Theresa Prammer präsentiert Krimi: „Lockvogel“ ist da

Erstellt am 11. März 2021 | 03:29
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Theresa Prammer
Theresa Prammer hat einen neuen Krimi geschrieben. Am 16. März erscheint der „Lockvogel“ im Haymon Verlag.
Foto: Janine Guldener
Theresa Prammer, Regisseurin der Neulengbacher Komödienspiele, präsentiertihr neues Buch. Mit der NÖN sprach sie über #MeToo, Lieblingsbücher und die Pandemie.
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NÖN: In Ihrem neuen Buch „Lockvogel“ geht es nicht nur um eine Schauspielschülerin in Geldnot, sondern auch um einen Starregisseur, der sich einer jungen Schauspielerin gegenüber nicht korrekt verhalten haben soll. Wie ist die Idee entstanden, die MeToo-Debatte in einen Krimi zu verpacken? Gab es einen bestimmten Auslöser?
Theresa Prammer:
Ich kann das gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich war beides bereits in meinem Kopf und hat sich dann selbstständig verknüpft. Was mich vor ein paar Jahren, als #MeToo so ins Rollen kam, sehr bewegt hat, waren die Vorwürfe gegen Dustin Hoffman. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler und „Tootsie“ steht ganz oben auf der Liste von Filmen, die ich immer und immer wieder anschaue. Ich konnte das einfach nicht glauben. Als ich mit vierzehn Jahren auf Sprachreise in London war, habe ich mir ein Autogramm von ihm geholt. Er war hinreißend, hat ganz normal mit mir geplaudert. Ich habe ihm einen Brief gegeben – wie großartig ich ihn finde. Darauf hat er mir ein Foto mit darauf gemaltem Herz geschickt. Das Bild hängt immer noch bei uns im Wohnzimmer.

„Mein Mann ist ein hervorragender Ratgeber.“ Theresa Prammer

Wie sehr beschäftigt Sie persönlich die MeToo-Debatte?
Im Schauspiel sind körperliche und emotionale Nähe Voraussetzungen. Man muss einander vertrauen können, ob es sich nun um Kollegen oder die Regie handelt. Zum Glück war ich selbst nie in einer wirklich „brenzligen“ Situation, aus der ich nicht selbst wieder rausgekommen bin. Von ehemaligen Schauspiel-Kolleginnen weiß ich, dass es auch andere Geschichten gibt.

Sind die Figuren im Buch alle frei erfunden oder gibt es da Parallelen zu lebenden Personen?
Bei mir sind immer alle Figuren vollkommen frei erfunden, aber manchmal leihe ich mir Spleens oder Eigenschaften von Menschen aus meinem Umfeld.

Hat sich die Pandemie auf Ihre Arbeit als Autorin ausgewirkt?
Tatsächlich hat sie das sehr. Gar nicht auf den Arbeitsprozess – am Anfang habe ich kaum realisiert, dass es einen Lockdown gibt, da ich sowieso viel zu Hause sitze und schreibe. Aber dann wurde es doch spürbar anders und ich wollte meine Zeit mit zwei Menschen verbringen, die ich richtig gern habe und mit denen ich auch sehr gerne befreundet wäre. Und so sind die beiden Hauptfiguren Toni und Edgar entstanden. Ich habe mir zwei Freunde quasi „herbeigeschrieben“. Edgar ist Mitte fünfzig. Er verdrängt heftige Schuldgefühle wegen seines niedergeschossenen Geschäftspartners mit zu viel Arbeit. Toni ist Anfang zwanzig, glaubt felsenfest an das Gute im Menschen und kann es nicht fassen, dass ihr Freund sich mit ihrem Geld aus dem Staub gemacht haben soll.

Ich habe mir zwei Freunde quasi „herbeigeschrieben“

Wie schreiben Sie? Haben Sie einen fixen Zeitplan?
Ich fange in der Früh an mit den Morgenseiten. Das ist so eine Art Tagebuch, noch bevor man mit jemandem spricht. Da schreibe ich mit der Hand nicht nur meine Gedanken rein, sondern beginne gleich mit den Szenen, die ich tagsüber schreiben werde. Einen ganz fixen Zeitplan habe ich nicht, aber es gibt drei geblockte Schreib-Einheiten am Tag von ungefähr je zwei Stunden. Das Buch schreibe ich am Laptop.

Haben Sie die fertige Geschichte am Anfang schon im Kopf oder entwickeln sich Figuren und Geschichte beim Schreiben?
Beides. Ich habe ein konkret ausgearbeitetes Konzept. Beim Schreiben entwickelt sich die Geschichte mit den Figuren dann ganz alleine und ich brauche dieses Konzept, damit ich das zulassen kann.

Mit wem diskutieren Sie ein entstehendes Buch? Wer liest es als erstes?
Am Beginn rede ich kaum über das Buch. Dann kommt die Phase, in der ich mir Input von meinem Mann hole. Er ist ein hervorragender Ratgeber. Habe ich so ungefähr fünfzig Seiten, ist er der erste Leser und ich hole mir sein Feedback ein, bevor ich weiterschreibe.

Welche Bücher lesen Sie selbst? Haben Sie Lieblingsautoren?
Ich lese unglaublich viel und quer durch alle Genres. Meistens lese ich zwei Bücher gleichzeitig, ein Sachbuch, meistens aus der Psychologie, da mich das auch für meine Krimis interessiert, und einen Roman. Ich habe viele Lieblingsautoren, aber ich glaube, wenn ich einen wählen müsste, wäre das John Irving. Sein Roman „Owen Meany“ ist mein absolutes Lieblingsbuch.

Ich lese unglaublich viel und quer durch alle Genres

Sie sind nicht nur als Autorin tätig, sondern auch als Schauspielerin und Regisseurin der Neulengbacher Komödienspiele. Wie läuft da die Vorbereitung angesichts der Pandemie?
Die Vorbereitungen laufen wie geplant zu der Komödie „Das Geheimnis der drei Tenöre“. Natürlich verfolgen wir den Impffortschritt und die Testungen mit großer Aufmerksamkeit. Wir sind überzeugt, dass wir diesen Sommer spielen werden.

Wird’s eine Lesung vom „Lockvogel“ in Neulengbach geben?
Das würde mich sehr freuen. Vielleicht im Sommer auf der Open Air Bühne im Gerichtshof.

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