Ingrid Korosec: „Nicht in Pension stolpern“. Ingrid Korosec über ihre neue Funktion als Seniorenbund-Chefin und ihre Heimat Neulengbach.

Erstellt am 21. September 2016 (05:02)
NOEN, zVg
Ingrid Korosec ist die neue Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes. Ihre Freizeit verbringt sie gerne in ihrer Heimat Neulengbach.

Ingrid Korosec (75) wurde in der Vorwoche als Nachfolgerin von Andreas Khol in seiner Funktion als Obmann des Österreichischen Seniorenbundes gewählt. Der NÖN stand die Neulengbacherin Rede und Antwort.

NÖN: Was sind Ihre Pläne in Ihrer neuen Funktion?
Ingrid Korosec: Ich bin sehr glücklich, zur Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes gewählt worden zu sein. Ich freue mich, auch als erste Frau in der Geschichte von mehr als 60 Jahren Österreichischer Seniorenbund hier eine gewisse Pionierrolle einnehmen zu können. Ich war die erste Frau der ÖVP als Generalsekretärin, ich war die erste Frau der ÖVP als Volksanwältin. Ich bin die erste Frau in der Wiener Landesorganisation des Seniorenbundes. Ich bin die erste Frau als Seniorenratspräsidentin.

Für mich sind unter anderem fünf zentrale Punkte von besonderer Bedeutung: Den Wirtschaftsstandort Österreich stärken, eine echte Jugendpartnerschaft pflegen, die Pflege und Betreuung nachhaltig sichern, die Leistung und das Eigentum schützen und unsere Sicherheit und unsere Freiheit garantieren. Das bedeutet auch, keine Altersdiskriminierung in jeder Form.

Sieben Jahre waren Sie zuvor als Obmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes tätig. Was hat sich in dieser Zeit getan?
In diesen Jahren hat sich viel getan, einige Punkte möchte ich erwähnen: Die Herausgabe von den „Kopfnüssen“ – die dritte Auflage ist gerade in Vorbereitung, regelmäßige Seniorenkongresse, laufende Parlamentsbesuche von Seniorengruppen aus den Bundesländern, kostenlose Mitgliederberatung in Sozial- und Rechtsfragen, viele Kurs- und Freizeitangebote, Bundesmeisterschaften im Schifahren, Tennis, Kegeln und Golf und mehr.

Der Seniorenbund hat allgemeines politisches Mandat, wir lassen uns nicht auf „warm, satt und sauber“ beschränken. Außerdem haben wir die Lohnsteuersenkung für Senioren erreicht, der Pflegefonds wurde bis 2018 verlängert und muss ins Dauerrecht übernommen werden, Pensionen wurden gesichert (geringere Zuschüsse als vorgesehen). Der Seniorenbund hat zudem bei der neuen Ausbildung der Pflegekräfte mitgewirkt und ländliche Hausärzte durch Lehrpraxen sowie ärztliche Hausapotheken erfolgreich unterstützt. Beim neues Erb-recht werden Pflegeleistungen berücksichtigt. Erfolg war auch die Abschaffung des Pflegekinderregresses in der Steiermark.

Damit ist in ganz Österreich kein Kinderregress mehr möglich. Es wurde ein Bundesplan für Senioren im Ministerrat beschlossen. Das ist ein Meilenstein der Seniorenpolitik unter maßgeblicher Mitwirkung des Seniorenbundes.

Die Pension ist ein schöner Lebensabschnitt, mit Zeit für all das, was bisher warten musste – mit viel Freiheit, die wir gestalten können, mit viel Freizeit, die wir sinnvoll nützen können.“

Ingrid Korosec, Seniorenbund-Präsidentin

Die ältere Generation liegt Ihnen also sehr am Herzen?
Ja! Ganz besonders. Dieser Lebensabschnitt ist eigentlich aufgrund der langen Lebenserwartung der längste Lebensabschnitt. Ich sehe eine zeitgemäße Seniorenpolitik, dass wir hier zeitgerecht beratend agieren. Dieser Lebensabschnitt muss stärker und positiver ins Bewusstsein gehoben werden. In die Pension muss keiner hineinstolpern, daher ist es notwendig, sich vorzubereiten. Denn es ist ein schöner Lebensabschnitt, mit Zeit für all das, was bisher warten musste – mit viel Freiheit, die wir gestalten können, mit viel Freizeit, die wir sinnvoll nützen können.

In Wien sind Sie als Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin sowie als Vorsitzende des Wiener Seniorenbundes aktiv. Was wünschen Sie sich für Niederösterreich, im Speziellen für Ihre Heimat Neulengbach als neue Präsidentin?
Niederösterreich ist ein wunderbares Bundesland. Ich wünsche mir, dass dieses Niederösterreich, das unter Landeshauptmann Pröll zu einem Juwel geworden ist, so bleibt. Neulengbach ist eine sympathische kleine Stadt, mit einer Reihe von kulturellen Angeboten, einem tollen Freizeitzentrum und vielen lieben Menschen. Wenn ich mir etwas wünschen darf: Wieder Sommerfestspiele in der Burg. Das konnte ich vor Jahrzehnten erleben und habe es noch in bester Erinnerung.

Obwohl ihr Lebensmittelpunkt aufgrund Ihrer umfangreichen Tätigkeiten in Wien ist, verbringen Sie auch gerne viel Zeit in Neulengbach? Warum? Welche Verbindung haben Sie?
In meinem Haus in Neulengbach lebt mein älterer Sohn mit seiner Frau und mit meinen zwei Enkelkindern. Das ist Heimat und da ist es eine große Freude nach Neulengbach zu fahren. Mein Garten macht mir sehr viel Spaß, aber auch viel Arbeit.

Körperliche Tätigkeit ist das Beste, um einen gewissen geistigen Stress abbauen zu können und das gelingt mir hier besonders gut. Darüber hinaus spiele ich mit Begeisterung Tennis. Die kurze Zeit, die ich in Neulengbach verbringe, habe ich eigentlich ständig Garten-, Familien- und Freizeitstress – und das ist wunderschön!