Verfolgungsjagd wegen Liebeskummer . Kirchstettner (19) raste der Polizei davon und beschädigte auch deren Autos. Er kommt mit einer bedingten Haftstrafe und Bewährungshilfe davon.

Von Beate Riedl. Erstellt am 29. Oktober 2020 (03:52)
Auch Polizeiautos wurden bei der Verfolgungsjagdbeschädigt. Schaden: rund 15.000 Euro.
LPD NÖ

Szenen wie in einem Film spielten sich im August in Stadt und Bezirk St. Pölten ab, als sich ein Kirchstettner (19) mit seinem Freund (21) am Beifahrersitz und zwei jungen Frauen am Rücksitz mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd lieferte. Von der Westautobahn über Pressbaum, zurück nach Asperhofen und Neulengbach nach St. Pölten ging die Fahrt, ehe auf einer Tankstelle in St. Pölten die Handschellen klickten.

Nun mussten sich die jungen Männer vor Gericht für die Aktion verantworten, sie zeigten sich geständig. „Sie können von Glück reden, dass ihnen nicht sogar versuchter Mord vorgeworfen wird“, zeigt Richter Markus Grünberger das Ausmaß der Tat auf.

Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, Gefährdung der körperlichen Sicherheit, schwere Sachbeschädigung, Waffenbesitz und Vergehen nach dem Notzeichengesetz werden den beiden zur Last gelegt.

Spritztour nach Wien geplant

Eigentlich hätten sie ja nur nach Wien fahren wollen, um gemeinsam auszugehen. „Ich hatte Liebeskummer, meine Freundin hat mich verlassen und ich habe an dem Tag das erste Mal Speed probiert“, erinnert sich der junge Mann an den Abend. Auf der Westautobahn hätten sie dann ein Polizeiauto überholt, das sie daraufhin anhalten wollte. So nahm die waghalsige Aktion, bei der auch Polizeiautos beschädigt wurden und ein Polizist zur Seite springen musste, damit er nicht überfahren wird, ihren Lauf. Nicht einmal ein ausgelegtes Nagelbrett oder quergestellte Polizeiautos hätten den Kirchstettner auf seiner Irrfahrt durch den halben Bezirk stoppen können. „Mein Mandat hatte Angst vor den Folgen, wenn er stehenbleibt“, bekommt der junge Mann Unterstützung von seinem Anwalt. Erst in St. Pölten hielten sie an: „Wir wollten in die Öffentlichkeit, wenn wir uns stellen“, erzählt der Kirchstettner. Sein Freund, der 21-jährige St. Pöltner, hätte ihn in seinem Vorhaben unterstützt. „Ich sagte, er soll weiterfahren“, erinnert er sich. Immerhin waren sie im Auto des St. Pöltners unterwegs, das nicht zum Verkehr zugelassen war. In diesem fand die Exekutive dann auch Schlagringe, Softgun, Messer, Gaspistole und eine Suchtgiftwaage.

Strafen sollen zum Nachdenken anregen

Der Kirchstettner wurde zu einer einjährigen bedingten Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von drei Jahren samt Bewährungshilfe verurteilt. Detail am Rande: Erst vor knapp drei Monaten wurde er am Bezirksgericht Neulengbach wegen unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeuges verurteilt. Auch damals hatte er sich einer Anhaltung der Polizei entzogen.

Für den St. Pöltner – er hat mehrere Vorstrafen – setzte es eine teilbedingte Strafe, von den 15 verhängten Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren sind fünf Monate unbedingt. Bewährungshilfe und Suchtberatung sollen Unterstützung geben. Dem jungen Mann wurde die Möglichkeit einer Fußfessel in Aussicht gestellt. Besserung wurde gelobt: Der St. Pöltner will wieder arbeiten gehen, der Kirchstettner möchte seinen Zivildienst antreten. „Wenn wieder etwas ist, gehen Sie ins Gefängnis“, gab der Richter den beiden mit auf den Weg. „Das Urteil soll Sie zum Nachdenken anregen und wieder auf den rechten Weg bringen.“ Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, nicht rechtskräftig.