Kunden sollen sich durch Nahversorgung wohlfühlen. Mit großem persönlichen Einsatz können kleine Unternehmen in der Region bestehen.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 26. November 2019 (03:49)
Georg Brutschy ist der Stadtgreißler von Neulengbach. Seine Mutter Maria hilft mit ihren 83 Jahren noch jeden Tag im Geschäft mit.
Hinterndorfer

„Zum Brutschy geh’ ich gern einkaufen, weil man da immer ein paar Worte mit dem Chef oder mit der Senior-Chefin plaudern kann“, erzählt eine Stammkundin der Neulengbacher Stadtgreißlerei.

Georg Brutschy führt das Geschäft auf dem Hauptplatz in dritter Generation. Er hat vor fast 40 Jahren als Junior-Chef begonnen. Nach der Pensionierung seiner Mutter hat er den Laden übernommen. Derzeit beschäftigt er drei Mitarbeiterinnen. Maria Brutschy (83) hilft noch immer täglich mit und ist an der Kassa im Einsatz. Sie findet es traurig, dass gerade in kleineren Orten die Nahversorgung immer weniger wird: „Vor allem ältere Leute tun sich schwer, wenn es gar nichts mehr gibt, kein Geschäft, keine Post, keine Bank.“

„Es gibt noch Stammkunden, aber die werden mit dem Generationenwechsel weniger"

Den Neulengbacher Nahversorger Brutschy gibt es seit den 1930er-Jahren. Auf die Frage, wie es gelingt, als kleiner Betrieb zu überleben, antwortet Georg Brutschy: „Der Mix im Angebot muss passen und das Preis-Leistungsverhältnis muss passen. Und das Um und Auf für die Kunden ist der Wohlfühlfaktor. Die Leute müssen gern zu uns kommen, das ist wichtig.“ Die Konkurrenz durch Supermärkte und die aggressive Preispolitik mache es kleinen Unternehmern nicht leicht. Der Neulengbacher Stadtgreißler stellt auch ein geändertes Konsumverhalten fest: „Es gibt noch Stammkunden, aber die werden mit dem Generationenwechsel weniger. Der neue Konsument ist flexibler, hat einen anderen Tagesrhythmus. Er kommt zwar regelmäßig, aber in einer anderen Regelmäßigkeit. Da wird nicht unbedingt jeden Tag gekocht, da holt man sich auch einmal eine Pizza.“

Ein kleiner Unternehmer müsse auf jeden Fall mit besonders viel Einsatz und Engagement am Werk sein, stellt Georg Brutschy fest: „Sonst würde es nicht funktionieren.“ Viele kleine Mosaiksteine würden ein Überleben möglich machen. Zu diesen Mosaiksteinen gehören beim Stadtgreißler in Neulengbach Lieferservice oder kleine Caterings bei Veranstaltungen. Für ihn sei die Arbeit eine Berufung, die er bis zur Pension machen möchte, erzählt Georg Brutschy.

Besonderen Einsatz zeigt auch Andrea Stürzl, die Betreiberin des Nah- und Frisch-Geschäfts in Kirchstetten: „Wir haben Montag und Freitag selbst gemachte Mehlspeisen, Mittwoch und Freitag gibt es warmen Schweinsbraten.“ Platten, Brötchen und Brezeln werden auf Wunsch hergerichtet. Auch Hauszustellung wird angeboten. Andrea Stürzl freut sich über viele Stammkunden. Auch die Kaffee-Ecke werde gern angenommen, berichtet die Nahversorgerin gegenüber der NÖN.

Die Chefin und ihre drei Mitarbeiterinnen sind bemüht, besondere Kundenwünsche zu erfüllen. Auch an die Kinder wird gedacht: Am 6. Dezember um 16 Uhr kommt der Nikolaus.

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