Verschickte Urne kam nicht an. Paket aus der Schweiz wurde wieder zurückgesendet. Bestatter tobt, Post beschwichtigt.

Von Beate Riedl. Erstellt am 27. November 2018 (04:03)
www.shutterstock.com/TunedIn by Westend61
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Sie hat wohl lange überlegt, bis sie endgültig die Entscheidung getroffen hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Ihre Krankheit, Fehldiagnosen und eine katastrophale Lebensqualität bekräftigten ihren Schritt, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Alles hat eine Wienerin (42) dafür geplant, bezahlt und vorbereitet. Auch mit einem Bestatter hat sie im Vorfeld Kontakt aufgenommen, um alles zu regeln und für ihre Angehörigen so unkompliziert wie möglich zu machen.

Die Frau setzte ihren Plan in die Tat um und reiste in die Schweiz, um dort ihrem Leben legal ein Ende zu setzen. „Vor zwei Wochen hat die Mutter der Verstorbenen angerufen und mir die Geschichte erzählt. Die Bestattung sollte über mich ablaufen und die Urne aus der Schweiz zu mir geschickt werden“, berichtet Jörg Bauer vom Bestattungsunternehmen Lichtblick, das kürzlich von Neulengbach nach St. Christophen übersiedelt ist.

Was dann passierte, sei laut Bauer ein „unglaublicher Skandal“: „Die Urne kam nicht bei uns an, als wir sie erwartet hätten“, erzählt er aufgebracht. Diese sei von einem Bestatter in der Schweiz an die Adresse in Neulengbach geschickt worden – die ursprüngliche Anschrift des Unternehmens. „Als das Paket nicht kam, begannen wir nachzuforschen“, sagt Bauer. Mehrere Telefonate und Interventionen seien notwendig geworden. „Hilfe von der Post bekamen wir nicht“, ärgert er sich.

Paket landete wieder in der Schweiz

Schließlich tauchte das Paket in einem Zollpostamt nahe Zürich wieder auf. „Unbekannt verzogen“ stand darauf, ärgert sich Bauer über die Vorgehensweise der Post – gerade bei diesem sensiblen Thema. „Damit die Urne rechtzeitig für die Bestattung in der Donau da war, machten sich zwei Leute von mir auf den Weg um sie zu holen, weil alleine darf diese nicht transportiert werden. Und ein zweites Mal verschicken war auch nicht möglich“, erklärt Bauer. Die Mutter der Verstorbenen sei heilfroh gewesen, dass sich alles doch noch vor der Bestattung ausgegangen ist.

Bei der Post bestätigt man den Vorfall. „Ja, das ist passiert, hat aber einen Grund“, sagt Post-Pressesprecher Michael Homola, „das war sicher eine unglaubliche Belastung für die Angehörigen, aber der Fehler liegt nicht bei uns“. Das Bestattungsunternehmen habe nach seinem Umzug zwar einen Nachsendeauftrag für Briefe, aber nicht für Pakete erteilt. „Der Zusteller hat vollkommen korrekt gehandelt, das ist das Standardprozedere“, nimmt Homola die Bediensteten in Schutz. Diese hätten auch nicht gewusst, was in dem Paket drinnen war.