Erstellt am 17. Januar 2017, 05:08

von Renate Hinterndorfer

Trend hält an: Immer mehr Arbeitslose. In den acht Wienerwald-Gemeinden sind 882 Leute ohne Job. Aussichten sind nicht rosig.

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882 Personen aus der Region Wienerwald waren Ende Dezember beim AMS arbeitslos gemeldet: 547 Männer und 335 Frauen waren ohne Job. In der kleinen Gemeinde Brand-Laaben sind 51 Personen arbeitslos, um zehn mehr als vor einem Jahr.

Einen triftigen Grund dafür kann Bürgermeister Helmut Lintner nicht ausmachen: „Das ist eine Momentaufnahme, soweit ich das beurteilen kann.“ Aber im peripheren Bereich sei es grundsätzlich nicht einfach. „Das hat auch viele politische Hintergründe. Es gibt Strukturen, die oft ausgenutzt werden.“ In abgelegenen Orten würden manche Leute lieber in die Arbeitslosigkeit gehen als weite Anfahrtswege zu einer Arbeitsstätte in Kauf zu nehmen, so Lintner.

„Manche Leute gehen lieber in Arbeitslose, als weiß Gott wohin in die Arbeit zu zu fahren. Das ist leider so.“

Bürgermeister Helmut Lintner, Laaben

In Laaben selbst sei es schwierig, neue Arbeitsplätze zu schaffen: „Wir haben zum Beispiel geplant, aus dem Laabenerhof ein Seniorenheim zu machen, aber dann kam 2008 die Finanzkrise. Es haben einige Dinge nicht gepasst, sodass wir uns im Lauf der Jahre nicht besser positionieren konnten“, hält der Laabener Bürgermeister Helmut Lintner fest.

Auch die Arbeitslosenzahlen in der Stadtgemeinde Neulengbach sind gestiegen: Hier gab es zum Jahresende 298 arbeitslose Menschen (105 Frauen und 193 Männer), das sind um 9, 2 Prozent mehr als ein Jahr davor.

„Das ist nicht überraschend“, sagt Bürgermeister Franz Wohlmuth zu dem Anstieg und verweist auf die Umstrukturierung bei der Firma Rehau, wodurch rund 60 Leute ihre Arbeit verloren haben. „Aber wir hatten vor Weihnachten ein Gespräch, und bei Rehau ist man optimistisch, dass es nicht weiter bergab, sondern mit neuen Produkten bergauf geht“, ist der Neulengbacher Ortschef erleichtert, denn: „Der Betrieb ist für die Stadt Neulengbach ganz wichtig.“ Insgesamt sei es wichtig, darauf zu schauen, dass die Wirtschaft wieder anspringt: „Jeder, der arbeitet, zahlt in das System ein und sichert so den Wohlstand.“

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend sind in Kirchstetten die Arbeitslosenzahlen zurück gegangen: 68 Personen waren Ende Dezember 2016 ohne Job, das sind um über 20 Prozent weniger als im Jahr davor. „Das ist natürlich sehr positiv und freut mich, aber eine Erklärung habe ich dafür nicht“, sagt der Kirchstettener Ortschef Paul Horsak. Denn neue Betriebe und somit neue Arbeitsplätze habe es nicht gegeben. Auch aus Eichgraben waren Ende 2016 weniger Arbeitslose beim AMS gemeldet als ein Jahr davor.

Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bezirk

Im gesamten Bezirk St. Pölten gab es Ende Dezember insgesamt 7.448 Arbeitslose (4.658 Männer und 2.790 Frauen). Das ist ein Anstieg um 4,3 Prozent im Vergleich zu 2015. Auch für 2017 ist noch keine Entspannung am Arbeitsmarkt zu erwarten: AMS-Leiter Thomas Pop geht nicht davon aus, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt bald entspannen wird. Er hofft aber, dass die Arbeitslosigkeit nicht mehr so schnell so stark steigt.

Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind ältere Menschen und Ausländer: Von den 7.448 Arbeitslosen im Bezirk St. Pölten sind 2.277 50 Jahre und älter, 1.792 sind Ausländer.

Aber nicht nur die Arbeitslosenzahlen steigen, auch die offenen Stellen werden mehr: Etwa 850 verfügbare Stellen gibt es im Bezirk St. Pölten. Gesucht werden vor allem Mitarbeiter in der Metall- und Elektrobranche. Auch in der Holz- und Baubranche und im Tourismusbereich sind derzeit offene Stellen verfügbar.

Im Sinken sind die Angebote für Lehrstellensuchende: Ende 2016 standen im Bezirk St. Pölten 153 offene Lehrstellen zur Verfügung, das sind um fast acht Prozent weniger als Ende 2015.

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