Gegen den Birnenverfall „gibt’s kein Mittel“. Baumkrankheit wurde aus den USA eingeschleppt. Für Streuobstwiesen ist keine Rettung in Sicht.

Von Christine Hell. Erstellt am 01. Mai 2019 (04:33)
Christine Hell
Immer mehr Birnbaumäste werden dürr, Blüten gibt‘s nur mehr büschelweise.

Aufmerksamen Beobachtern ist es schon aufgefallen: Die Birnbäume wollten in den vergangenen Jahren und auch heuer nicht so recht blühen. Im Gegensatz zu früher, wo die mächtigen Baumriesen in Streuobstwiesen über und über blühten und wie mächtige Bouquets die Landschaft zierten, sind leider vorbei. Schuld ist eine Birnbaum-Krankheit, die etwa vor 20 Jahren erstmals aufgetaucht ist und die sich seitdem in ganz Europa ausgebreitet hat.

„Birnenverfall“ wird sie bezeichnenderweise genannt, sie bringt für alte Baumriesen und für junge Bäume gleichermaßen den sicheren Tod. Und das Schlimmste daran ist: „In Streuobstlagen gibt es bis dato keine Bekämpfungsmöglichkeit“, sagt Obstbaumexperte Andreas Ennser.

Eingeschleppt wurde der „Birnenverfall“ aus den USA, und er sorgt mittlerweile in ganz Europa für massives Obstbaumsterben. Die Krankheit äußert sich in typischen Symptomen: Die Belaubung am Baum wird zusehens weniger, hat eine schale Farbe, die typische Herbstfärbung ist bereits im Sommer bemerkbar.

„Speziell sehr alte Birnbäume zeigen sich oft am widerstandsfähigsten gegen den Birnenverfall.“ Anton Hieger, Bezirkskammerobmann

Während der Wintermonate hält sich der Erreger vornehmlich in den Baumwurzeln auf, um im Frühjahr mit dem Baumsaft bis in die Krone des Baumes zu gelangen. Ein Teufelskreis beginnt: Wurzeln sterben ab, die Krone wird nicht mehr gut versorgt, der Baum setzt weniger Laub an, Äste sterben ab, der Baum wird immer lichter, bis er in längstens 15 Jahren zur Gänze dürr ist.

Übertragen wird die Baumkrankheit von Baum zu Baum durch saugende Insekten wie Birnblattsauger, Zikaden und auch durch Blattläuse.

„Die Situation ist unverändert“, sagt Bezirksbauernkammerobmann Anton Hieger dazu. Er weiß, dass speziell die Sorte Speckbirne sehr anfällig ist für den Verfall, „und speziell ganz alte Bäume sehr alter, vielfach unbekannter Birnsorten am widerstandsfähigsten sind.“

In den vergangenen Jahren setzte man auf Versuche, befallene Bäume im zeitigen Frühjahr mit größeren Gaben von Wasser, mit Mikroorganismen, Steinmehl und Nährstoffen zu versorgen beziehungsweise die Grasnarbe um den Baum aufzufräsen, um den Baum zu stärken und ihm bei der Bewältigung der Krankheit zu helfen.

Auch nach Sorten wurde gesucht, die widerstandsfähig gegen den Birnenverfall sind. Ein kleiner Fortschritt in der Bekämpfung der Krankheit war, Birnen-Edelreiser auf Birnenverfall resistente Quittenunterlagen zu veredeln. „Diese Bäume eignen sich jedoch leider nicht für das Mostviertel, weil der Kalkgehalt im Boden für die Quitte viel zu hoch ist“, weiß Andreas Ennser.

Der Referent im Obstbau in der Landeslandwirtschaftskammer und Mitarbeiter der Bauernkammer Amstetten weiß von einem weiteren erfolgreichen Versuch: „Wir verwenden seit etwa zwei, drei Jahren die Wildbirne oder Wollbirne als Stammbildner für Hochstammbäume. Wir arbeiten da intensiv mit Fachleuten aus der Steiermark zusammen und die haben damit schon gute Erfolge.“

Ob dieses Projekt tatsächlich erfolgreich sein wird, sehe man aber erst in etwa sieben Jahren, so der Obstbaumexperte, „erst nach zehn Jahren kann man über einen tatsächlichen Erfolg wirklich sprechen.“

Derzeit als Quarantäne-Krankheit eingestuft

„Im Gegensatz zu Versuchen vor einigen Jahren gelingt es uns jetzt, den Erreger in Blättern und Ästen im Labor festzustellen“, berichtet Christian Haselberger vom amtlichen Pflanzenschutzdienst in der Landeslandwirtschaftskammer NÖ, die Krankheit selbst sei jedoch bis heute chemisch nicht zu bekämpfen. „Derzeit wird der Birnenverfall noch als Quarantäne-Krankheit eingestuft“, berichtet Haselberger, das werde in Anbetracht des massiven Befalls jedoch in Kürze fallen, sagt der Experte, „denn danach müsste jetzt fast jeder Birnbaum sofort gefällt werden.“

Andreas Ennser von der Bauernkammer Amstetten, und Referent im Obstbau in der Landeslandwirtschaftskammer hofft auf neue Erkenntnisse: „Am 2. und 3. Mai findet der Streuobst-Kongress in Amstetten statt. Da wird diese Birnbaumkrankheit sicherlich Thema sein.“