Weihnachten fern der Heimat gefeiert. Region Neulengbach: Johann Fischer feierte in San Francisco, Anita Hell beging das Fest in Pamplona und Viktoria Hell blieb über Weihnachten in Linköping.

Von Christine Hell. Erstellt am 31. Dezember 2020 (03:38)

Vieles war in diesem heurigen schwierigen Jahr anders - auch das Weihnachtsfest.

Lange war die Reise nach Österreich geplant, vier Wochen wollte Johann Fischer mit seiner Familie in seiner alten Heimat in Rothenbuch bei St. Christophen sein und Weihnachten feiern. Seine junge Gattin sollte für zwei Wochen nachkommen. Beide gebuchten Flüge wurden gecancelt, ein weiterer Flug ins Auge gefasst: „Dieser wäre mit drei Zwischenlandungen verbunden gewesen und hätte pro Person ganze 3.000 Euro gekostet“, berichtet der ehemalige St. Christophener. Also wurde entschieden, das Weihnachtsfest in den USA zu feiern. „Berücksichtigt man dazu die Corona-Situation, war die Entscheidung richtig, obwohl wir uns schon unheimlich auf ein Weihnachtsfest mit unserer Familie in Österreich gefreut hatten“, sagt Fischer.

„Wir hatten uns schon unheimlich auf ein Weihnachtsfest mit unserer Familie in Österreich gefreut.“ Johann Fischer konnte nicht einreisen

Das Fest musste also statt bei den Eltern in Rothenbuch in ganz kleinem Kreis in San Francisco über die Bühne gehen. „Weihnachten in den USA ist zwar sehr populär, aber hat nicht den großen Stellenwert wie in meiner Heimat“, berichtet der 36-Jährige. Normalerweise trifft sich am 24. Dezember die ganze Familie zum Abendessen und man feiert gemeinsam. Die Geschenke gibt’s erst am nächsten Morgen, da in der Nacht Santa Claus durch den Rauchfang kommt und die Geschenke unter den Baum legt oder in die Strümpfe steckt. Ein ganz spezielles Event in San Francisco ist „SantaCon“ wo sich jährlich über 10.000 Leute als Santa Claus verkleiden und auf den Straßen feiern.

„Für heuer wurde das Event gestrichen, aber ich war letztes Jahr dabei und bin ganz schön arg ins Schwitzen gekommen, weil es 20 Grad und Sonnenschein hatte“, berichtet Fischer. Die in Österreich so beliebten Christkindlmärkte suche man in den USA vergeblich, auch Punschstände gebe es nicht, sagt Fischer, „als Weihnachtsgericht gibt’s gefüllten Truthahn mit Kartoffelpüree oder gebratenen Schinken.“ Johann Fischer bereitete das Essen für den Weihnachtsabend heuer selbst zu und kredenzte saftiges Bratl mit Erdäpfelknödeln und Salat. „Das ist für Amerikaner nicht unbedingt weihnachtlich, aber ich weiß, dass sie die österreichische Küche sehr schätzen.“ Auch selbst zubereiteten Punsch hat es gegeben, spätestens da sei dann auch noch österreichische Weihnachtsstimmung aufgekommen, scherzt Fischer.

Leuchtstern, Hering und Glögg in Schweden

Auch Viktoria Hell konnte das Weihnachtsfest nicht daheim feiern. Die St. Christophenerin ist seit nahezu eineinhalb Jahren in Schweden und hat vor Kurzem ihre Masterausbildung erfolgreich zum Abschluss gebracht. „Ich habe heuer erstmals ohne Familie gefeiert, dafür mit meinem Freund Bharath. Er ist aus Indien und er hat noch nie Weihnachten gefeiert. Deshalb habe ich ihm hier ein ganz besonderes Weihnachtsfest beschert“, schildert Hell. Ein Lebkuchenhaus wurde gebacken und ein Weihnachtsstern ins Fenster gehängt, wie es in Schweden üblich ist. Auch ein Mini-Christbaum wurde in der kleinen Studentenwohnung aufgestellt.

