Kinderbetreuungs-Ausbau: „Gemeinden kommen unter starken Druck“

Erstellt am 04. Oktober 2022 | 20:09
Lesezeit: 4 Min
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Bürgermeister Michael Göschelbauer vor dem Sonnenkindergarten in Altlengbach: Er will mit den Nachbargemeinden kooperieren, damit ausreichend Plätze in den Kindergärten zur Verfügung stehen.
Foto: Gemeinde Altlengbach
Schon 2-Jährige sollen künftig fix einen Platz bekommen. Nicht alle Bürgermeister in der Region Wienerwald sind darüber erfreut.
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Die Senkung des Kindergarten-Alters auf zwei Jahre, flächendeckende Nachmittagsbetreuung und ein kostenloses Vormittagsbetreuungsangebot schon für 0- bis 2-Jährige: Das sind die wesentlichen Punkte der Kinderbetreuungsreform, die im November beschlossen und bis 2027 in Niederösterreich umgesetzt werden soll.

Auf die Gemeinden kommt dadurch eine Menge Arbeit zu: Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) rechnet damit, dass für die Erweiterung des Angebots niederösterreichweit 850 neue Gruppen in Kindergärten und Krippen benötigt werden.

Ockermüller: „Das wird platzmäßig schwierig“

Die Reaktionen der Bürgermeister in der Region sind unterschiedlich. Einige haben gar keine Freude mit der geplanten Umstellung, einige sehen ihr gelassen entgegen, zum Beispiel Michael Göschelbauer: „Wir wissen, dass wir Kindergartenplätze brauchen. Wir sind in gutem Austausch mit den Nachbargemeinden, um gemeinsam etwas zu machen, damit nicht jede Gemeinde die Infrastruktur schaffen muss. Das hatten wir schon vorher vorgesehen. Das neue Gesetz beschleunigt das noch“, sagt der Altlengbacher Ortschef.

Skeptisch ist der Eichgrabener Bürgermeister Georg Ockermüller: „Das wird platzmäßig schwierig. Wir haben ein gutes Betreuungsangebot. Aber wir haben jetzt schon mit acht Gruppen bei den zweieinhalbjährigen Kindern leichte Wartezeiten.“ Ohne einen Ausbau von Räumlichkeiten werde es nicht funktionieren.

Das Problem: Grundstücke in Eichgraben sind extrem teuer. Und im Zentrum sind gar keine Flächen zu bekommen. „Es wird zwar versprochen, dass 47 Prozent zu den Errichtungskosten beigesteuert werden. Aber wenn wir zu Bauland-Preisen etwas kaufen und errichten, ist das unfinanzierbar“, fasst Georg Ockermüller die Problematik zusammen.

Auch in puncto Betreuungspersonal hat der Eichgrabener Gemeindechef Bedenken. Er würde sich wünschen, dass nicht nur die Kindergartenpädagoginnen, sondern auch die Betreuerinnen in den Zuständigkeitsbereich des Landes fallen. Aus Ockermüllers Sicht wurde das Projekt seitens des Landes zu schnell entschieden. Der Druck auf die Gemeinden werde enorm. Ockermüller will jetzt einmal abwarten „was wirklich kommt.“

Auch der Neulengbacher Bürgermeister Jürgen Rummel macht kein Hehl daraus, dass er mit den Plänen des Landes wenig Freude hat. Er spricht von einem Schlag ins Gesicht für die Gemeinden. „Die Stimmung bei mir ist getrübt. Für uns ist das eine Riesenherausforderung. Ich weiß nicht, ob man das stemmen kann.“

In der Stadtgemeinde Neulengbach wurde errechnet, dass man mit der Umsetzung des neuen Betreuungsmodells fünf bis sechs zusätzliche Kindergartengruppen benötigen würde. Das wäre eine große Herausforderung für die Stadtgemeinde, die schon jetzt immer wieder Betreuungspersonal sucht.

Jürgen Rummel kritisiert, dass das geplante Projekt mit den Gemeinden nicht abgesprochen worden sei: „Man hätte das im Vorfeld besser diskutieren und vorplanen sollen und nicht in Zeiten einer Landtagswahl so durchpeitschen.“ So wie sein Eichgrabener Amtskollege Georg Ockermüller spricht sich auch Rummel dafür aus, dass neben den Pädagoginnen auch die Betreuerinnen in die Zuständigkeit des Landes gehören sollten: „Da wäre uns geholfen.“

Der Asperhofener Bürgermeister Harald Lechner rechnet nicht mit Problemen. Der Kirchstettener Ortschef Josef Friedl ist froh, dass in seiner Gemeinde noch „ein bissl Kapazität“ vorhanden ist. „Wir haben Gott sei Dank eine zweite Gruppe beim Provisorium und sind momentan abgesichert.“ Ein bisschen herausfordernd werde die Öffnung schon, ab so tragisch wie in anderen Gemeinden werde es in Kirchstetten nicht werden, so Friedl.

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