Mehr Verantwortung für Hundehalter: „Hund ist Partner“. Mehr Verantwortung für Hundehalter: Geplante Reformen werden in der Region positiv gesehen. Beratung und Information wird für besonders wichtig gehalten.

Von Renate Hinterndorfer und Gila Wohlmann. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:30)
Hundetrainerin Tina Wessig begrüßt die geplanten Reformen im Bereich der Hundehaltung.ÖGV St. Pölten
ÖGV St. Pölten

Viele Leute wissen nicht, worauf sie sich einlassen, wenn sie sich einen Hund nehmen. Diese Erfahrung hat Tina Wessig gemacht. Die Hundetrainerin und Obfrau des Vereins „Erfolg auf 4 Pfoten“, die in Maria Anzbach Einzeltrainings anbietet, begrüßt daher die geplanten Reformen in der Hundehaltung: „Ich bin ständig konfrontiert mit Problemen von Hundebesitzern. Der Hund kommt nicht, wenn man ihn ruft, der Hund zerreißt das Gewand, der Hund macht Radau am Zaun. Viele Leute wissen nicht, wie sie Gehorsam erzeugen.“

Oft werde unterschätzt, wie viel Arbeit ein Hund macht. Oft werde auch nicht der passende Hund ausgewählt. Und oft würden Hunde von Anfang an überfordert oder zu viel „bespaßt“, obwohl sie auch Ruhe benötigen. „Es geht um ein Hundeleben. Der Hund wird ein Partner, ein Familienmitglied im besten Fall. Man muss wissen, was der Hund braucht, welche Bedürfnisse er hat. Ein Welpe zum Beispiel sollte 22 Stunden Ruhe haben. Das wissen viele Hundebesitzer nicht. Und dann wundern sie sich, dass das Tier aufgekratzt ist.“

„Die große Mehrheit der Hunde bewegt sich in der Öffentlichkeit, ohne jemals einen Menschen zu gefährden.“ Birgit Reuter hält nichts von einer Maulkorbpflicht für alle Hunde.

Schon bevor man ins Tierheim oder zu einem Züchter geht, um sich einen Hund zu holen, sollte man sich daher ausreichend informieren und beraten lassen, empfiehlt die Expertin. Man brauche profunde Auskunft, auf die man sich verlassen könne. Nur ein Buch über Hundehaltung zu lesen, sei zu wenig. Tina Wessig rät, sich beim ÖGV Unterstützung zu holen.

Auch Birgit Reuter von der Tierpension „Susi und Strolchi“ in Innermanzing hält ein Beratungsgespräch mit einem geprüften Hundetrainer vor der Anschaffung eines Hundes für gut und notwendig. Sinn machen würde das aber nur dann, wenn das Beratungsgespräch Konsequenzen hat, falls sich herausstellt, dass jemand nicht geeignet ist für die Haltung eines Hundes.

Auch einen Sachkundenachweis für alle Hundebesitzer hält Birgit Reuter für okay: „Auch hier ist wieder wichtig: Welche Inhalte werden in der Sachkunde vermittelt und von wem?

Dem geplanten Hundepass steht Reuter skeptisch gegenüber: „Den halte ich nicht für notwendig, denn einen Pass hat üblicherweise jetzt schon jeder Hund, in dem Impfungen, Wurmkuren und die Chip-Nummer aufgeführt sind. Bei verhaltenauffälligen Hunden wird dies sowieso amtlich registriert, wenn sie gebissen haben.“

Von der Maulkorbpflicht für alle Hunde in der Öffentlichkeit rät die Gründerin der Tierpension dringend ab: „Die große Mehrheit der Hunde bewegt sich in der Öffentlichkeit, ohne jemals einen Menschen zu gefährden. Diese Maßnahme wäre also völlig übertrieben und stempelt alle Hunde als potentiell gefährlich ab, was sie nicht sind.“ Reuter verweist darauf, dass die meisten Hundebisse im häuslichen Bereich passieren würden. „Und verhaltensauffällige Hunde bekommen in der Öffentlichkeit von Amts wegen sowieso eine Maulkorbpflicht verordnet.“ Für sinnvoll würde Birgit Reuter ein Training in Schulen halten, damit Kinder lernen, wie sie mit einem Hund umgehen sollen.

Auch im Tierheim St. Pölten setzt man auf Information der Tierfreunde. „Beratung ist bei uns das Wichtigste. Bevor wir ein Tier überhaupt vergeben, erfolgt vorab mit dem zukünftigen, möglichen Halter sowieso ein Beratungsgespräch. Dabei reden wir darüber, ob die Lebensumstände für eine Haltung dieses Tieres geeignet sind und welche Eigenschaften dieses aufweist. Wir sprechen auch etwaige Probleme an und verschweigen nichts. Dieses Beratungsgespräch führen wir seit Jahren erfolgreich durch. 99,9 Prozent unserer abgegebenen Tiere verbleiben beim Halter“, informiert Willi Stiowicek, Obmann des Tierschutzvereins St. Pölten.

Alle Infos in einem Pass?

Und was hält man im Tierheim vom geplanten Hundepass? Dazu sagt Leiter Davor Stojanovic: „Ich schlage vor, dass man alle Unterlagen zu Hunden, daher auch den neu angedachten Hundepass, in einem Dokument unterbringt, weil sonst hat man künftig den herkömmlichen Impfpass, den internationalen Pass und noch den Hundepass. Das sind dann schon drei Pässe.“

Umfrage beendet

  • Verpflichtende Ausbildung für Hundehalter notwendig?