Funkamateure waren bei Katastrophenübung „live dabei“. Barbara und Michael Zwingl sind Funkamateure. Mit ihrem Equipment haben sie, wie 6.000 andere in ganz Österreich, an einer Katastrophenübung teilgenommen.

Von Christine Hell. Erstellt am 14. Mai 2021 (03:22)
Larissa Rentmeister, die zukünftige Schwiegertochter von Barbara und Michael Zwingl, an ihrer Amateurfunkstelle bei der Katastrophenschutzübung.
privat, privat

„Wir haben jetzt ein eigenes, krisenfestes Kommunikationsmittel“, sprudelt es freudig aus Barbara Zwingl heraus. Es handelt sich dabei um ein notstromversorgtes, digitales Netz, das „Hamnet“ bezeichnet wird und flächendeckend und weltweit eingesetzt werden kann. Denn ohne Strom funktioniert auch das gewohnte Internet nicht. „Ohne Strom geht eigentlich gar nix mehr“ , so die Neulengbacherin.

„Dieses notstromversorgte digitale Netz wird bei einem extremen Notfall, wie etwa einem Blackout, verwendet, um wichtige Mitteilungen an Behörden zu verschicken und deren Infos wiederum an die Bevölkerung weiterzugeben“, weiß die Funkamateurin.

„Meine Funkstelle ist direkt mit dem Krisenstab über eine Datenfunkstrecke am Buchberg verbunden.“ Michael Zwingl, Neulengbach

Ihr Gatte Michael Zwingl erklärt, was Hamnet genau ist: „Es ist ein von Funkamateuren gebautes Datennetz über Funk, das ähnlich wie WLAN oder Wifi Verbindungen für Computer und Smartphones herstellt und Dienste wie E-Mail, Chat, VoIp-Telefonie und sogar Videokonferenzen ermöglicht. Die erzielbaren Geschwindigkeiten liegen bei 10-130 MBits pro Sekunde.“

Die junge Funkamateurin beim Montieren einer Antenne am Buchberg.
NOEN

Ein Blackout mit völligem Ausfall der Kommunikation wurde angenommen und kürzlich wurde in einer bundesweiten Notfunkübung die Zusammenarbeit geprobt. Die Übung hatte den Namen „HOT-Austria“ und stand im Zeichen der Wetterkapriolen durch die steigenden Temperaturen im Klimawandel. Übungsziel war, möglichst viele Verbindungen zu allen politischen Bezirken in Österreich, aber auch zu Behördenfunkstellen in den Landeswarnzentralen, den Bezirkshauptmannschaften, der Feuerwehr, dem Bundesheer, dem Roten Kreuz und dem Innenministeriums herzustellen. Teilgenommen haben 6.000 Funkamateure in ganz Österreich, 1.500 in Niederösterreich. „Sogar der ORF und die A1 Telekom Austria haben versucht, Verbindung aufzunehmen“, erklärt Michael Zwingl.

„Es wurde alles in echt geübt“, berichtet Barbara Zwingl, alles sei dokumentiert worden, um es im Anschluss auf einer Karte einsehen zu können. „Alles was unser gemeinnütziger Verein der Amateurfunker an Daten erheben konnten, stellen wir Rettung und Bundesheer und allen wichtigen Institutionen und Ämtern gratis zur Verfügung“, berichten die beiden Neulengbacher.

Die Freude bei Familie Zwingl ist groß, „denn bei der Notfallübung haben auch viele junge Amateurfunker, die erst vor Kurzem ihre Prüfung abgelegt haben, mitgemacht.“ So auch die zukünftige Schwiegertochter der Zwingls, Larissa Rentmeister.

„Es wurde alles in echt geübt“

Die tägliche Kommunikation mit Smartphone und Internet sei auf wackeligen Beinen aufgebaut. Eine Naturkatastrophe oder Stromausfall könnten schnell einen Totalausfall verursachen, so Michael Zwingl, selbst in Niederösterreich hätten Überschwemmungen und Blitzeis in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Kommunikation ganz plötzlich unmöglich ist. „Dann ist es auch nicht möglich, zu erfahren, ob etwa die Kinder gut in der Schule angekommen sind oder wie es der alten Großmutter geht“, gibt Zwingl zu bedenken: „Hier kann die Antenne und eine kleine Autobatterie eines Funkamateurs helfen und das Senden lebenswichtiger Nachrichten ermöglichen.“

„Für uns Funkamateure ist es selbstverständlich mit unseren speziell gebauten Notfunkkoffern an dieser Übung zusammen mit der Landeswarnzentrale in Tulln und der Stadt St. Pölten teilzunehmen“, sagt auch Rudi Fuchs aus Phyra, ehrenamtlicher Notfunkreferent des ÖVSV Niederösterreich. Sein Funkfreund Michael Zwingl erklärt: „Meine Funkstelle ist direkt mit dem Krisenstab über eine 100Mbit/s schnelle Datenfunkstrecke am Buchberg verbunden.“

Der ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband) ist ein nicht auf Gewinn ausgerichteter, gemeinnütziger, österreichweit tätiger Verein. Er ist das österreichische Mitglied der International Amateur Radio Union (IARU), des weltweiten Verbandes aller nationalen Amateurfunkverbände. Laut Telekommunikationsgesetz ist der Amateurfunkdienst unter anderem auch ein Dienst für die Durchführung von Not- und Katastrophenfunkverkehr. Weitere Informationen gibt es unter: www.oevsv.at

Schon im Vorjahr war die Übung mit über 35.000 fehlerfreien Funkverbindungen ein Erfolg: Nur vier Bezirke Österreichs waren nicht erreichbar.