Region Wienerwald: Rüsten für mögliches Blackout. Erdbeben, Wetterkapriolen, Abschaltungen können jederzeit zu großflächigem, langandauernden Stromausfall führen. Jeder soll vorsorgen.

Von Christine Hell. Erstellt am 21. April 2021 (04:13)
Die Neulengbacher Familie Zwingl betreibt ein Notfunknetz: Barbara und Michael Zwingl vor ihrer riesigen Funkanlage.
Christine Hell/Archiv, Christine Hell/Archiv

Peter Stehlik hat bereits in vielen Vorträgen vor einem Blackout gewarnt.
Andrea Stoiser/Archiv, Andrea Stoiser/Archiv

„Der Zivilschutzverband predigt seit Jahren, dass jeder einzelne Bürger Vorsorgemaßnahmen zu treffen hat, um für eventuell eintretende Krisen gerüstet zu sein“, sagt Peter Stehlik. Der Eichgrabener ist Bezirksleiter-Stellvertreter im Zivilschutz im Bezirk St. Pölten-Land und hat dies in unzähligen Vorträgen bekräftigt. Eine Notsituation könne immer eintreten, sagt er, und da sei jeder gefordert, sich in der Zeitspanne vom Eintritt der Notsituation bis zum Spezialeinsatz, selbst zu helfen und die Zeit möglichst gut zu überbrücken.

Ein großflächiger Stromausfall könne jederzeit wirksam werden, betont der Eichgrabener, „durch Stromschwankungen, Wetterkapriolen oder durch plötzlichem Ausfall oder Abschaltungen großer Stromlieferanten in Europa.“ Er empfiehlt, sich für ein derartiges Szenario zu wappnen: Nicht am letzten Drücker einkaufen, Vorräte und Wasser bereithalten und auch überlegen, wie man bei Stromausfall aus Haus und Garage kommt, wie man sich Essen zubereiten kann und wie man sich wärmen kann. Da könne ein Holzgriller im Garten eine wertvolle Hilfe sein, ein Holz-Zusatzherd in der Küche oder ein Kocher, der mittels Brennpaste funktioniert. „Zivilschutz ist nie zu viel Schutz“, gibt der Eichgrabener, der sein ganzes Berufsleben lang im Bereich Zivilschutz gearbeitet hat, den NÖN-Lesern mit auf den Weg.

Aggregate sind Mangelware

Dass die Bevölkerung für einen derartigen Notfall sensibilisiert ist, zeigt die Tatsache, dass mancherorts Notstromaggregate Mangelware sind: „Die Nachfrage nach Stromaggregaten ist stark angestiegen“, berichtet Amir Hasanovic. Der Mitarbeiter im Fachgeschäft Eisen Nagl in Würmla weiß, dass sich viele Menschen jetzt mit diesen Geräten für ein mögliches Blackout wappnen wollen. Die Lieferengpässe seien aber nicht nur auf das rege Interesse zurückzuführen, sondern auch auf die etwas holprige Produktion während des Lockdowns, sagt Hasanovic, „wir haben aber noch einige Geräte auf Lager.“

Im Lagerhaus Tulln-Neulengbach ist die Situation nicht anders: „Die Nachfrage nach Notstromaggregaten ist sehr groß, wir verkaufen diese Geräte laufend“, berichtet Elektromeister Martin Mühlberger. Die Lieferzeit nach hochwertigen Aggregaten betrage bereits mehrere Monate, berichtet der Fachmann. Er rät davon ab,„handelsübliche Baumarktgeräte“ um wenige Hundert Euro zu erwerben, „mit diesen wiegt man sich in Sicherheit, hat aber im Falle des Blackouts Probleme mit modernen Geräten, die mit viel Elektronik ausgestattet sind.“ Hochwertige Aggregate mit einem sicheren Frequenzbereich für moderne Geräte kosten ab 2.000 Euro aufwärts, erklärt der Elektromeister. Und trotzdem genüge es nicht, ein derartiges Gerät nur nach Hause zu stellen, macht Elektromeister Mühlberger aufmerksam: „Da beim Einsatz die Stromversorgung vom Ortsnetz genommen werden muss, bevor mit dem Notstromaggregat eingespeist werden kann, müssen dafür vorher notwendige Eingriffe im Zählerkasten durchgeführt werden.“

„Zivilschutz ist nie zu viel Schutz.“ Peter Stehlik

Experten bewerten die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts in Europa jedenfalls als besonders hoch, warnt auch Michael Zwingl. „Auch Erdbeben und Überschwemmungen können die Kommunikationsmöglichkeiten unterbrechen“, sagt der Neulengbacher, der sich beruflich mit robuster Kommunikation für Einsatzkräfte wie Polizei, Rettung, Feuerwehr, Heer beschäftigt. Privat betreibt er als staatlich geprüfter Funkamateur mit seiner Familie und Funkfreunden ein Not-und Katastrophenfunknetz auf allen Frequenzen des Amateurfunkdienstes. „Dazu bauen wir eigene Antennen und notstromversorgte Relaisfunkstellen auf günstig gelegenen Bergen in Niederösterreich, wie auf der Buchbergwarte, dem Jochgrabenberg und dem Jauerling. Dies ermöglicht uns im Notfall Sprechfunk und Email, Chat und Telefonverbindung über unser eigenes internetähnliches Datenrichtfunknetz“, sagt sein Sohn Florian, der mit Freundin Larissa und Mutter Barbara ebenfalls eine Amateurfunklizenz besitzt.

„Wir können so Notrufe und dringende Nachrichten aus der Bevölkerung an die Behörden weitergeben. Informationen von der Bezirkshauptmannschaft finden so auch wieder den Weg zu den Bürgern“ ergänzt er (nähere Infos zur Ausbildung auf der Homepage: www. oevsv.at). Viele Funkamateure haben ihre Funkstelle mit Batterien und Notstromaggregat ausgerüstet und üben dies auch zweimal jährlich zusammen mit den Behörden. „Wir Funkamateure können damit im Notfall Leben retten“, erklärt Schwiegervater Eberhard Pulz stolz, der mit über 80 Jahren die Amateurfunkprüfung abgelegt hat.

Weitere Informationen unter: noezsv.at

Umfrage beendet

  • Habt ihr für einen längeren Stromausfall vorgesorgt?