Japanischer Knöterich als Plage: „Müssen aktiv werden“. Die Pflanze ist nicht gern gesehen. Der Wasserverband führt seit einem Monat Mäharbeiten durch. Ein St. Christophener schlägt die Mithilfe der Bevölkerung vor.

Von Christine Hell. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:13)
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Obwohl die Knöterichblüten guten Honig ergeben, ist er ob seiner Ausbreitung nicht gern gesehen.
Hell, Hell

Dem Japanischen Knöterich ist kaum mehr beizukommen, Wurzelausläufer sorgen für rasante Verbreitung, er wächst bis zu 30 Zentimeter pro Tag. Die Bachböschungen des Laabenbaches und der Großen Tulln wurden bereits vom hohen Strauchwerk eingenommen, von Brand-Laaben bis zur Mündung in die Donau.

Da müssten die Gemeinden endlich mehr tun, meint Ron Richter. Der St. Christophener schlägt vor, Bürger, Schul- und Kindergartengruppen vermehrt in die Pflege der Uferzonen miteinzubinden, um schwer zugängliches Gelände vom Knöterich freizuhalten. Er habe die Stadtgemeinde Neulengbach mehrmals gebeten, aktiv zu werden und dafür etwa den Park und die Pfarrwiese von St. Christophen weniger oft zu mähen, sagt Richter.

Er selbst hat mit seiner Familie den Kampf mit der Pflanze bereits aufgenommen: „Unsere Kinder kümmern sich um den Bereich der Hubertuskapelle in St. Christophen, wo der Knöterich leider schon den Sprung über die Straße geschafft hat“, berichtet er.

„Sobald wir an beiden Bachböschungen an der Donau angelangt sind, fangen wir im Laabental mit dem Mähen wieder an.“ Karl Gfatter, Obmann Wasserverband

Das seien zwei Paar Schuhe, erklärt Bürgermeister Franz Wohlmuth auf Anfrage der NÖN und stellt klar: „Die Bachböschungen sind grundsätzlich öffentliches Wassergut, der Park ist im Besitz von Gut Liechtenstein und vertraglich mit der Gemeinde verbunden.“

Zum Wasserverband: Die Stadtgemeinde zahlt wie alle anliegenden Gemeinden an den Wasserverband. Neulengbach zahlt gleich an zwei – an die Wasserverbände „Große Tulln“ und „Perschling“. Das sei ganz genau geregelt nach anteiligen Flusslauf-Kilometern, und das Land NÖ steuert einen Pauschalbeitrag bei. „Der Wasserverband hat damit die Aufgabe, Flussläufe zu hegen und zu pflegen, zu mähen und zu räumen, und alles zu tun, was zu tun ist“, erklärt der Bürgermeister.

Karl Gfatter, der Obmann des Wasserverbandes, weiß um den Kampf mit dem raschwüchsigen Kraut: „Seit dem 10. Mai mähen wir die Flächen mit dem Knöterich.“, Heuer wurde aufgrund der verzögerten Vegetation etwas später begonnen. „Sobald wir an beiden Bachböschungen an der Donau angelangt sind, fangen wir im Laabental mit dem Mähen wieder an“, so Gfatter. An den Stellen, die sehr weich sind, und in engeren Bereichen, wie etwa in St. Christophen, kann mit dem zwölf Meter breiten Mähgerät nicht gemäht werden. „Diese Stellen werden dann mit kleineren Mähgeräten bearbeitet“, erklärt der Obmann.

„Seit dem 10. Mai mähen wir die Flächen mit dem Knöterich.“

Gegen private, kleinräumige Maßnahmen von engagierten Menschen, wie in St. Christophen, hat der Obmann des Wasserverbandes nichts einzuwenden: „Das hilft uns bei der Bekämpfung des Knöterichs.“ Karl Gfatter betont aber, dass die freiwillige Pflege auf eigene Rechnung und Gefahr der helfenden Personen passiert.

Handlungsbedarf sieht auch der Neulengbacher Vizebürgermeister Paul Mühlbauer, der mit Ron Richter bereits ein Gespräch geführt hat. Was sicher ohnehin kommen werde, ist ein Pflegekonzept für den Laabenbach/Große Tulln, erklärt Mühlbauer: „Ein Pflegekonzept entlang unserer Flüsse hat dann auch sicherlich einen Schwerpunkt auf die Behandlung des Knöterichs. Grundsätzlich müssen diese Konzepte bis 2027 österreichweit fertig sein, wobei es entlang des Laabenbaches/Große Tulln auch schon wesentlich früher kommen könnte.“

Beim Mähen geht‘s auch um Haftungsfrage

Zum Anton Wiltschko Park hält Bürgermeister Wohlmuth fest: „Die Stadtgemeinde hat vertraglich die Pflege und das Mähen über.“ Eine Haftungsfrage sei das Mähen oder Nichtmähen, gibt Wohlmuth zu bedenken, „mit einer Wiese gibt es etwa Erdbienen, die mit einem öffentlichen Spielplatz und Kindern nicht zu kombinieren sind.“ Bei Sportplatz/Pfarrwiese aber soll es in Zukunft so sein, dass die Böschung seltener gemäht wird und dadurch eine Blühböschung entstehen kann.