18-Jähriger wegen Diebstahl vor Gericht

Region Wienerwald: 18-Jähriger soll Geldbörsen gestohlen haben. Er versucht, seiner Ex-Freundin die Schuld zuzuschieben.

Stefanie  Marek
Stefanie Marek Erstellt am 17. September 2021 | 04:36
Gericht verkündete hohe Haftstrafen
Symbolbild
Foto: APA (Pfarrhofer)

Patzig, fast ein wenig angriffig antwortet der 18-jährige Angeklagte auf die Fragen des Richters. Er ortet eine Verschwörung seiner Ex-Freundin aus der Region Purkersdorf gegen seine Person. „Sie will mich am Boden sehen und mich ins Gefängnis stecken“, sagt er.

Die Textnachrichten, die das beweisen sollen, hat er jedoch nicht mehr. Angeklagt ist der junge Mann aus der Region wegen Diebstahl, sexuellem Missbrauch und Täuschung. Der Hauptanklagepunkt: Sexueller Missbrauch an einer Minderjährigen, wurde bereits in einer vorhergehenden Verhandlung abgehandelt. Auf einem Schulskikurs im Jänner 2020 in Oberösterreich soll er mit einer Mitschülerin (nicht seiner Ex-Freundin) einvernehmlich Sex gehabt haben. Dazu habe er sie allerdings gebracht, weil er ihr versprach, ihr Drogen zu besorgen, wenn sie mit ihm schlafen würde. Der Schüler bekannte sich schuldig, bekam Diversion, leistete jedoch nicht alle Sozialstunden.

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Die angeklagten Diebstähle, zwei Geldbörsen auf einer Privatparty in Eichgraben im Juli des Vorjahres will er aber nicht begangen haben. Das war seine damalige Freundin, sagt er. Als sie als Zeugin befragt wird, versucht sein Verteidiger alles, um sie als unglaubwürdig hinzustellen. Dass sie ein Drogenproblem hätte und Geld brauchte, sei für ihn ein Motiv, mehr als eine Vermutung ist das aber nicht.

„Sie will mich am Boden sehen und mich ins Gefängnis stecken.“ Angeklagter über seine Ex-Freundin

Er legt dem Gericht zahlreiche Screenshots von Snapchats der 18-Jährigen vor. Die Bilder, die sie auf ihrem Social Media-Account postete, zeigen sie beim Konsum von Marihuana und auch einer blauen Pille. Sie antwortet ehrlich auf seine Fragen: Das Marihuana habe sie nur mit dem Angeklagten konsumiert, er habe es gekauft und mit ihr geteilt. Die blaue Pille war ein Antidepressivum, das sie verschrieben bekam.

Die Strategie des Verteidigers geht nach hinten los. Der Staatsanwalt findet die Zeugin wegen ihrer Art zu antworten nun noch glaubwürdiger, auch der Richter glaubt ihr „zu hundert Prozent“. Denn auch die Ereignisse auf der Party schildert sie sehr detailliert und nachvollziehbar. Sie hätten die Party früher verlassen. Plötzlich habe er zwei fremde Geldbörsen in der Hand gehabt und sie gebeten, den Scheinwerfer ihres Mopeds anzuwerfen, damit er diese durchsuchen konnte. Einiges an Bargeld, mehrere Ausweise und Fahrkarten fand er dabei und behielt diese. Weil er ihr Freund war, sei sie zwiegespalten gewesen, etwas zu unternehmen.

Der Verteidiger wirft noch ein, dass niemand sonst ihre Version bestätigen kann. Doch das Gericht befindet den 18-Jährigen für schuldig in beiden Anklagepunkten.

Er hat keine Vorstrafen und bekommt vier Monate bedingte Haft bei dreijähriger Probezeit. Mildernd: Er hat der geschädigten Mitschülerin vom Schulskikurs bereits 1.000 Euro an Schadensgutmachung gezahlt. Und immerhin über zwanzig Sozialstunden geleistet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.