„Rettet den Klosterberg“ will neue Wohnungen verhindern. Gegen die Verbauung der Klosterbergwiese in Neulengbach hat sich eine Bürgerinitiative „Rettet den Klosterberg!“ formiert.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:30)
Christine Felkel und Barbara Moser (r.) sammelten am Samstagvormittag Unterschriften gegen das geplante Wohnbauprojekt. 150 Personen haben schon unterschrieben, darunter auch Bernhard Stefl, im Bild mit Sohn Lucas.
NOEN

Wie berichtet plant die Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland etwa hundert Wohnungen auf dem zentrumsnahen Areal.

Die Alpenland plane die totale Verbauung der 14.000 Quadratmeter großen Klosterbergwiese, wettert die Bürgerinitiative. Das stimmt laut Genossenschaft nicht: Nur ein Teil des 14.500m² großen Grundstückes ist als Bauland gewidmet. Etwa 25 Prozent der Baulandfläche werden verbaut, das sind 2.800 Quadratmeter. Der Rest werde mit Grünraumplanung gestaltet.

Barbara Moser hat den Eindruck, dass viele Neulengbacher mit dem Projekt nicht einverstanden sind. Deswegen hat sie die unabhängige Bürgerinitiative gegründet und eine Unterschriftenaktion gestartet. 150 Unterschriften wurden am Samstagvormittag gesammelt.

„Das grüne Herz von Neulengbach, der Klosterberg als Teil des Schlossbergs darf nicht verbaut werden“, so die Wohnbaugegner. Der Schlossberg sei ein Riesenkapital, der Familienschatz Neulengbachs. Sein Ausverkauf sei kurzsichtig und unverantwortlich. Die Erhaltung des Naherholungsgebiets sei gerade angesichts der Klimaerwärmung besonders wichtig: „Große, intakte Grünflächen sind für die Kühlung wichtig“, betont Barbara Moser. Durch die neuen Wohnungen würde noch mehr Autoverkehr entstehen, der auch andere Gemeinden betreffe, wenn Pendler zur Autobahn fahren. Und man müsse Folgekosten bedenken: „Man wird zum Beispiel in Schulen und Kindergärten mehr Platz brauchen.“

„Das grüne Herz von Neulengbach, der Klosterberg als Teil des Schlossbergs darf nicht verbaut werden“

Kritik übt die Gründerin der Bürgerinitiative an der Stadt: „Die Gemeinde hat das Projekt sehr geheim gehalten. Sie informiert nicht über die Dimension und mit welchen Auswirkungen wir rechnen müssen.“

Diese Kritik weist Bürgermeister Franz Wohlmuth entschieden zurück: „Da ist nie etwas geheim gehalten worden.“ Außerdem sei die Gemeinde weder Grundverkäufer noch Bauträger. „Die Genossenschaft hätte eine Infoveranstaltung gemacht, das war aber im Corona-Jahr nicht möglich“, so Wohlmuth.

Alpenland-Obmann Norbert Steiner verweist darauf, dass es vor Beginn der Planung eine Infoveranstaltung zum Projekt gegeben hat. „Im Zuge des Bauverfahrens wurden fünf Einwände von Anrainern gemeldet. Im Juli wurden diese besorgten Nachbarn zu einem Sprechtag geladen. Hauptkritik waren die Versickerung und Lärmimmissionen durch Spielplätze.“ Es sei zugesichert worden, dass in der weiteren Planung auf die Sorgen der Anrainer reagiert wird. „Nach unserem Eindruck gibt es ein gutes Einvernehmen der Anrainer zu Alpenland“, so Norbert Steiner. Man warte auf den Baubescheid und erst danach könne man weitere Schritte ausarbeiten.

Warten auf den Baubescheid

Wie Bürgermeister Franz Wohlmuth berichtet, ist die Bauabteilung damit beschäftigt das Projekt und die Einwände von Anrainern zu prüfen: „Alle Stellungnahmen werden gewürdigt.“ Wohlmuth rechnet damit, dass es noch heuer einen Baubescheid geben wird. Der Klosterberg ist für ihn beste Wohngegend. „Wir haben in unserem Leitbild verankert, dass großvolumiger Wohnbau nur in Zentrums- und Bahnnähe entstehen soll.“ Natürlich hätten Nachbarn mit derartigen Projekten keine Freude. Und natürlich dürfe man nicht jeden Quadratmeter verbauen. Aber man müsse auch neuen Wohnraum schaffen. Und im Fall des Klosterberg-Projekts werde kein wertvolles Ackerland verbaut.

Auch die Neulengbacher Grünen haben mit dem Wohnbau am Klosterberg kein Problem. Gemeinderätin Claudia Anderl erklärt: „Wir sind nicht für endloses Wachstum und Zubauen. Aber solche Wohnungen sind für junge Menschen wichtig.“ Grundsätzlich müsse man darauf achten, dass nicht zu viele Flächen versiegelt werden. Aber der Klosterberg sei ein gutes Grundstück für verdichteten Wohnbau: „Das ist eine super Lage, man ist sofort im Zentrum, kann zu Fuß zum Bahnhof, zur Schule, zum Kindergarten gehen.“ Grundsätzlich begrüßen die Grünen Bürgerbewegungen. Dass die Initiative „Rettet den Klosterberg!“ Erfolg hat, glaubt man nicht,weil das Areal gewidmetes Bauland ist.

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