Josef Friedl: „Ziehen an einem Strang“. Kirchstettens Bürgermeister Josef Friedl über seinen Start ins Bürgermeisteramt zu einer besonderen Zeit, Corona sowie aktuelle und geplante Projekte in der Gemeinde.

Von Beate Riedl. Erstellt am 06. August 2021 (05:50)
Josef Friedl
Kirchstetten ist eine attraktive Gemeinde, auch der neue Bahnhof habe einen Teil dazu beigetragen, weiß Bürgermeister Josef Friedl.
Beate Riedl

Zum Sommergespräch traf die NÖN ÖVP-Bürgermeister Josef Friedl.

NÖN: Sie sind seit Jahresbeginn in Pension. Vermissen Sie Ihren Arbeitsplatz beim Landeskriminalamt?
Josef Friedl: Aufgrund meiner Tätigkeit als Bürgermeister wird mir auf jeden Fall nicht langweilig. Ich bin aber nach wie vor in Kontakt mit meinen Kollegen. Außerdem wurde ich zum Ehrenmitglied vom Förderverein des Landeskriminalamts, bei dem ich Stellvertreter war, ernannt. Auch da besteht weiterhin eine Verbindung. Es war ein schöner Lebensabschnitt, der jetzt aber vorbei ist.

Das Interesse an Ihrem damaligen Arbeitsbereich, der Umweltkriminalität, ist nach wie vor vorhanden. Verfolgen Sie dementsprechende Nachrichten auch?
Natürlich, immerhin war ich insgesamt 37 Jahre beim Landeskriminalamt tätig.

„Ich lasse mich finanziell sicher auf keine Abenteuer ein. Wenn wir uns etwas nicht leisten können, dann können wir es auch nicht umsetzen.“ Bürgermeister Josef Friedl

Seit einem Jahr und fünf Monaten sind Sie nun Bürgermeister. Wenige Tage vor dem ersten Lockdown wurden Sie gewählt. Wie haben Sie Ihren nicht gerade leichten Einstieg in Erinnerung?
Wir hatten am 11. März eine längere Ausschuss-Sitzung, in dem wir das Thema Kindergarten behandelt haben. Es war meine erste Ausschuss-Sitzung als Bürgermeister. Johann Dill ist an diesem Tag neben mir gesessen. Er hat ein bisserl gehustet, aber da hat noch keiner an Corona gedacht. Wenige Tage später habe ich dann erfahren, dass er positiv auf Corona getestet wurde. Da habe ich gleich zu Beginn des ersten Lockdowns einen Absonderungsbescheid erhalten. Fünf Tage lang habe ich zu diesem Zeitpunkt auf mein Testergebnis gewartet, das negativ war. Johann Dill kam ins Spital und ist dann auch verstorben. Nach so einem Erlebnis ist man schon übersensibel.

Wie sehen Sie rückblickend die letzten knapp eineinhalb Jahre im Bezug auf Corona?
Gerade am Anfang war es eine große Herausforderung für alle. Alles war neu, alles musste gesperrt werden. Mittlerweile ist aber alles zur Routine geworden, wenn es etwa darum geht, Verordnungen umzusetzen. So muss man beispielsweise seit der vorigen Woche, wenn man das Gemeindeamt betritt, einen 3G-Nachweis vorzeigen oder eine Maske tragen. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Parteien.

Und wie steht es finanziell um die Gemeinde?
Wir sind eigentlich gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Ich lasse mich finanziell sicher auf keine Abenteuer ein, wenn wir uns etwas nicht leisten können, dann können wir es auch nicht umsetzen.

Wir sind eigentlich gut durch die Corona-Pandemie gekommen

Wie läuft und lief die Zusammenarbeit zwischen den Parteien?
Alle haben an einem Strang gezogen, wir haben uns immer abgestimmt und das hat sehr gut funktioniert. Grundsätzlich besteht eine gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen. Aufgabe der Opposition ist natürlich, Projekte zu hinterfragen, aber überwiegend haben wir ein gutes Einvernehmen. Das war vor und natürlich auch während Corona so. Das schätze ich sehr.

Die Statistik zeigt einen ständigen Bevölkerungszuwachs in Kirchstetten. Gibt es Pläne, das Wachstum weiter zu fördern – Stichwort Wohnbau und Aufschließungen?
Kirchstetten ist eine attraktive Gemeinde zum Wohnen. Wir haben wöchentlich Anfragen wegen Baugründen. Das schlägt sich auch auf den Preis nieder. Ein Quadratmeter kostete 2001 zwischen 35 und 40 Euro, derzeit sind wir derzeit auf 80 bis 100 Euro. Derzeit ist in Totzenbach beim Feuerwehrhaus, das gerade neu gebaut wird, ein Wohnprojekt geplant. 14 Wohnungen sollen dort errichtet werden. Im Frühjahr 2022 wird es voraussichtlich mit dem Bau losgehen. Und hinter der Baustelle sind eventuell Reihenhäuser geplant. Da läuft derzeit die Umwidmung. Mir ist vor allem wichtig, dass der ländliche Charakter erhalten bleibt.

Kirchstetten ist eine attraktive Gemeinde zum Wohnen

Mit dem Wachstum steigt auch der Bedarf an Kindergarten- und Schulplätzen. Wie es sieht es da aus?
Im Kindergarten in der Weinheberstraße ist eine Gruppe untergebracht, in der Jasminstraße zwei. Im Provisorium, dem ehemaligen Proberaum der Blasmusik Kirchstetten, kommt nun eine weitere Gruppe dazu. Da ist die offizielle Eröffnung für 17. September geplant. Auch die Schule ist Thema, derzeit gibt es fünf Klassen, 2023/24 brauchen wir mindestens eine Klasse mehr. Wir haben derzeit eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, wie wir weiter vorgehen können.

Und wie steht es um den Platz für die Musiker, diese wichen zum Proben ins Feuerwehrhaus Kirchstetten aus?
Ich bin froh, dass so eine Lösung gefunden werden konnte, dafür bin ich allen Beteiligten dankbar. Das Musikhaus, das neben dem Feuerwehrhaus Kirchstetten entstehen soll, ist in der Planungsphase, Angebote dafür werden gerade eingeholt.

Und welche Projekte stehen in naher Zukunft in Kirchstetten an?
Die LED-Umstellung der Straßenbeleuchtung, die Erweiterung des Betriebsgebietes und die Errichtung eines Auden-Denkmals gegenüber dem Gemeindeamt sind die nächsten größeren Vorhaben. Auch der Nahversorger soll für die Zukunft gesichert werden.