Neulengbach

Erstellt am 29. August 2018, 05:29

von Christine Hell

Hobby mit Beruf vereint: Die Familie der Funker. Michael und Barbara Zwingl besitzen Amateur-Lizenz, Sohn Florian war mit neun Jahren der jüngste Funker mit abgelegter Prüfung in ganz Österreich.

Barbara und Michael Zwingl funken von ihrem Zuhause aus in die ganze Welt. Auch im Urlaub ist eine Funkanlage immer mit.  |  NOEN

Ein paar geschickte Handgriffe an der riesigen Anlage, plötzlich rauscht es, auf einem kleinen Bildschirm erscheint ein Zackengebilde und man hört Stimmen. „Oscar Echo drei Mike Zulu Charlie“, meldet sich Michael Zwingl und ist auch schon in Verbindung mit seinem Sohn. Über Funk.

Florian befindet sich auf einem kleinen Felsen mit Leuchtturm, mitten im Meer zwischen Schweden und Finnland. Der 20-Jährige ist im Rahmen seines Zivildienstes beim Zivilschutzverband mit zwei weiteren jungen Männern auf „Market Reef“. „8.000 Funksprüche haben wir bereits abgewickelt, bis zu 12.000 werden wir schaffen“, berichtet der junge Neulengbacher.

Weltempfänger brachte ihn auf sein Hobby

„Wir sind eine richtige Funkerfamilie“ erklärt Michael Zwingl. Er selbst ist in seiner Jugend durch einen „Weltempfänger“ zum Funken gelangt, berichtet der 53-Jährige, der schon immer großes Interesse an Technik und am Experimentieren zeigte: „Ich habe Funkgeräte selbst gebaut, umgebaut, Antennen optimiert und bin dabei bis an die Grenze der technischen Möglichkeiten gegangen.“ Bereits mit 17 Jahren hat er die Prüfung abgelegt.

Florian Zwingl auf „Market Reef“, einem Felsen zwischen Schweden und Finnland.  |  privat

„Ich habe meinen Mann in der Studienzeit kennengelernt und war sofort von seinem Hobby fasziniert“, berichtet Gattin Barbara. In Zeiten, wo es kein Internet und keine Handys gab, war es für das Sprachentalent ein Traum, durch Funk mit Menschen in der ganzen Welt zu kommunizieren. Die gebürtige Oberösterreicherin legte die Amateurfunkerprüfung bei der Fernmeldebehörde ab und bekam die Lizenz zum Funken und auch ihr eigenes Funkrufzeichen: OE3YCB. „Man buchstabiert im Internationalen Alphabet, also Yankee Charlie Bravo“, berichtet die Funkamateurin.

Die Funkanlage wurde auch zu Urlauben mitgenommen

 „In Griechenland haben wir einmal Funkkontakt zu einer Familie auf den Malediven geschafft“, erzählt die 50-Jährige stolz. Einen Weltrekord stellten die Zwingls mit einer selbst gebauten Videofunkverbindung von Korfu nach Malta auf. „Ich richtete nach Anweisung die Antenne, der Restaurantbesitzer kam mit seiner Familie ins Zimmer, um diese Sensation mitzuerleben“, so die 50-Jährige. Im Jeep in Namibia oder im Australischen Outback verwendeten die Zwingls ihre Funkanlage als einziges Kommunikationsmittel zur Zivilisation.

„Wir verwenden den Mond als Reflektor, er reflektiert das Signal auf andere Kontinente. Aber auch über Meteoriten können Nachrichten verschickt werden“, berichtet Michael Zwingl, der beruflich für Polizeifunk und für das Funkwesen der Feuerwehr und Rettung zuständig ist und gemeinsam mit Sohn Florian schon eine Meteor-Radarstation am Dach des Naturhistorischen Museums in Wien installiert hat: „Damit kann man im Saal Meteoriten verglühen hören.“ Er macht auch auf einen Kurs des NÖ Zivilschutzverbandes aufmerksam, der am 11. September in Tulln beginnt.