Baustoffmangel: „Die Lage spitzt sich noch zu“. Region Wienerwald: Ob Dämmstoffe, Eisen oder Holz – viele Materialien sind schwer zu bekommen. Die Preise steigen.

Von Christine Hell und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Dachdeckermeister Andreas Weber weiß, dass viele Baustoffe jetzt knapp sind.
Christine Hell, Christine Hell

Der Mangel an Baustoffen wird zunehmend zum Thema – sowohl im privaten Bereich als auch bei öffentlichen Baustellen.

„Besonders bei Holz und bei Dämmstoffen gibt es Engpässe“, bestätigt Andreas Weber. Der Kirchstettner Dachdeckermeister berichtet auch, dass die Preise dafür in die Höhe geschnellt sind: „Im Vorjahr hat ein Kubikmeter Leimholz noch 450 Euro gekostet, jetzt verlangt man dafür 700 Euro.“ Auch für Dämmstoffe seien die Preise utopisch: „Sie sind um rund 25 Prozent teurer als im Vorjahr.“ Weber stellt fest, dass Produzenten während des Lockdowns nichts oder nur sehr wenig produziert hätten, und, da bei den Produktionsbetrieben oft die Lagerkapazitäten fehlten, jetzt kaum mehr Ware auf Lager sei.

„Eisen ist extrem teuer geworden.“ Baumeister Heimo Steinberger

Und es ärgert ihn, dass große Bauunternehmungen scheinbar früher als kleine Betriebe davon informiert wurden: „Strabag hat gleich alle verfügbaren Dämmstoffe aufgekauft, für uns ist jetzt nichts mehr da.“

Auch der Altlengbacher Baumeister Heimo Steinberger bestätigt, dass es ein gewaltiges Problem in der Baubranche gibt. Kanalrohre, Styropor und Eisen seien Mangelware. „Bei Styropor wird auf Glasschaumschotter umgestiegen, aber da wird es auch schon eng.“

Die Preissteigerung bei diesen Produkten liege bei 20 bis 30 Prozent. Für seine Baustellen hat Steinberger bis Sommer alles bestellt. Arbeit hat das 20-köpfige Team der Firma Steinberger mehr als genug: „Seit Jänner arbeiten wir Vollgas.“ Angesichts der Pandemie planen viele Leute daheim einen Zubau oder ein Schwimmbad. Die ältere Generation will ihr Geld investieren, die Jungen nehmen einen billigen Kredit. „Irgendwann ist zu erwarten, dass die Konjunktur einbricht“, so Steinberger.

Die derzeitige Entwicklung hänge mit der weltweiten Vernetzung zusammen, erläutert der Altlengbacher Baumeister und nennt zwei Beispiele: „Die Chinesen haben weltweit Stahlschrott aufgekauft für ihr eigenes Land. Plastik für Rohre ist ein Nebenprodukt von Kerosin. Nachdem derzeit nicht viel geflogen wird, wird auch wenig Kerosin gebraucht.“

„Wir verfügen noch über ein gewisses Lager an Baumaterialien, aber es schrumpft bezihungsweise es geht schon teilweise dem Ende zu“

Die enormen Preissteigerungen und die Lieferschwierigkeiten bestätigt auch der Geschäftsführer des Lagerhauses Tulln-Neulengbach: „Vor allem beim Eisen, also bei Eisenstäben und -matten, sowie bei Dämmstoffen, wie Isolierplatten und Hartschaumplatten gibt es eine wahnsinnige Preissteigerung“, informiert Herbert Schadenhofer. Aber auch bei den Verarbeitungsplatten und Verlegungsplatten aus Holz und bei Kunststoffrohren und Kanalrohren gibt es derzeit große Preissteigerungen. Zudem sind all die genannten Baumaterialien schon sehr schwer zu bekommen, es gibt Lieferverzögerungen oder sogar bereits einen kompletten Ausfall.

„Wir verfügen noch über ein gewisses Lager an Baumaterialien, aber es schrumpft beziehungsweise es geht schon teilweise dem Ende zu“, erklärt Herbert Schadenhofer vom Lagerhaus. Er sieht viele Schwierigkeiten auf die Gewerbetreibenden zukommen, weil Baustellen nicht mehr beliefert werden können und dann auch nicht fertiggestellt werden können. „Und für die privaten Häuslbauer sind die explodierenden Preise ein Riesenproblem“, sagt der Geschäftsführer des Lagerhauses Tulln-Neulengbach. Er erwartet keine Besserung der Situation, eher im Gegenteil: „Das Ganze spitzt sich noch zu.“

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