Eschensterben bereitet Drechslermeister Sorgen

Region Wienerwald: Immer wieder sind in Auwäldern und in den Mischwäldern, wie sie in der Region üblich sind, riesige Bäume zu sehen, aus deren Kronen dürre Äste ragen. Es handelt sich um Eschen, die vom Eschentriebsterben betroffen sind. Diese Krankheit ist seit Jahren bekannt und hat schon für viele Fällungen gesorgt.

Erstellt am 29. Juli 2021 | 04:02
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Drechslermeister Josef Gutscher ist besorgt, denn er sieht bei seinen Produkten für den Außenbereich aus Eschenholz nur Eichenholz als Alternative, das aber wesentlich teurer ist.
Foto: Christine Hell, Christine Hell

Auch Drechslermeister Josef Gutscher ist besorgt. Der Altlengbacher fertigt seit Jahrzehnten aus Eschenholz-Qualitätsware Teile für hochwertige Hängematten sowie Sprossen für Strickleitern und liefert sie an ein Fachunternehmen in Wien  „Ich weiß nicht, welches Holz ich stattdessen verwenden könnte“, sagt Gutscher. Denn nur Eschenholz ist neben Eichenholz sehr witterungsbeständig und dadurch für den Einsatz im Außenbereich verwendbar. Eichenholz liege jedoch preislich wesentlich höher als Eschenholz, weiß er.

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Doch was ist die Ursache für das Absterben dieser wichtigen Baumart? „Beim Eschentriebsterben handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die durch einen eingeschleppten Krankheitserreger, dem Eschen-Stengelbecherchen, verursacht wird“, erklärt dazu Katharina Schwanda vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgewalten und Landschaft. In erster Line befalle dieser Pilz die Blätter innerhalb der Vegetationsperiode und führe, nach Infektion und Einwachsen in verholzte Teile des Baumes, zum Absterben ganzer Ast- und Kronenbereiche, erklärt die Fachfrau aus der Abteilung für Phytopathologie.

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Erst vor kurzem fiel eine derart kranke Esche im Hofgraben (zwischen Ollersbach und Oberndorf) um und blockierte die Straße.
privat/Rosemarie Huber-Marsam, privat/Rosemarie Huber-Marsam

Junge Pflanzen sterben durch die immer wieder aufeinander folgende Infektionen zum Teil schnell ab, bei älteren und großen Bäumen dauert der Krankheitsverlauf oft viele Jahre. Neben Infektionen in der Krone kommt es auch zu Infektionen an der Stammbasis, diese verursachen sichtbare Nekrosen und Holzverfärbungen, jedoch keine Holzfäule. „Problematisch ist aber, dass die zum Teil sehr stark geschwächten Eschen in weiterer Folge von Holzfäule-Erregern, wie dem Hallimasch-Pilz angegriffen werden“, sagt Schwanda, „sie greifen Stock und Wurzeln bei bereits vorgeschwächten Bäumen an und beeinträchtigen deren Stabilität.“

Resistenzzüchtung der Esche wird angestrebt

Um diesem schwerwiegenden ökologischen und ökonomischen Problem entgegenzuwirken und das komplette Aussterben dieser wichtigen Baumart in unseren Wäldern und in den Forsten Europas zu stoppen, wird bereits intensiv an einer Resistenzzüchtung der Esche gearbeitet. Dazu läuft in Österreich das Projekt „Esche in Not“. Und das bereits in der zweiten Phase.

Bei dieser Erhaltungsinitiative wurde und wird Saatgut von offensichtlich noch gesunden Bäumen händisch „geerntet“ und in speziellen Baumschulen angebaut.

Die tausenden dadurch entstandenen Bäumchen werden so in ihrem Wachstum intensiv auf etwaige Krankheitszeichen beobachtet, gehegt und gepflegt.

Mit dieser engagierten Aktion werden also krankheitsresistente Bäume herangezogen, die, einmal in den heimischen Wäldern ausgepflanzt, für den Fortbestand dieser ungemein wichtigen Laub-Baumart sorgen sollen.