Anklägerin: "Ein klassischer Betrüger!". Pferdefutter bestellte ein 43-Jähriger auf Kosten eines Reitstallbesitzers und drohte. Strom zapfte er beim Nachbarn ab und prellte eine Maklerin. Urteil: 16 Monate Gefängnis.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 22. Mai 2015 (08:46)
Foto: Erwin Wodicka
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„Sie schlängeln sich durchs Leben!“, wettert Richterin Doris Wais-Pfeffer. Auf der Anklagebank sitzt ein gebürtiger Wiener. Für Gerichte ist er kein Unbekannter und lang ist die Liste der Vorwürfe im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Im Reitsport suchte der 43-Jährige sein Glück, weil es an Barem mangelte, bestellte er Futter fürs Pferd auf Rechnung eines Reitstallbesitzers im Wienerwald. „Ich hab’ nicht verlangt, dass er bezahlt“, rechtfertigt der Angeklagte diese Aktion.

Bedroht haben im Reitstall soll er andere Pferdebesitzer mit den Worten: „Wenn ihr mein Pferd vergiftet, stech ich euch ab!“ Und ein Wiener Tierarzt erzählt: „Er würd’ mir eine in die Gosch’n hauen, hat er gesagt, und auf Facebook geschrieben, dass ich ein Kurpfuscher sei.“ Was der Angeklagte zu diesen Vorwürfen meint? „Das ist nicht meine Wortwahl!“

Holzofen gestohlen, Maklerin geprellt

Strom zapfte der 43-Jährige im Wienerwald bei seinem Nachbarn ab. Ob er dabei einen Zählerkasten demoliert hat? „Nur die Tür aufgemacht und Sicherungen eingesetzt, weil bei mir der Strom abgedreht war“, erklärt er vor Richterin Doris Wais-Pfeffer.

Und weshalb er nach Auszug aus der Wohnung den Holzofen seines Vermieters gestohlen hat? „Den wollte ich bei Willhaben günstig hergeben.“

Alles ist das nicht. Eine Maklerin aus dem Bezirk Baden prellte er um 1.000 Euro, indem er schwindelte. Bei der Mieterselbstauskunft gab der Beschäftigungslose an, als Key-Account-Manager tätig zu sein und legte falsche Urkunden vor.

Einen Verein gründete der Angeklagte alleine

Als Langfinger übte er sich im Marienheim in Baden. Dort leistet er nach diversioneller Erledigung eines Strafverfahrens gemeinnützige Leistung und ließ Bares aus der Kasse mitgehen. „Weil der Exekutor bei mir war“, erklärt er dazu.

Einen Verein gründete der Angeklagte in St. Pölten alleine. Die Unterschrift der Schriftführerin und Kassierin fälschte er, aus der Zeitung erfuhr diese von ihren Funktionen. „Wenn man bei Reitturnieren startet, muss man einem Verein angehören muss“, so der 43-Jährige.

"Er hat für alles eine Erklärung"

Strenge fordert Anklägerin Barbara Kirchler. „Ein klassischer Betrüger! Er hat für alles eine Erklärung und Strafen beeindruckten bislang überhaupt nicht“, resümiert sie.

Eine Haftstrafe verbüßt der 43-Jährige gerade. „Weil Sie iPhones bestellt haben unterm Namen eines Doppelgängers“, sagt die Richterin zum Angeklagten und verlängert den Aufenthalt im Gefängnis. Es setzt 16 Monate unbedingte Zusatzstrafe. Nicht rechtskräftig.