Engpass: Zivildiener sind gesucht. Jugend am Werk und Rettungsorganisationen in der Region beklagen Mangel an Bewerbern.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 30. Oktober 2018 (02:31)
RK
Peter Keltscha leistet seit April beim Roten Kreuz Neulengbach seinen Zivildienst. Für 2019 fehlen noch sechs Zivildiener.

„Seit April haben wir keinen einzigen Zivildiener mehr in unserer Werkstätte. Im Wohnhaus gibt es nur einen“, bedauert Hannes Wakolbinger von „Jugend am Werk“ in Innermanzing. Und für das kommende Jahr gibt es noch keine Bewerber. Vier Plätze sind zu vergeben.

Jugend am Werk bietet Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung. Zivildiener werden für Hilfstätigkeiten in der Betreuung dieser Menschen benötigt. „Sie unterstützen das Betreuungspersonal in der Arbeit mit unseren Bewohnern und Kunden.

JAW
Nur ein Zivildiener ist derzeit bei Jugend am Werk in Innermanzing tätig.

Im Wohnhaus unterstützen und begleiten sie in drei Wohngemeinschaften und in der Pensionisten-Tagesgruppe begleiten sie Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung auf ihrem Weg zu einem möglichst unabhängigen und selbstständigen Leben“, erläutert Sozialmanager Hannes Wakolbinger. Den Mangel an „Zivis“ führt er auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurück. Oft sei auch nicht bekannt, dass Jugend am Werk eine Zivildiensteinsatzstelle ist.

Doch auch andere Einrichtungen suchen nach Verstärkung: Beim Roten Kreuz Neulengbach sind für 2019 noch sechs Plätze zu vergeben. „Aktuell fehlen uns für Jänner ein, für April zwei, für Juli ebenfalls zwei und für Oktober ein Zivildiener, damit wir voll ausgelastet wären“, weiß Bezirksstellenleiterstellvertreter Daniel Rauchecker. „Bisher waren wir rund ein Jahr im Voraus ausgebucht. Leider hat sich dies seit heuer verändert“, so Rauchecker.

Geburtenschwache Jahrgänge

Auch beim Roten Kreuz führt man den Engpass auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurück: „Es gibt einfach weniger junge Männer, die aktuell zivildienstpflichtig sind. Außerdem haben wir ein merkbares Problem beim April-Termin. Dieser zielt vor allem auf Lehrlinge ab, die im Optimalfall direkt nach der Lehrabschlussprüfung in den Zivildienst einsteigen. Wir vermuten, dass sich immer weniger Burschen entscheiden, eine Lehre zu absolvieren, und deshalb ist dieser Termin besonders schwer zu besetzen, da er ja mitten unter dem Schuljahr ist.“

Die Zivildienstleistenden decken vor allem den Tagesbetrieb im Krankentransport-Bereich ab. Sollte es nicht gelingen, genügend Zivildiener zu finden, bräuchte man mehr berufliches Personal. Außerdem sieht man die Gefahr, dass in weiterer Folge die Zahl an neuen ehrenamtlichen Mitarbeitern zurückgehen wird. „Durchschnittlich bleiben bei uns rund 75 Prozent der Zivildiener pro Einrückungstermin als Freiwillige erhalten.“

„Die Tendenz ist, dass es weniger werden“

Der Samariterbund Eichgraben könnte ebenfalls mehr Zivildienstleistende vertragen, wenngleich Obmann Philipp Schmid zu bedenken gibt: „So wertvoll der Zivildienst ist, er kostet auch viel Geld, das ist das Problem.“

Beim Samariterbund Altlengbach kommt man derzeit mit den „Zivis“ durch, ist von Obmann Florian Geissler zu erfahren: „Aber die Tendenz ist, dass es weniger werden.“ Ohne die Zivildiener wären die Krankentransporte schwer durchzuführen, betont Geissler. Oberstes Interesse sei es, die Zivildiener zu motivieren, dann im Rettungsdienst zu bleiben, das gelinge auch ganz gut: „Von den Freiwilligen sind fast alle ehemalige Zivildiener, inklusive mir“, berichtet Florian Geissler.