Homeschooling: "Jammern nützt auch nichts". Region Wienerwald: Situation wird für Schüler, Lehrer und Eltern immer anstrengender. Man versucht, das Beste daraus zu machen.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:00)
Wenn der Küchentisch zur Schulbank wird: Bereits zum dritten Mal in den letzten zehn Monaten wurde die Schule auf Distance Learning umgestellt. Derzeit sind etwa 50 Prozent der Klosterneuburg Schüler und 14 Jahre in der Betreuung in den Schulen.
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„Es ist zunehmend ermüdend“, stellt die Neulengbacher Volksschuldirektorin Marietta Leibetseder fest. Homeschooling wird um eine Woche verlängert, hieß es zunächst, jetzt ist wieder alles anders: Vor den Semesterferien gibt es keinen Präsenzunterricht, dann soll im Schichtbetrieb gestartet werden.

„Es ist zunehmend ermüdend“

Die Schulen müssen die Informationen, die oft spät kommen, in Kürze umsetzen: „Bis jetzt ist das gut gelungen, wir tun unser Bestes. Natürlich ist es eine Herausforderung. Aber die Regierung kann aufgrund der Fallzahlen auch immer nur kurzfristig entscheiden“, so die Neulengbacher Schulleiterin. Sie hat einen pragmatischen Zugang zur Coronakrise: „Jammern nützt nichts, wir sind fest in der Hand des Virus. Kein Mensch hat Erfahrung mit dieser Situation. Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Ich bin guter Hoffnung, dass es im Frühling besser wird.“

Etwa 70 Kinder kamen in der Vorwoche in die Schule, sie wurden in Jahrgangsgruppen von drei Lehrern und einem Förderlehrer betreut. Die Pläne, die es für das Distancelearning gibt, werden durchgenommen, zusätzlich wird dort, wo es Schwächen gibt, gefördert. Diese Woche sind mehr Kinder in der Volksschule: „Jeder Lehrer betreut wieder die Kinder seiner Klasse“, berichtet Marietta Leibetseder.

Sie ist froh, dass es bis jetzt nur ganz wenige Coronafälle in der Volksschule gab. Man könne nur appellieren, dass bei der Rückkehr in die Schule die Testkits verwendet werden. Auf die Frage, wie man mit dem Lernstoff durchkomme, antwortet die Pädagogin: „Man konzentriert sich auf die wichtigsten Lehrziele.“ Die Folgen der Pandemie werde man in den nächsten Jahren noch spüren. Umgekehrt würden die Kinder aber auch andere Dinge lernen, zum Beispiel Selbstorganisation.

„Man konzentriert sich auf die wichtigsten Lehrziele.“

Aber die Kinder vermissen ihre sozialen Kontakte, und die Eltern wünschen sich wieder einen geregelten Tagesablauf. Je älter die Kinder sind, desto besser können sie mit der aktuellen Situation umgehen, diese Erfahrung macht Alexander Bokor, Obmann des Elternvereins der Neuen Mittelschule Eichgraben. Drei seiner vier Kinder gehen noch in die Schule. „Jüngere Schüler bleiben ein bisschen auf der Strecke.“ Bessere Schüler hätten es natürlich auch leichter als schwächere, so Bokor. Wie gut das Homeschooling funktioniert, hänge aber auch von der Motivation der Pädagogen ab: „Manche Lehrer sind mit viel Herzblut dabei, andere kümmern sich nicht soviel, das merkt man an den Unterrichtsmaterialien.“

Dass die Kinder daheim sind, ist für Alexander Bokor in Ordnung: „Wo ist die Alternative?“ fragt er sich angesichts der kaum sinkenden Infektionszahlen und der neuen Virusmutation.

Was den Elternvereinsobmann wütend macht, ist die Tatsache, dass sich viele Leute nicht an die geltenden Regeln halten: „Das finde ich extrem unfair denen gegenüber, die sich an die Regeln halten.“

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