Neues im alten Blindenheim in St. Christophen. Solidarische Landwirtschaft ist in der „Harmonie“ geplant. Bald soll es die erste Ernte geben.

Von Christine Hell. Erstellt am 11. Juni 2020 (03:00)
Friedemann und Gabriele Wolf (Mitte) mit dem Obmann des Vereines „Gemeinsam gut leben“ Architekt Wolfgang Mayr (r.) und Gemeinderat Wolfgang Süss (l.) in der ehemaligen „Harmonie“.
Hell

„20 Hühner sind schon da, in Kürze kommen die ersten Lämmer und Ziegen. Und Schweine werden auch noch folgen“, berichtete Friedemann Wolf bei der Vorstellung des Projektes „Campus Wienerwald“. Und aus den sechs aus Deutschland mitgebrachten Gänseeiern sollten demnächst die Küken schlüpfen. . .

Wie berichtet gibt es für das frühere Blindenheim Harmonie, das der Neulengbacher Jurist Gernot Steier gekauft hat, viele Pläne. Der gelernte Hotelfachmann Friedemann Wolf hat bis vor kurzem gemeinsam mit seiner Gattin Gabriele, ausgebildete Gartenbaumeisterin und Floristin, eine „Solidarische Landwirtschaft“ im Deutschen Brandenburg betrieben. „Unsere Idee hat gut funktioniert, bis wir den Hof verlassen mussten, weil der Besitzer andere Pläne hatte“, berichtete Wolf. Die beiden haben auch den Verein „Gemeinsam gut leben“ gegründet. Ziel ist es, Menschen mit Handicap in die Hofgemeinschaft zu integrieren, um sie so fit zu machen, dass sie später auf einem Hof oder am Arbeitsmarkt unterkommen können.

Im Vorbeigehen rupfte Rechtsanwalt Gernot Steier ein bisschen Unkraut aus.
NOEN

Jetzt stehen die beiden in Unterdambach in den Startlöchern: Auf dem Feld im Areal des ehemaligen Blindenheimes gibt es bereits erste Beete und Hochbeete mit Gemüsepflanzen. Apfelbäume und Beerensträucher wurden gesetzt und die Hütten für die Tiere wurden aufgestellt. Ein zweiter Acker oberhalb der Gebäude soll in Zukunft auch noch zum Gemüseanbau herangezogen werden und danach werden auch noch Pachtäcker dazukommen.

Bearbeitet wird alles mit der Hand. Alte Menschen sollen im Rahmen der solidarischen Landwirtschaft in Zukunft genauso Hand anlegen wie Menschen mit Beeinträchtigungen, Schüler der Waldorfschule im Rahmen ihrer Praxisarbeit, junge Menschen aus der Hochschülerschaft sowie Freiwillige. Der Zusammenhalt solle so gestärkt werden und auch die Wertschätzung für selbst gezogenes Gemüse. Freilich haben die Schüler und Freiwillige gerade jetzt in der Anfangszeit wegen der Corona-Pandemie als Helfer wohl sehr gefehlt.

Imkermeister Ron Richter schaute sich mit Gattin Annett den Campus und die neue Hühnerhütte an.
NOEN

Bereits ab Mitte Juni sollen die frisch geernteten Paradeiser, Zucchini, Jungzwiebel und Erdbeeren zum Kauf erhältlich sein. Gemüse wird aber auch konserviert und als fermentiertes Gemüse und Sauerkraut neben Wintersalaten, Kohl und Kraut im Winter in Kisterln landen. Für zwanzig Interessenten gibt es wöchentlich, jeweils am Freitagnachmittag, frisch geerntetes Gemüse zum Abholen. „Für sechs dieser Kisterl haben wir schon fixe Abnehmer“, erklärte Friedemann Wolf stolz. Ein Behältnis für einen Zwei-Personenhaushalt kostet monatlich 72 Euro.

Rechtlicher Rahmen fehlt noch

Obmann des Vereines „Gemeinsam gut leben“ ist Architekt Wolfgang Mayr. Drei Menschen mit Förderbedarf arbeiten bereits am Projekt mit, freiwillige Helfer sind immer erwünscht. Der rechtliche Rahmen müsse noch geschaffen werden und auch auf die Flächenwidmung warte man noch, erklärte Mayr. Auch an einer Broschüre werde gerade noch gebastelt und die Homepage sollte auch noch verbessert und ausgebaut werden.

„Wir sollten, könnten, müssten so vieles machen, uns fehlt einfach die Zeit“, klagte Friedemann Wolf ein wenig, denn die Genossenschaft Campus Wienerwald werde sich zukünftig neben der biologischen Landwirtschaft auch noch zum Bildungshaus mit Fitnesseinrichtung und zu einem Pfadfinderstandort entwickeln.

Wolfgang Mayr verkündete, dass nach und nach auch an einem Erlebnisbereich gearbeitet werde und er stellte fest: „Gernot Steier hatte eine Vision, wir haben diese auf den Boden gebracht und ein Konzept erstellt, welches realisiert werden kann.“