Vergabe auch in Corona-Zeit: Tierheime sind gefordert. Region Wienerwald: Sicherheitskonzept für Mitarbeiter und Kunden wurde erarbeitet. Geld- und Futterspenden können nur einen Teil der Mindereinnahmen puffern.

Von Nadja Straubinger und Nadja Büchler. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:07)
Tierheim-Mitarbeiterin Lea Lipensky kümmert sich auch um die Kaninchen.
Straubinger

Ein schnurrendes Kätzchen im Schoß, ein schwanzwedelnder Hund beim gemeinsamen Spaziergang - viele Haustiere wachsen gerade in der jetzigen Zeit von Corona-Pandemie und Lockdown noch stärker mit ihren Besitzern zusammen. Im Tierheim St. Pölten merkt man das auch: „Die Tiere haben wieder einen höheren Stellenwert“, sagt Tierheimleiter Davor Stojanovic. Vergangenes Jahr gab es zwar keinen Boom an Interessenten, es wurden aber auch nicht mehr Tiere abgegeben als sonst. „Ich fürchte nur, dass die Situation heuer schwierig wird. Wenn die Ersparnisse weg sind und die Situation wirtschaftlich schwierig bleibt“, so Stojanovic.

Insgesamt 970 Tiere fanden im Vorjahr ein vorübergehendes oder längerfristiges Zuhause im Tierheim St. Pölten - den größten Teil machten 470 Wildtiere, 260 Katzen und 130 Hunde aus. Der Tierschutzverein St. Pölten ist für den Zentralraum und das Mostviertel sowie von Klosterneuburg bis Waidhofen/Ybbs zuständig.

„Seit dem Beginn der Corona-Krise verzeichnen wir einen kleinen Anstieg bei den Anfragen"

Auch im Wienerwaldtierheim in Rauchengern, in dem man sich seit 2008 um Tiere in Not kümmert, werden Hunde, Katzen und Kleintiere über ein Netzwerk weitervermittelt. Hier suchen zur Zeit 60 Tiere ein neues Zuhause. „Seit dem Beginn der Corona-Krise verzeichnen wir einen kleinen Anstieg bei den Anfragen. Die persönliche Besichtigung eines Hundes ist aufwendiger geworden, weil ein Besuch im Tierheim momentan nicht möglich ist“, berichtet Brigitte Prohaska, Betreiberin des Wienerwaldtierheims.

Um die Versorgung für die Tiere zu sichern, entwickelten die beiden Tierheime gleich beim ersten Lockdown ein Sicherheitskonzept. Abstand halten, Händewaschen und Desinfizieren, aber auch die Einteilung in zwei Teams wurden darin festgelegt. „Wir konnten damit die ganze Zeit unsere 24-Stunden-Bereitschaft aufrechterhalten“, führt Stojanovic vom St. Pöltner Tierheim aus. Hier gibt es ein Ampelsystem, und je nach aktueller Lage werden unterschiedliche Maßnahmen bei der Tier-Vergabe getroffen. Die Vergabetiere werden auf der Webseite des Tierschutzvereins vorgestellt. Es folgt ein Einzelgespräch mit Abstand. „Da können Interessenten auch das gewünschte Tier kennenlernen“, informiert Stojanovic.

Im Pressbaumer Tierheim wird es so gehandhabt: Bei Interesse wird das betreffende Tier an eine Mitarbeiterin übergeben, die nur außerhalb des Geländes tätig ist. Sie übernimmt das Kennenlern-Treffen mit Hund und Interessenten.

Einnahmen zum Teil ausgeblieben

Das Corona-Jahr stellt trotz aller Vorkehrungen sowohl das Pressbaumer Tierheim als auch das Tierheim St. Pölten vor wirtschaftliche Herausforderungen. „Trotz strikter Sparsamkeit und vieler freiwilliger Helfer bei den Spaziergängen oder Flohmärkten müssen wir jährlich rund 500.000 Euro für die Versorgung der Tiere aufbringen“, informiert Willi Stiowicek, Obmann des Tierschutzvereines St. Pölten. Einnahmequellen wie die Flohmärkte mussten abgesagt werden. Jetzt hofft das Team auf Unterstützung aus dem NPO-Fonds. Dankbar ist man für die vielen Futter- und Geldspenden. „So konnten wir einen Teil des Mindererfolgs wettmachen“, betont Stiowicek.

Dass die finanzielle Lage nicht rosig ist, wird auch seitens des Pressbaumer Tierheimes bestätigt: Zwei Tonnen Futter pro Monat und Tierarztrechnungen müssen bezahlt werden. Auch hier werden Geld-- und Futterspendenspenden sehr dankbar angenommen.

Umfrage beendet

  • Worauf legt ihr beim Lebensmittel-Kauf am meisten Wert?