Mauerbach

Erstellt am 10. Juli 2018, 05:46

von Martin Gruber-Dorninger und Renate Hinterndorfer

Wolf im Visier: „Weder Kuscheltier noch Bestie“. Fall in Mauerbach, wo ein Wolf Schafe gerissen hat, sorgt für Aufregung. Experten warnen und beruhigen.

Symbolbild

Dass ein Wolf drei Schafe in Mauerbach attackiert hat, sorgt für Aufregung. Der Wolf war in das gut gesicherte Gehege eines landwirtschaftlichen Betriebs samt Ponyhof eingedrungen und hat die Tiere gerissen.

„Bei uns ist gerade der Teufel los“, sagt Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner. Vor allem die Besitzer von Haustieren seien ziemlich beunruhigt. „Es besteht aber kein Grund dazu, der Wolf ist sicher schon weitergezogen. Ich hoffe, die Wogen glätten sich wieder“, beschwichtigt Buchner. Anfangs zeigte sich die Besitzerin der Schafe, Claudia Radbauer, doch ein wenig schockiert.

„Der Wolf kann mittlerweile überall vorkommen.“ Daniel Heindl, ARGE Wolf

„Vor allem deshalb, weil die Weide gut durch einen Elektrozaun geschützt ist“, sagt Radbauer im Gespräch mit der NÖN. Sie sei aber froh, dass der Wolf nicht bei ihren Ponys zugeschlagen hat. Angst unter Pferdehofbesitzern geht nicht gerade um, eher Sorge. Angst vor einer Rückkehr des Wolfes hat Radbauer nicht.

Auch Daniela Vadehra vom Langenberger Hof in Neulengbach hat derzeit keine Angst vor Wölfen: „Aber ich kenne die Problematik. Ich bin mit vielen Züchtern in Deutschland verbunden und weiß, dass es zu Konflikten kommen kann, wo sich Lebensräume kreuzen. Das ist ein Thema unter Züchtern, nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich.“

Seit 30 Jahren betreibt die Familie eine Pferdezucht, drei Fohlen gibt es derzeit auf dem Hof. Wichtig sei, dass die Kommunikation gut funktioniere, man brauche Information ohne Panik, meint Daniela Vadehra: „Wichtig ist zu wissen, ob es eine reale Gefahr gibt und wie man seine Tiere schützen kann.“

"Herdentiere wehren sich gegen Raubtiere"

Brigitte Rametsteiner betreibt seit 1985 den Hof „PonyRundum“ in Wimmersdorf. Derzeit hält sie 21 Ponys und einige große Tiere. Angst vor dem Wolf hat auch sie nicht: „Ich bin keine Züchterin. Jungtiere sind eher gefährdet. Aber Herdentiere wehren sich gegen Raubtiere.“ Außerdem habe der Wolf ohnehin ein großes Nahrungsangebot in der Natur. Für Rametsteiner ist der Wolf „eher begrüßenswert.“

Woher der Wolf gekommen sein könnte, ist bereits nachvollziehbar. Georg Rauer, Wolfsbeauftragter auf der VETMED Uni in Wien: „Laut DNA-Probe kommt der Wolf aus den Westalpen. In Salzburg und Oberösterreich sind ebenfalls Fälle bekannt.“ Der Experte vermutet, dass im gesamten Staatsgebiet Österreichs maximal zehn einzelne Wölfe unterwegs sein könnten. Gefahr für Menschen bestünde derzeit keine.

„Es gibt Fälle in Polen, wo zwei Kinder angegriffen wurden. Dabei wurde der Wolf aber angefüttert und hat sich so an den Menschen gewöhnt. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden“, appelliert Rauer. Dies bestätigt auch Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer (LK) und ARGE Wolf: „Der Wienerwald ist ein riesiges und beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet. Hunde sollten ausschließlich an der Leine geführt werden. Wölfe greifen gerne Hunde an.“

Was tun bei einer Begegnung mit Wolf?

Wie verhält man sich richtig, wenn man einem Wolf gegenüber steht? Heindl empfiehlt, sich kurz bemerkbar zu machen und dann langsam und ruhig zurückzuziehen. „Keine Selfies machen oder dem Wolf nachgehen. Schon gar nicht Futter anbieten.“ Der Mensch komme für den Wolf nicht als Beute in Frage. In Niederösterreich häufen sich die Sichtungen und die Aufnahmen mit Fotofallen.

„Der Wolf kann mittlerweile überall vorkommen. Wie das Mauerbacher Beispiel zeigt, nähern sie sich auch Stadtgebieten an.“ Dies lässt die Diskussion rund um den Schutz des Wolfes wieder aufflammen. Das Tier steht nach einem EU-weiten Gesetz unter strengem Schutz. Dieses Gesetz stellt nach dem Vorfall in Mauerbach der Präsident der Landwirtschaftskammer Hermann Schultes in Frage: „Wenn der Wolf bis hierher gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen. Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden.“

"Rechtskonforme Management-Konzepte" gefragt

Die LK fordert von der EU, dass der Schutzstatus der Wölfe geändert wird. Anton Hieger, Kammerobmann des Bezirks St. Pölten sieht das ähnlich: „Wenn die Wolfspopulation zunimmt, werden sich mehrere Rudel bilden, die dann weiterziehen. Der Wolf wird, wenn er sich weiter vermehrt, sicher ein Thema sein, das uns in den nächsten Jahren beschäftigt.“

Artenschutz-Experte Arno Aschauer vom WWF (World Wide Fund for Nature) hält dagegen: „Der Wolf ist weder reißende Bestie noch Kuscheltier, sondern eine EU-weit streng geschützte Art. Daher braucht es rechtskonforme Management-Konzepte mit Herdenschutz-Maßnahmen und Entschädigungen.“ Aschauer fordert eine Rückkehr zur Sachlichkeit und kritisiert die negative Stimmungsmache: „Anstatt Ur-Ängste vor dem bösen Wolf zu bedienen müssen international bewährte Lösungen in Österreich ausgebaut werden. Rechtswidrige Abschussfantasien lösen kein einziges Problem.“

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