Betrunkener stahl Firmenwagen: „Kein Geld für den Zug“

Betrunkener fuhr ohne Führerschein in Neulengbach mit Firmenwagen, bei dem der Schlüssel steckte, davon. In St. Pölten war Endstation. Vor Gericht zeigt er sich geständig.

Beate Riedl Erstellt am 07. Oktober 2021 | 04:45
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Foto: Aleksandar Mijatovic/Shutterstock.com

Acht Bier, drei Viertel Wein und kein Geld für den Zug – das sollen die Gründe für jene Rauschaktion gewesen sein, für die sich ein St. Pöltner (42) vor Gericht verantworten muss: Er hatte sich im Juni bei der Baustelle der ÖBB-Haltestelle in Neulengbach hinters Steuer eines dort abgestellten Firmenwagens gesetzt, bei dem der Schlüssel steckte, und brauste über Ollersbach und Kirchstetten nach St. Pölten, wo eine Polizeistreife der Fahrt ein Ende setzte (die NÖN hat berichtet).

Dass der 42-Jährige gar nicht im Besitz eines Führerscheines ist und an diesem Tag etwas über den Durst getrunken hatte, dürfte ihm in diesem Moment egal gewesen sein.

„Ich hatte einen Filmriss, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.“ Angeklagter

Vor Gericht zeigt er nun Reue. „Es tut mir leid“, sagt er vor Richterin Doris Wais-Pfeffer, die von ihm wissen möchte, wie man überhaupt auf so etwas kommt. Erklärung hat er dafür keine. „Ich weiß es nicht“, sagt er. Auch, dass er auf dem Weg nach St. Pölten ein Auto touchiert hätte, weiss er nicht mehr.

„Ich hatte einen Filmriss, ich kann mich nicht mehr daran erinnern“, gibt der 42-Jährige, der mehrere – auch offene – Vorstrafen hat, an. Mit dem unbefugten Gebrauch des Fahrzeuges geht auch die Anklage der Urkundenunterdrückung einher, da im Firmenwagen die Papiere lagen und natürlich auch Kennzeichen am Fahrzeug montiert waren. Zu diesem Vorwurf zeigte er sich genauso geständig wie zum Vorwurf der Verletzung der Unterhaltspflicht, denn er soll seit mehreren Jahren keinen Unterhalt für seinen Sohn bezahlt haben. Knapp 6.000 Euro ist er im Rückstand. Die Trennung von seiner Frau, übermäßiger Alkoholkonsum und Obdachlosigkeit führten dazu, dass er die Zahlungen nicht durchführen konnte. „Es ist seit mehreren Jahren keine nachhaltige Stabilisierung möglich“, erklärt sein Bewährungshelfer. Außerdem sieht er den Angeklagten als schwer vermittelbar, wobei seit wenigen Monaten eine positive Entwicklung erkennbar sei.

Die Richterin ordnet deshalb ein Gutachten an, das klären soll, ob das Verhalten des Angeklagten in der Situation überhaupt strafbar sei. Die Verhandlung wurde vertagt.