Musikschulen im Lockdown: Online nur eine „Notlösung“. Region Wienerwald: Auf die Zeit mit Unterricht vor Ort freuen sich Schüler und Lehrer gleichermaßen.

Von Renate Hinterndorfer, Christine Hell und Eduard Riedl. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
So sieht in der Musikschule Maria Anzbach-Eichgraben zur Zeit ein „digitaler Klassenabend“ in der Klavierklasse mit Raino Rapottnig aus. 
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„Es geht ganz gut“, sagt Felix Leonhartsberger zum Online-Unterricht an der Musikschule. Diese Form des Unterrichtes sei ja während der Pandemiezeit schon mehrmals praktiziert worden. Der Markersdorfer überzeugte mit seinem zweiten Platz in der Kategorie Solo-Schlagzeug beim Wettbewerb „prima la musica“. Er übe sehr fleißig, und das jeden Tag, sagt er. Unterrichtet wird derzeit über eine App, sein Lehrer Emanuel Lipus ruft an und der Unterricht findet über Video statt, so Leonhartsberger. Er freut sich aber schon wieder auf die Zeit, wenn der Unterricht in der Musikschule stattfindet.

Auch Musikschuldirektor Erich Ott ist froh, wenn der Lockdown vorbei ist, auch wenn der Onlineunterricht sehr gut funktioniert: „Bis auf ein, zwei Ausnahmen ist das überhaupt kein Problem, das Distance Learning wird zu 99 Prozent gut angenommen.“ Alle Schüler seien ja sehr gut an Computer gewöhnt. „Ärgerlich ist nur, dass die Verordnungen sehr knapp bis zu spät einlangen“, stellt Ott fest. An der Motivation der Musikschüler sei nichts auszusetzen, freut sich der Direktor: „Es gibt ja die Übertrittsprüfungen, um in weitere Ausbildungsstufen zu kommen, für die es zu üben und zu lernen gilt.“ Gehofft wird darauf, dass im Mai und Juni kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden können, möglicherweise im Freien. Erich Ott hofft auch, dass der Tag der Musikschulen Anfang Mai „in irgendeiner Form“ stattfinden kann. Wenn wieder Präsenzunterricht stattfinden darf, gehe das sicher mit Testungen und minimierter Ensemblezahl einher, weiß Ott.

„Präsenzunterricht ist auf jeden Fall lustiger.“ Andreas Rosen, Musikschüler

Neben Felix Leonhartsberger durfte auch der St. Christophener Andreas Rosen beim Wettbewerb „prima la musica“ jubeln: Er erspielte den ersten Platz mit ausgezeichnetem Erfolg in der Kategorie Tuba Solo. Unterrichtet wird der St. Christophener von Johann Schiestl. „Je länger sich diese Phase hinzieht, desto mehr hat man das Gefühl, dass das Üben nicht so wichtig ist, da man ja kein Ziel hat, auf das man hinarbeitet. Das nimmt einem schon etwas die Motivation“, sagt Andreas Rosen. Man brauche schon mehr Selbstdisziplin als normalerweise. Online-Unterricht sei natürlich besser als gar kein Unterricht, aber Präsenzunterricht sei auf jeden Fall lustiger.

„Je länger sich diese Phase hinzieht, desto mehr hat man das Gefühl, dass das Üben nicht so wichtig ist"

Iris Trefalt, die Direktorin des Musikschulverbands Maria Anzbach-Eichgraben ist froh, dass das Unterrichten im Online-Modus gut funktioniert: „Die Schülerinnen und Schüler sind sehr routiniert und machen alle gut mit. Das hätten wir uns einst nie vorgestellt, dass man sich über ein Medium gegenseitig etwas vorspielen kann.“ Das musikalische Miteinander mache besondere Freude: „Dass wir in fast allen Instrumentenfächern wieder in der Sechsergruppe gespielt haben, denn das ist unsere große Leidenschaft. Wir vertrauen, dass auch unsere Blasinstrumente und unsere Sängerinnen und Sänger bald wieder zusammenkommen können.“

Agnes Zehetner, Leiterin der Musikschule Laabental, freut sich, wenn der Präsenzunterricht wieder möglich ist
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Der Nachwuchs sitze in den Startlöchern und in der Musikschule will man im Mai und Juni für alle interessierten Kinder Möglichkeiten anbieten, damit sie die Instrumente kennenlernen und gleich im Herbst auch ein „Musikschulkind“ werden können. Eines hält Iris Trefalt fest: „Wir vermissen sehr all die Feste in unserer Gemeinde, die wir mit unserer Musik stets verschönern durften.“

Reale Veranstaltungen fehlen auch der Musikschule Laabental sehr. Leiterin Agnes Zehetner sieht zwei große Herausforderungen: „Wir müssen versuchen, bestehende Schülerinnen und Schüler weiter zu begeistern und trotz dem Wechsel zwischen Präsenz- und Online- Unterricht den Kontakt in positivem Sinn aufrecht zu erhalten. Andererseits brauchen wir auch neue Schüler und können voraussichtlich die Werbung wieder nur zu einem Großteil virtuell gestalten.“

„Wir vermissen sehr all die Feste in unserer Gemeinde, die wir mit unserer Musik stets verschönern durften.“

Auch im Laabental ist die Akzeptanz des Online-Unterrichts sehr hoch: „Der Wechsel funktioniert problemlos. Das liegt einerseits am tollen Engagement meines Lehrerteams, andererseits auch an der großen Zustimmung zur Musikschule unter Eltern, Schülerinnen und Schülern“, berichtete Agnes Zehetner. Insgesamt sei diese Form des Unterrichts aber nur eine Notlösung: „Unser Unterricht lebt vom direkten Austausch und gemeinsamen Spiel im selben Raum.“ Die relativ lange Präsenzphase von Februar bis Ostern habe allen sehr gut getan, Sicherheitsregelungen seien von allen sehr gut mitgetragen worden, so die Chefin der Laabentaler Musikschule. Auch sie hofft, dass bald wieder Unterricht vor Ort beginnen kann.

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