"Neubeginn" für Gastro: Gemischte Gefühle bei Wirten. Region Wienerwald: Alle sind froh, dass sie wieder aufsperren können, doch die Regeln bereiten den Lokalbetreibern Sorgen.

Von Christine Hell und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 18. Mai 2021 (03:00)
Auch Pfarrer WieslawTracz schätzte die Möglichkeit, das Mittagessen bei Bianka Lazelberger abholen zu können.
Christine Hell/Archiv, Christine Hell/Archiv

Der Gastgarten ist hergerichtet, die Gartenmöbel sind frisch gestrichen, der Sutt’nwirt in Neulengbach ist für den Neustart nach dem Lockdown gerüstet. Michaela und Franz Reither sehen der Öffnung am 19. Mai sehr optimistisch entgegen. „Ich glaube nicht, dass uns unsere Gäste im Stich lassen“, sagt die Wirtin. Die Leute seien froh, dass sie wieder hinaus können, viele würden sich schon auf Steaks freuen. „Und wir freuen uns schon auf unsere Gäste.“

Der Sutt‘nwirt hat in der ganzen Zeit des Gastro-Lockdown, also seit November, Speisenabholung angeboten. „Wir sind froh und dankbar, dass wir diesen Abholservice machen konnten. Manche Leute kommen jeden Tag. Die Beziehung zu den Gästen ist eine andere geworden, manche bringen uns Naschereien oder Blumen mit“, berichtet Michaela Reither. Jetzt ist sie aber froh, dass das Lokal wieder ganz aufsperren kann, wenn auch mit den bekannten Corona-Regeln.

„Wenn 16 Leute kommen, müssen wir sie auf vier Tische mit zwei Meter Abstand aufteilen.“ Wirtin Michaela Reither macht sich Gedanken, wie größere Familienfeiern funktionieren werden.

Viele Gäste hätten kein Problem mit dem Testen: „Wenn sie am Samstag essen gehen, dann gehen sie am Freitag testen, das teilen sich die Leute dann schon so ein.“ Schwieriger werde es vermutlich für die Berufstätigen, die in der Mittagspause schnell essen gehen wollen. „Da werden sicher viele beim Abholen bleiben“, ist Michi Reither überzeugt. Und auch jene Kunden, sich weder testen noch impfen lassen wollen, werden sich ihr Essen weiterhin abholen.

Was den Wirtsleuten ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet sind größere Familienfeiern etwa bei Erstkommunion oder Firmung, denn wenn schlechtes Wetter herrscht und nicht im Gastgarten, sondern im Lokal gegessen wird, wird es mit den Abstandsregeln etwas schwierig: „Wenn 16 Leute kommen müssen wir sie auf vier Tische mit zwei Meter Abstand aufteilen.“

Der Öffnung ihres Gasthauses in St. Christophen sehen Hannes und Bianka Lazelberger mit gemischten Gefühlen entgegen: „Die Auflagen lassen die gewohnten Arbeitsabläufe und den Personalaufwand in die Höhe schnellen“, erklärt der St. Christophener Gastwirt. Ob die Mehrkosten an die Gäste weitergegeben werden können, sei fraglich, sagt er, „wir werden uns aber alles in Ruhe anschauen und dann die nächsten Schritte machen.“

„Die Auflagen lassen die gewohnten Arbeitsabläufe und den Personalaufwand in die Höhe schnellen“

Die mehrmals verschobenen Hochzeiten seien zum großen Teil endgültig abgesagt worden, stellt Bianka Lazelberger fest, „aber da sich immer neue Paare entscheiden, zu heiraten mache ich mir darüber keine allzu großen Sorgen.“ Ob es möglich sein wird, die Familienfeiern, für die das Gasthaus weithin bekannt ist, abzuhalten, ist fraglich: „Ich denke, dass wir das erst im nächsten Frühjahr richtig zelebrieren können, wenn das übertriebene Abstandhalten beendet sein wird“, sagt die Wirtin. Reservierungen gäbe es bereits, aber da stünde überall ein großes Fragezeichen dahinter.

Mit dem „Essen to go“ konnte im Gasthaus Lazelberger etwa ein Viertel des sonstigen Umsatzes erzielt werden. Durch die Zwangsschließung haben auch die St. Christophener Gastwirte Förderungen erhalten, und sie haben damit die Verluste zu einem Teil abdecken können.

Die Schließung des Gasthauses während des Lockdowns haben Hannes und Bianka Lazelberger genützt und das ganze Haus auf Vordermann gebracht. Küche und Nebenräume wurden neu ausgemalt und die Fußböden erneuert: „Wir haben das Dach erneuert, darauf bekommen wir noch eine 32 Kilowatt-starke Photovoltaik-Anlage“, erklärt Hannes Lazelberger. „Wir freuen uns, dass wir in Kürze die Sonnenenergie zur Stromerzeugung nützen können.“

Das sei der nächste Schritt nach der Holzheizung, der Solaranlage und der Dachsanierung mit der Wärmeisolierung. „So können wir mit ruhigem Gewissen behaupten, für die Zukunft möglichst umweltbewusst vorgesorgt zu haben“, sind Hannes und Bianka Lazelberger stolz. Sie freuen sich jetzt auf die Gäste und hoffen, die notwendigen Umsätze machen zu können, um den Betrieb in gewohnten Weise fortführen zu können.“

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