Der Ofen bleibt durch Wirtesterben kalt. Auch in der Region sind etliche Lokale verschwunden. Von Renate Hinterndorfer

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:21)
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Symbolbild

Am Sonntag zum Frühschoppen oder nach der Arbeit auf ein Feierabend-Bier – die Wirtshäuser sind beliebte Treffpunkte im Ort. Allerdings werden die klassischen Gaststätten immer weniger – egal ob in Eichgraben, Kirchstetten oder im Laabental. „In den vergangenen 15, 20 Jahren hat es eine gewaltige Ausdünnung gegeben“, sagt auch der Neulengbacher Bürgermeister Franz Wohlmuth. Er führt das auf den gesellschaftlichen Wandel zurück.

NOEN

Die 0,5-Promille-Regelung habe sich ausgewirkt: „Autofahren und Alkohol verträgt sich nicht, da ist eine gewisse Bewusstseinsbildung passiert, was ja grundsätzlich positiv ist.“ Auch das Image der Gastronomie habe gelitten, nicht zuletzt aufgrund der Registrierkassenpflicht: „Diese Debatte wurde unglücklich geführt. Man hat versucht, Selbstständige in ein kriminelles Licht zu stellen, das war nicht in Ordnung.“

Dazu kommt, dass Wirte immer schwerer Nachfolger finden: „Wenn die Kinder sehen, dass die Eltern nicht 40 Stunden, sondern 70 oder 80 Stunden in der Woche arbeiten, machen sie lieber eine andere Ausbildung.“

Dass es nicht einfach ist, Nachfolger zu finden, musste auch Helmut Lintner feststellen. Er hat 50 Jahre in seinem Wirtshaus in Brand-Laaben gearbeitet, das seit 1793 im Familienbesitz war. Obwohl zwei von Lintners Kindern eine Gastronomieausbildung absolviert haben, wurde das Lokal zugesperrt: „Ich habe 2013 zugesperrt, mein Sohn hat übernommen und zwei Jahre später zugesperrt, weil er für die Wochenenden kein Personal gefunden hat.“

Auch Lintner beklagt, dass die Gastronomie kein gutes Image hätte. Wie viel Zeit und Kraft Wirtsleute in ihren Betrieb investieren, werde vielfach überhaupt nicht gesehen.

„Das Wirt-Sein geht mir schon ein bisschen ab“

Ein weiterer Gastronom in Brand-Laaben, der keinen Nachfolger gefunden hat, ist Oswald Steinberger: Seit Anfang des Jahres ist das Hotel zur Post geschlossen, auch das Restaurant mit den 170 Sitzplätzen innen und 70 Gartenplätzen ist zu. „Das Wirt-Sein geht mir schon ein bisschen ab“, bekennt Steinberger. Dem Firmenchef ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Aber seine Söhne wollten den Betrieb nicht übernehmen, außerdem wären Investitionen notwendig gewesen.

Und die Situation in der Branche sei schwierig: „Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist nicht unerheblich“, betont auch Steinberger. Er baut das Hotel zu Wohnungen um, das Restaurant möchte er verpachten. „Zwei Interessenten hätte ich gehabt, aber die haben vom Konzept her nicht gepasst. Und jetzt haben wir Großbaustelle, da ist an einen Restaurantbetrieb ohnehin nicht zu denken.“

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