Frauen an der Spitze: „Man braucht eine dicke Haut“. Bürgermeisterinnen sind in der Minderheit. Alfred Riedl will das ändern.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 14. August 2018 (05:57)
Riedl, Kindler

In den 2.098 Gemeinden Österreichs gibt es 161 Bürgermeisterinnen. Das ist zuwenig, befindet Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl: Es müsse ein zentrales Anliegen sein, die Funktion so attraktiv zu machen und Frauen darin zu bestärken, sich für das Bürgermeisteramt zu entscheiden, forderte er vergangene Woche beim Treffen von Bürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Luxemburg in St. Ulrich. „Gleichstellung in politischen Ämtern muss allen Ebenen am Herzen liegen“, betonte Riedl.

An dem Treffen hat auch die Asperhofener Ortschefin Katharina Wolk teilgenommen. „Das war eine Superveranstaltung“, erzählt sie. Der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen sei sehr spannend gewesen.

„Man muss seinen Mann stehen. Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen, ich habe kein Problem.“

Karin Winter

In den acht Orten der Wienerwald Initiativ Region sind Frauen an der Gemeindespitze stark vertreten. Karin Winter ist bereits seit zehn Jahren in Maria Anzbach im Amt. Katharina Wolk ist seit der letzten Wahl Bürgermeisterin. Im Herbst wird mit Irmgard Schibich in Neu-stift-Innermanzing eine dritte Ortschefin dazu kommen.

Katharina Wolk
Riedl, Kindler

Woran liegt’s, dass insgesamt so wenig Frauen dieses Amt übernehmen? Da werden einerseits familiäre Pflichten genannt: „Wenn man Kinder hat ist es schwierig, am Abend weg zu sein“, sagt Katharina Wolk. Außerdem sei die Bürgermeisterfunktion immer in Männerhand gewesen: „Da ist das Vertrauen zu Frauen nicht so gegeben“, meint Wolk, die ihre eigene Eingewöhnung ins Amt als „heftig“ bezeichnet. Vorbehalte habe ihr gegenüber niemand geäußert, aber man brauche schon eine dicke Haut. „Man darf die Dinge nicht persönlich nehmen, sonst hat man ein Problem.“

Ähnlich sieht es die Maria Anzbacher Ortschefin: „Es ist nicht immer leicht, man muss sich schon einen dicken Panzer zulegen, weil manche Leute untergriffig sind.“ Sie selbst kommt gut zurecht: „Man muss seinen Mann stehen. Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen, ich habe kein Problem.“ Von einer Frauenquote hält Winter nichts: „Die Arbeit hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Wer besser für die Leute arbeitet, soll es machen.“

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