Emotionen gehen hoch: „Tausendblum ist ausgelöscht“. Dass der Name der Katastrale nicht auf den neuen Ortstafeln steht, sorgt für Kritik.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 27. März 2018 (05:31)
NOEN, privat
Der Name Tausendblum auf den Ortstafeln in Neulengbach ist Geschichte.

Der Name Tausendblum ist von den Ortstafeln verschwunden: Jetzt steht „Neulengbach“ auf den Schildern bei den Ortseinfahrten. „Tausendblum wurde ausgelöscht, alle Ortstafeln sind weg. Ich finde das empörend“, beschwerte sich die unabhängige Gemeinderätin Michaela Rauschka am Dienstag in der Gemeinderatssitzung. Vor einem Jahr habe man im Infrastruktur-Ausschuss „zehn Gebote“ für Adressänderungen präsentiert. Wie berichtet soll das System in ganz Neulengbach übersichtlicher werden. In anderen Ortsteilen habe es Gespräche mit der Bevölkerung gegeben.

„Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Leute in Tausendblum übergangen wurden“, wetterte Rauschka. Sie bekomme immer wieder falsche Post, ihre Adresse sei schwer zu finden: „Die Änderung verbessert meine Situation nicht wirklich.“ Tausendblum sei außerdem eine schöne Ortsbezeichnung.

„Das is eine politische Inszenierung. Der Großteil der Bevölkerung ist für die Maßnahme.“ VP-Stadtrat Jürgen Rummel

VP-Bürgermeister Franz Wohlmuth erklärte in der Sitzung, dass die Ortstafelbezeichnungen nicht rechtsgültig waren. Gegenüber der NÖN bekräftigte er, dass erst mit den neuen Tafeln alles rechtens sei: „Es hat eine Verkehrsverhandlung gegeben. Jetzt ist der Zustand hergestellt, wie er sein sollte. Jetzt gibt es auch keine Verwirrung mehr für Autofahrer.“

Infrastrukturstadtrat Jürgen Rummel (VP) hielt fest, dass die Verkehrszeichen von der BH verordnet wurden. „Tausendblum ist eine Katastrale, aber die Ortsbezeichnung Tausendblum hat es nie gegeben.“ Man müsse sich zu Neulengbach bekennen. „Der Billa steht in Tausendblum, man sagt aber, dass man zum Billa nach Neulengbach fährt. Der Pennymarkt ist in Inprugg, da ist es dasselbe.“ Es gehe um das Kerngebiet von Neulengbach: „Dort, wo kein Kerngebiet ist, lässt man die Ortstafeln wie sie sind. Im Kerngebiet gibt es die Änderung.“

„Bei Tausendblum traut sich die ÖVP in einer Nacht- und Nebel-Aktion so etwas durchzuziehen"

In der Gemeinderatssitzung kamen von anderen Parteien keine Einwände, am Sonntag meldete sich die SPÖ per Presseaussendung zu Wort und kritisierte, dass die Umstellung ohne vorherige Diskussion und für die Bevölkerung „überfallsartig“ gemacht wurde. Besonders ärgerlich sei: „Bei Tausendblum traut sich die ÖVP in einer Nacht- und Nebel-Aktion so etwas durchzuziehen. Was würden die Einwohner von St. Christophen oder Raipoltenbach sagen, wenn ihnen das passiert?“

Sie sehe die Christophner bei dem bloßen Gedanken an so ein Vorhaben vor ihrem geistigen Auge schon mit Transparenten und fahnenschwingend ins Zentrum vors Rathaus ziehen, so Stadträtin Beate Raabe-Schasching. Dass Bürgermeister und Verkehrsstadtrat den neuen Slogan der Stadt „Sichtbar vielseitig“ bei der ersten Gelegenheit so mit Füßen treten, mache fassungslos.

zVg
Gemeinderätin Michaela Rauschka ist empört, dass nur mehr Neulengbach auf der Ortstafel steht. 

Die SP-Fraktion hat einen Vorschlag: Alle Ortstafeln auf Neulengbach umstellen und sie mit dem jeweiligen Zusatz versehen, also zum Beispiel Ortsteil Tausendblum oder Ortsteil Raipoltenbach. „Dann weiß jeder, dass er sich auf dem Boden von Neulengbach befindet und die Identität der Dorfgemeinschaften und Einwohner bleibt trotzdem unangetastet.“

Von einer Nacht- und Nebelaktion könne keine Rede sein, wehrt sich Stadtrat Jürgen Rummel gegen die Kritik: „Das ist eine politische Inszenierung, die da stattfindet. Der Großteil der Bevölkerung ist für die Maßnahme. Ein kleiner Kreis treibt das in die Höhe.“

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