abends 37,7°.

Dienstag, 17. März:

Morgens 36,3° , alles nicht so schlimm – es fühlt sich an wie nach einer überstandenen Grippe. Um 14 Uhr kommen die Tester, das lange Stangerl in der Nase ist zwar unangenehm, aber die Rotkreuzmitarbeiter haben sicher das größere Problem. Rückenschmerzen stellen sich ein. Abends 37,4°C.

Mittwoch, 18. März:

Morgens 37,1°C, abends 37,6°C. Um 19.45 Uhr übermittelt der Amtsarzt telefonisch die wenig überraschende, aber doch beklemmende Nachricht: Ich bin mit 2019-nCoV infiziert.

Donnerstag, 19. März:

Morgens 36,3°C. Meine Frau wird ebenfalls getestet. Zwei Polizisten überprüfen unsere Anwesenheit zu Hause und wünschen uns gute Besserung. Kopf- und Rückenschmerzen, Schweißausbrüche, Schwäche; zum Husten kommen geringfügige Halsschmerzen; abends: 38,2°C

Freitag, 20. März:

Morgens 37,2°C, abends 38,3° keine Änderungen gegenüber dem Vortag

Samstag, 21. März:

Morgens kein Fieber – 36,5°C. Mittags bringt eine liebe Freundin Hühnersuppe und Tiroler Knödel. Passend zu Ischgl? Wir genießen diese Mahlzeit. Nachmittags stellt sich wieder das Gefühl wie bei Asthma ein. Ich mache Atemübungen und nehme einen Hub mehr als meine täglichen zwei Dosen vom Spray. Ich will nicht ins Spital. Mit dem Oxymeter messe ich eine Sauerstoffsättigung von 98 Prozent bei 67 Puls. Bei meiner Frau sind es 97 Prozent – besser geht es nicht. Mein Fieber ist aber wieder hoch: 38,4°C.

Sonntag, 22. März:

Morgens 36,4°C; mittags gibt es wieder eine Portion Hühnersuppe. Der Tag verläuft ruhig.