Grippeschutz: Impfbereitschaft nimmt ab. Ärzte empfehlen Immunisierung vor allem für ältere und chronisch kranke Personen. Von Renate Hinterndorfer und

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 26. September 2017 (05:15)
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In der Apotheke in Altlengbach haben die ersten Kunden schon wegen der Grippeschutzimpung nachgefragt. Zwei Arten von Impfstoff sind dort auf Lager: Ein Serum für Personen unter 65 Jahre – das kostet 20,50 Euro – und eines für Menschen über 65 Jahre (23,70 Euro). „Es gibt auch einen Impfstoff, der unter die Haut gespritzt wird. Der wäre zum Beispiel für Patienten, die Blutverdünnungsmittel nehmen müssen, geeignet“, erläutert Maria Nagler.

„Die Zeckenimpfung geht viel besser als die Grippeimpfung.“ Maria Nagler, Apothekerin, Altlengbach

Die Apothekerin stellt allgemein eine Impfmüdigkeit bei der Grippeimpung fest: „Die Zeckenimpfung geht viel besser.“ Es komme aber auch auf den Arzt an: „Wenn der Arzt die Grippeschutzimpfung vorschlägt, lassen sich die meisten Leute schon impfen.“

Nagler empfiehlt jedenfalls die Immunisierung: „Die echte Grippe ist eine schwere Erkrankung, man fällt wochenlang aus, fühlt sich lang schlapp, kann keinen Sport machen.“ Speziell ältere Menschen sollten sich impfen lassen, so Nagler: „Einen jüngeren, gesunden Menschen wirft die Grippe auch ins Bett, aber er ist schneller wieder auf den Beinen.“ Die Pharmazeutin ist selbst geimpft, auch ihre Kinder lässt sie impfen.

"Ein richtiger Impfschaden kommt praktisch nicht vor"

Auf die Frage nach Komplikationen erklärt die Altlengbacher Pharmazeutin: „Ein richtiger Impfschaden kommt praktisch nicht vor. Manche Leute haben vielleicht eine Schwellung oder Schmerzen an der Impfstelle, aber das sind kleine Nebenwirkungen und keine Impfschäden.“

Auch der Maria Anzbacher Arzt Karl Tenora empfiehlt die Grippeimpfung. Er beginnt bereits im Pflegeheim in Maria Anzbach mit den Impfungen. Ein Großteil der Bewohner sei immer geimpft, ist aus der Praxis des Allgemeinmediziners zu hören. Sinn mache die Impfung nur, wenn sie jedes Jahr gemacht werde.

Der Neulengbacher Mediziner Josef Helm, der sich auf Akupunktur und andere Heilverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin spezialisiert hat, ist auch kein Gegner der Impfung: „Ich war viele Jahre Betriebsarzt in einem Geriatriezentrum der Gemeinde Wien. Da habe ich die Grippeimpfung angeboten und befürwortet, sowohl für die alten Leute, weil sie eine Risikogruppe sind, als auch für das Personal, weil es Überträger ist.“

Impfung für Risikogruppen sinnvoll

Für Risikogruppen sei die Influenzaimpfung gut, so Helm. Für jüngere Menschen würde er sie allerdings nicht empfehlen. Helm hält die Impfung für Menschen ab 60 für ratsam. Kinder würde er nicht impfen lassen, außer sie haben einen Immundefekt.

Auch Bezirksärztevertreter Andreas Barnath hält die Grippeimpfung nach wie vor für wichtig: „Besonders chronisch Kranke und Ältere profitieren von dieser Schutzimpfung und sollten sich impfen lassen. Für Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, sollte es ebenso ein Muss sein.“

Kein Gehör für selbsternannte Impfgegner

Gegen die Impfung spricht laut Barnath „eigentlich gar nichts. Die Verschwörungstheorien der selbst ernannten Impfgegner dürfen kein Gehör finden und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ Auch Barnath berichtet von einer deutlich sinkenden Bereitschaft zum Impfen: „Ich habe zwar keine aktuellen Zahlen, aber ich würde die Durchimpfungsrate der Influenzaimpfung mit mageren 10 Prozent annehmen.“

Händehygiene enorm wichtig

Auf die Frage, wie man einer Grippe entgehen kann, erklärt der Mediziner: „Nachdem die Influenza, also die echte Grippe, ausschließlich durch Viren übertragen wird, sollte man auf eine entsprechende Händehygiene achten. Da auch die trockene Luft in den Räumen mit ein Grund ist, empfehle ich auch ausreichend Frischluft und mildes Herz-Kreislauftraining.“

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