Funktionärskrise im Fußball: Die Angst vor der Verantwortung

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:03
Lesezeit: 3 Min
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90 Jahre ATSV Schönfeld feierten Obmann Manfred Bosch (2.v.l.) und seine Mitstreiter. Und da gab‘s ja noch einen Grund, es krachen zu lassen: Den Aufstieg in die Gebietsliga. Die „dritte Halbzeit“ spielt gerade bei den kleinen Klubs eine entscheidende Rolle.
Foto: Felsenreich
Seit Jahren sucht Schönfeld-Obmann Manfred Bosch einen Nachfolger. Fündig wurde er bislang noch nicht.
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Vom großen Vereinssterben ist der Wienerwald verschont geblieben. Der letzte Klub in der Region, der die Segel streichen musste, war der SC Mauerbach.

Vor einigen Jahren hing die Zukunft der Neulengbacher Fußballfrauen am seidenen Faden. Mittlerweile ist der USV aber wieder voll auf Kurs. Noch läuft’s im Wienerwald. Und es läuft so gut wie schon lange nicht. Vor allem für den ATSV Schönfeld, der heuer den Aufstieg in die Gebietsliga West perfekt gemacht hat.

„Man muss heutzutage unglaublich aufpassen. Wenn etwas nicht passt, wird man so schnell zur Rechenschaft gezogen.“ Schönfeld-Obmann Manfred Bosch

Manfred Bosch ist der Obmann des Klubs. Seit mehr als zwei Jahrzehnten übt er schon sein Funktionärsamt aus – und die stets präsente Suche nach einem möglichen Nachfolger treibt auch ihn um. „Ich will das nicht ewig machen und übergeben, solange ich meinen Nachfolger noch unterstützen kann.“ War früher alles leichter?

Bosch sieht auf jeden Fall gestiegene Anforderungen an die Fußballfunktionäre. „Man muss heutzutage unglaublich aufpassen. Wenn etwas nicht passt, wird man so schnell zur Rechenschaft gezogen“, schildert der Schönfelder. „Es braucht immer einen Schuldigen. Man hört von der Politik meist schöne Worte, aber im Hintergrund werden einem Steine in den Weg gelegt.“

Sein Gablitzer Kollege Andreas Forche pflichtet bei: „Aber für‘s Schulterklopfen macht man‘s ja eh nicht.“ Forche sieht die Pandemie als „Brandbeschleuniger“. So mancher Spieler, so mancher Funktionäre habe sich nach zwei abgebrochenen Meisterschaften anders orientiert. Bosch: „Vom ATSV kann ich das nicht sagen. Aber man hört bei vielen anderen Klubs, dass jene Leute nicht mehr zurückgekehrt sind, die sowieso nicht mehr voll dabei waren.“

Wo könnte man ansetzen, um die Liga für die Fußballvereine zu verbessern? Bosch erhofft sich eine Lockerung der rechtlichen Rahmenbedingungen. „Ich selbst suche schon seit zwei Jahren einen Nachfolger. 2024 möchte ich eigentlich übergeben, aber von den Jungen bekomme ich nur die Antwort, dass ihnen das zu viel Verantwortung ist“, seufzt der Vereinschef.

Der nähere Zukunft blickt er vorsichtig optimistisch entgegen. „In fünf bis sechs Jahren, wenn die Jägers aufhören, wird es interessant. Unser aller Ziel muss es sein, dass wir den Jungen vorleben, wie wichtig das Vereinsleben ist. Da hat meine Generation in den vergangenen Jahren sicher auch etwas verabsäumt.“

Der Knackpunkt ist dabei die Besetzung der vordersten Reihe. „Mitarbeiter findet man schon noch. Aber als Häuptling, die Verantwortung zu übernehmen? Dafür scheuen viele zurück“, hat auch Andreas Forche festgestellt.

Die Alternativen zum Fußball – gerade in der Nähe der Ballungsräume – spielen dabei eine Rolle. Forche ergänzt: „Früher gab‘s Funktionäre wie einen Franz Nemec in Eichgraben, die quasi ewig bei einem Verein waren. Heute ist die Fluktuation größer. Die Zeiten haben sich geändert.“

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