In der Vorweihnachtszeit ist das Lucia-Fest in Schweden ein absolutes Highlight. „Das haben wir mit ein paar internationalen Freunden gefeiert, jeder hat etwas Spezielles aus seiner Heimat gekocht und gebacken“, erzählt Hell. Am 24. Dezember wurden nach einem nachmittäglichen Saunabesuch die Geschenke ausgepackt. „Dann haben wir die typisch schwedischen Weihnachtsköstlichkeiten, wie Milchreis mit Zimt und Hering in Sauce geschmaust und dazu Glögg, den original schwedischen Glühwein, getrunken“, erzählt Viktoria Hell. Danach haben es sich die beiden vor dem Fernseher gemütlich gemacht, um genau das zu schauen, was traditionell am 24. Dezember in Schweden im Fernsehen läuft: Donald Duck.

Anita Hell wohnt seit einigen Jahren in Spanien, seit dreieinhalb Jahren ist sie mit José Luis verheiratet. Die gewohnte Reise nach Österreich, um das Weihnachtsfest in der Heimat mit der Familie zu feiern, musste heuer ausfallen. „Traditionell wird in Spanien das Weihnachtsfest mit Geschenken erst am 6. Jänner gefeiert“, weiß Anita Hell, dazu gibt’s eine große Parade mit den den Heiligen Drei Königen und vielen Tieren und im Anschluss werden daheim die Geschenke aufgemacht.

„Viele sind aber schon dazu übergegangen, das Weihnachtsfest am 24. Dezember zu feiern“, erklärt Hell. Und manche feiern das Weihnachtfest an beiden Tagen. Heuer sei - anders als sonst - außergewöhnlich viel dekoriert worden, schildert die ehemalige St. Christophenerin. Traditionell wird am 25. Dezember ein riesiges Fischbuffet aufgetischt, anstatt Keksen gibt es Turrón, eine süße Delikatesse mit Nüssen. Der 26. Dezember ist in Navarra kein Feiertag.

Im Mittelpunkt steht in Spanien nicht so sehr der Christbaum, sondern die Krippe, die meist im Wohnzimmer aufgestellt wird und oft riesengroß und mit unglaublich vielen Figuren bestückt ist.

Fondue, Rippli und Guetzli in der Schweiz

Elisabeth Benz lebt seit vielen Jahren in der Schweiz. „Ich wusste lange nicht, wie wir heuer Weihnachten feiern würden, weil die Corona-Maßnahmen laufend geändert wurden“, berichtet die ehemalige Maria Anzbacherin. Bisher wurde entweder am 24. oder am 25. Dezember mit Kindern und Enkelkindern Weihnachten gefeiert. Kredenzt wird dabei zumeist Käse-Fondue oder Fondue Chinoise. Auch Filet im Teig, vom Rind oder Schwein, oder Raclette gab es schon als Weihnachtsmenü. „Eines der besten Weihnachtsessen ist für mich aber immer noch Geselchtes „Rippli“ mit Sauerkraut, wie es bei uns daheim in Maria Anzbach üblich war“, erzählt Benz. Ihre Kinder zeigten sich aber von den typisch Schweizer Menüvarianten viel mehr beeindruckt.

Auch Johannes Breitenecker lebt in der Schweiz. Der ehemalige St. Christophener und seine Gattin haben Weihnachten in Vals, einem Bergdorf in den Schweizer Alpen gefeiert. „Das Dorf liegt auf einer Höhe von 1.252 Metern Seehöhe und meine Schwiegereltern besitzen dort ein traditionelles Ferienhaus aus Holz“, schildert Breitenecker. Vor der Bescherung gibt es meist Pastetli mit Kalbsfleischfüllung. Als Nachspeise gibt es Meringe, ein Schaumgebäck aus gezuckertem Eischnee, sowie diverse Weihnachtskekse, in der Schweiz „Guetzli“ genannt.