Nach dem Zyklon: Astrid Bliem hilft in Mosambik. Neulengbacherin ist seit vielen Jahren in dem südafrikanischen Land. Derzeit engagiert sie sich ehrenamtlich für die Opfer des Wirbelsturms.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 09. April 2019 (04:28)
privat
Astrid Bliem hat in Maputo ihre zweite Heimat gefunden. Sie lebt dort mit ihrer Stieftochter Judite. Derzeit sind beide mit dem Sammeln von Hilfsgütern und Spendengeldern für die vom Zyklon betroffenen Menschen beschäftigt.

„Das Wichtige ist nun zu helfen, um nicht noch mehr Menschenleben zu verlieren“, sagt Astrid Bliem nach dem Zyklon, der Mitte März in Mosambik gewütet und vor allem die Hafenstadt Beira schwer getroffen hat. Viele Menschen starben, Tausende wurden obdachlos.

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Fabio wurde einige Tage nach dem Zyklon geboren. Seine Mama ist nach der Geburt verstorben. Maria da Graca Zeca versorgt den Buben mit Milchpulver. Das Geld dafür stammt von den Spendengeldern, die Astrid Bliem sammelt.

Die Neulengbacherin ist seit ihrem Freiwilligendienst 2003 immer wieder in Mosambik, hat sich sogar ein kleines Häuschen gebaut, wo sie mit Stieftochter Judite lebt.

„Hier in Maputo habe ich mein zweites Zuhause gefunden. Die Gastfreundschaft der Mosambikaner, ihre Offenheit gegenüber Fremden war der Grund, warum ich immer wieder kam, bis ich selbst zur Gastgeberin für Freunde und Familie aus Österreich wurde“, sagt sie. Seit Februar ist sie wieder in Mosambik, um eine Studie zum Abschluss ihres Masterstudiums der nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit durchzuführen.

„Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß und hält hoffentlich noch lange an.“ Astrid Bliem

Jetzt hilft sie von Maputo aus den Opfern des Wirbelsturms, wo sie kann. Gemeinsam mit ihrer Stieftochter Judite hat sie Kleidung gesammelt, viele Hilfsmittel besorgt und nach Beira geschickt. Außerdem hat sie Geld für Benzinkosten an den Aeroclub Mozambique gesendet, der Menschen von Dächern und aus Bäumen gerettet hat.

„Einige Orte sind nach wie vor nur mit Boot oder Hubschrauber zu erreichen. Es gestaltet sich schwierig, den Menschen dort zu helfen“, schildert die Neulengbacherin, die selbst vom Zyklon nicht betroffen war: „Wir sind etwa 1.000 Kilometer und eineinhalb Flugstunden von Beira entfernt. Ich war 2012 zuletzt dort und habe die erste Woche nach dem Unglück um eine liebe Freundin gebangt. Ihr ist zum Glück nichts passiert. Bis zur Wiederherstellung des Strom- und Handynetzes haben fast alle Menschen in meinem Umfeld um jemanden aus der Familie oder aus dem Freundeskreis gebangt. Inzwischen gibt es zumindest Gewissheit. Leider hat aber auch eine Freundin Verwandte verloren“, berichtet Astrid Bliem.

„Das ist Direkthilfe, jeder Cent kommt an“

Sie hat ein Spendenkonto eingerichtet. Für Hans und Grete Bliem war es selbstverständlich, ihre Tochter von Neulengbach aus bei der Hilfsaktion zu unterstützen. Sie haben selbst im Bekanntenkreis Spenden gesammelt: „Das ist Direkthilfe, jeder Cent kommt an“, betont Grete Bliem.

Von Maputo aus organisiert Astrid Bliem die Hilfsaktionen. Sie schickt das Geld an ihre Freundinnen Maria da Graca Zeca und Minda, die Hilfsgüter besorgen und an die Menschen übergeben. So verteilt etwa Maria da Graca gemeinsam mit der Bewegung „Frauen für den Frieden“ hauptsächlich Lebensmittel und Hygieneartikel an Familien.

Die Hilfe der Regierung erreiche zuerst die Menschen in den Auffanglagern. Die Menschen, die ihr Zuhause nicht verloren haben, seien oft auf sich alleine gestellt, weiß Astrid Bliem. Sie berichtet von traurigen Schicksalen: Der kleine Fabio wurde einige Tage nach dem Zyklon geboren, seine Mama ist nach der Geburt verstorben. Maria da Graca Zeca hat für den Buben einen großen Vorrat an Milchpulver organisiert.

Eine Freundin der Neulengbacherin blieb zwar unverletzt, ihr Haus wurde aber durch den Sturm und den Regen schwer beschädigt. „Ich hoffe, dass ich auch ihr mit Spendengeld helfen kann“, sagt Astrid Bliem.

Freundin Minda lebt zwar nicht in Beira, war aber Tage nach dem Unglück vor Ort, um nach dem Vater ihrer Kinder zu suchen. „Zum Glück hat sie ihn in einem Auffanglager gefunden, aber auch sein Haus ist schwer beschädigt. Sein Bruder ist im eigenen Haus ertrunken. Minda fährt seit dem Unglück regelmäßig nach Beira und verteilt Lebensmittel und andere dringend benötigte Hilfsgüter.“

Auf die Frage, wie schwierig sich die Hilfeleistung gestaltet, antwortet Astrid Bliem: „In den ersten Tagen hat die Zivilgesellschaft in Maputo sofort Hilfsgüter gesammelt und 42 Container, vor allem mit Lebensmittel gefüllt, mit einem Schiff nach Beira geschickt. In vielen Supermärkten, in Schulen, in Wohnvierteln wurden Sammelpunkte eingerichtet um dann die Güter am Hafen zu übergeben. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß und hält hoffentlich noch lange an.“