Spielsüchtiger klaute Arbeitgeber 275.000 Euro. 42-Jähriger brauchte Geld fürs Wetten und erleichterte seinen Arbeitgeber. Vor Gericht setzte es bedingt verhängte Strafe.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 25. September 2018 (04:45)
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„Ich habe fast täglich gewettet. Jetzt habe ich damit aufgehört, weil nichts mehr in meinem Leben funktioniert hat“, erzählt ein 42-Jähriger vorm Richter. Vor diesem sitzt der Neulengbacher als Angeklagter. Bei seinem Arbeitgeber entwendete der Verkäufer ob seiner Spielsucht Geld und sackte insgesamt 275.000 Euro ein. Sieben Jahre lang langte der 42-Jährige zu, griff tausend Mal in die Kassa eines Unternehmens in St. Pölten, bis eine innere Revision seine kriminellen Machenschaften ans Tageslicht brachte.

Wie er vorgegangen ist? „Ich habe Gutschriften ausgestellt für Waren, die nie retour gekommen sind. Es war so, dass ein Kunde bezahlt hat, zwei, drei Tage später habe ich die Gutschrift ausgestellt und das Geld aus der Kassa entnommen“, erzählt der Neulengbacher im Prozess am Landesgericht. „Ungewöhnlich, dass das niemand aufgefallen ist“, meint darob der Richter. „Es hat keiner aufgepasst und gab eine Kassenlade, da konnte jeder Verkäufer zugreifen“, setzt der Angeklagte fort und mutmaßt, dass auch andere gestohlen haben: „Ich habe beobachtet, wie jemand eine Gutschrift erstellt hat, und habe gewusst, dass davor nichts retourniert worden war.“

Zuerst Verfahren wegen tätiger Reue eingestellt

Nachdem die Malversationen aufgeflogen waren, sei der Angeklagte sofort kooperativ gewesen. „Er hat von Anfang an reinen Tisch gemacht“, erzählt eine Zeugin.

„Weil der Angeklagte umfassend geständig war, wurde ein Verfahren gegen ihn wegen tätiger Reue zuerst eingestellt. Dann ist aber das Finanzamt hinter alles gekommen und hat für das entwendete Geld Steuer fällig gestellt. Der Angeklagte ist somit in die Insolvenz geschlittert. Hätte er aber keine Einkommensteuer zahlen müssen, hätte er der geschädigten Firma alles wieder zurückzahlen können“, sagt der Staatsanwalt, der sich für bedingt verhängte Freiheitsstrafe ausspricht.

Um Milde bittet der Verteidiger des Angeklagten. „Mein Mandant hat alles darum gegeben, das Geld zurückzuzahlen“, so der Rechtsanwalt. Das letzte Wort des Angeklagten vor Urteilsverkündung? „Ich schäme mich und möchte mich herzlichst entschuldigen.“

Für den bislang unbescholtenen Neulengbacher setzt es wegen schweren gewerbsmäßigen Diebstahls 21 Monate auf Bewährung. Weiters muss er die Kosten fürs Strafverfahren bezahlen. „Der Angeklagte war umfassend reumütig geständig“, begründet der Richter. Das Urteil ist rechtskräftig.