„Pendeln ist ein fixes Ritual“. Erwerbstätige in der Region legen längere Wegstrecken zur Arbeit zurück. Viele Neulengbacher arbeiten in der Heimat.

Von Beate Riedl. Erstellt am 10. Dezember 2019 (03:26)
Tagtäglich unter der Woche um 5.30 Uhr morgens wartet der Maria Anzbacher Josef Ertl in Neulengbach auf den Zug, mit dem er in die Arbeit nach Wien fährt. privat
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Dienstagmorgen, 5.30 Uhr: Der Maria Anzbacher Feuerwehrkommandant Josef Ertl wartet – so wie jeden Arbeitstag – auf den Zug nach Wien, um zu seinem Arbeitsplatz in die Bundeshauptstadt zu gelangen. So wie er fahren noch weitere 550 Pendler aus Maria Anzbach nach Wien. Insgesamt treten über 1.100 Bürger der Wienerwaldgemeinde frühmorgens einen weiteren Weg zu ihren Arbeitsplätzen an. 79 Prozent der Erwerbstätigen verlassen Maria Anzbach, um arbeiten zu gehen. Das hat die Recherche-Plattform Addendum erhoben. Sie hat sich mit den Pendleraktivitäten in ganz Österreich auseinandergesetzt. „Bundesweit sind Auspendler mit 53,1 Prozent aller Beschäftigten nun die Mehrheit“, heißt es von der Recherecheplattform.

Spitzenreiter an Auspendlern in der Region ist Eichgraben mit 80,6 Prozent. In der Gemeinde hat sich die Zahl der Pendler allerdings in den letzten Jahren um rund 1,6 Prozent reduziert, denn 1991 haben noch 82,2 Prozent der Erwerbstätigen ihre Heimatgemeinde verlassen.

Die Eichgrabener Pendler sind übrigens auch im Vergleich zu den Pendlern in der Region am längsten mit 39 Minuten unterwegs, gefolgt von Maria Anzbachern mit 36 Minuten und Brand-Laabenern mit 34 Minuten. Am kürzesten ist man als Pendler in St. Pölten unterwegs (23 Minuten), gefolgt von Kirchstetten mit 28 Minuten.

Am stärksten gestiegen ist die Anzahl der Auspendler in der Region in Kirchstetten von 68 Prozent im Jahr 1991 auf 80 Prozent im Jahr 2017, was eine Steigerung um 12 Prozent ausmacht. Auch in Neulengbach ist die Zahl der Auspendler von 57,6 Prozent auf 68,9 Prozent gestiegen. Die Stadtgemeinde hat aber auch einen hohen Anteil an Erwerbstätigen, die ihre Gemeinde für ihren Arbeitsplatz nicht verlassen müssen. 31,1 Prozent der Erwerbstätigen bleiben nicht nur zum Leben, sondern auch zum Arbeiten in ihrer Heimat.

"Man kennt sich, fährt immer mit dem gleichen Zug und sitzt am gleichen Platz“

Für Ertl ist das Pendeln kein Problem und fast wie ein Ritual, immerhin fährt er seit 18 Jahren mit dem Zug nach Wien. Auch seine Frau hat er immer an seiner Seite, die tagtäglich mit ihm im Zug unterwegs ist. „Da haben sich schon richtige Freundschaften entwickelt. Man kennt sich, fährt immer mit dem gleichen Zug und sitzt am gleichen Platz“, berichtet Ertl, der die Pendler als eine große Gemeinschaft sieht.

Das Auto nimmt Ertl nur in absoluten Ausnahmesituationen, um in die Arbeit zu kommen. „Ich fahre leidenschaftlich gern mit dem Zug und ich glaube, dass es mit dem Auto auch nicht günstiger oder praktischer ist“, so Ertl. Was ihn allerdings stört, ist die Unpünktlichkeit und das Informationsmanagement der ÖBB. Ertl hat deshalb ein Jahr lang die täglichen Zugzeiten aufgezeichnet: „Da bin ich auf 2.000 Minuten Verspätung gekommen“, rechnet er vor und fügt hinzu, dass die ÖBB fünf bis sieben Minuten Verspätung nicht rechnen würden. In Summe mache das aber ganz schön viel aus.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform Addendum der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH erstellt.

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