Schulden ohne Ende: Frau vor Gericht. Frau (44) hat Miete und Waren nicht gezahlt. Sie ist reumütig.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 28. Dezember 2018 (04:30)
shutterstock/Bildagentur Zoonar
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Eine seit einem Unfall körperbehinderte Frau wurde am Bezirksgericht St. Pölten wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs schuldig gesprochen.

Beim Neulengbacher Stadtgreißler hat sie eingekauft, aber nicht bezahlt: Rund 300 Euro sind da offen. In einem Elektrogeschäft in Neulengbach hat sie vor zwei Jahren einen Geschirrspüler um 670 Euro gekauft und bis heute nicht bezahlt. Für einen Möbeltransport ist sie 1.000 Euro schuldig. Bei einem St. Pöltner Optiker hat sich die 44-Jährige drei Brillen um 2.100 Euro bestellt und nicht bezahlt.

Das ist noch nicht alles: Die Frau ist in ein Reihenhaus gezogen, hat aber monatelang die Miete nicht bezahlt. Der Vermieter wartet bis heute auf etwa 8.500 Euro: „Nicht einmal ein Euro ist bezahlt“, berichtet er bei der Verhandlung. Die Beschuldigte erklärt: „Ich wollte das Haus kaufen. Ich habe gedacht, ich bekomme Geld für meinen Unfall.“

„Erzählen Sie mir keine Märchen.“ Der Richter ärgert sich über eine fadenscheinige Ausrede der Angeklagten

Der Richter hat auch Kenntnis von einigen Exekutionsverfahren: EVN, Caritas und eine Zahnklinik warten auch auf ihr Geld. „Wenn sogar die Caritas eine Exekution macht, das heißt schon etwas“, merkt der Richter kopfschüttelnd an und wundert sich über das Verhalten der Frau: „Wenn man etwas kauft, dann muss man es auch bezahlen!“

Die Frau bekommt eine monatliche Pension von knapp 900 Euro. Sie will ihre Schulden tilgen und fleht den Richter an: „Bitte helfen Sie mir, ich werde das hoffentlich auf gleich bringen. In kleinen Raten. Ich werde mich bemühen.“

Der Richter verhängt eine bedingte Haftstrafe von sechs Monaten, Probezeit drei Jahre. Außerdem muss die Frau Außenstände in der Höhe von gut 10.000 Euro zahlen. Der Richter legt ihr nahe, sich an die Schuldnerberatung zu wenden.