Zusammenlegung der Gemeinden: „Niemand freute sich“. Region Wienerwald: Kleine Gemeinden taten sich schwer, Selbstständigkeit aufzugeben.

Von Monika Dietl, Renate Hinterndorfer und Christine Hell. Erstellt am 21. April 2021 (04:00)
In St. Christophen gab es eine Meinungsbefragung. Die St. Pöltner Zeitung berichtete darüber.
NÖN

Die Gemeindezusammenlegungen waren umstritten, wir haben die Menschen in der Region befragt, wie sie die Situation erlebt haben. „Extreme Gegner standen extremen Befürwortern gegenüber, da sind wirklich zwei Welten aufeinandergeprallt“, erinnert sich Josef Breitenecker. Er weiß, dass an Wirtshaustischen sehr heftig diskutiert wurde, auch über den Gemeindewaldbesitz St. Christophens, der an die Großgemeinde eingebracht werden musste. Und Breitenecker erinnert sich auch daran, dass vorher noch alles Mögliche gebaut und aus der Gemeindekasse angeschafft wurde. Der St. Christophener betont, dass das Zusammenführen der Gemeinden ein richtiger Schritt gewesen sei, denn „vor allem die Schneeräumung und den Friedhofsbetrieb hätte sich unser Ort alleine nicht leisten können.“

Hannerl Brandstetter ist die Tochter des damaligen Bürgermeisters Franz Dippelreiter.
Dietl, Dietl

Auch Anton Breitner kann sich noch an einiges erinnern: „Es hat einiges an Vorgeplänkel gegeben, in den Gasthäusern gab es große Diskussionen“, erzählt der Neulengbacher, der früher viel in St. Christophen unterwegs war. Für die Zukunft von St. Christophen habe es drei unterschiedliche Wünsche gegeben: „Die kleinste Gruppe war für eine Zusammenführung mit Altlengbach, ein Teil war für Manzing und die Mehrheit war für Neulengbach. Aber St. Christophen wollte die Altlengbacher nicht. Unterthurm und Hocheichberg war ein rotes Viertel.“ Es habe große Streitereien gegeben. „Aber für uns Jungen war das nicht so interessant.“ Anton Breitner ist überzeugt, dass die Gemeindezusammenlegung mit Neulengbach die richtige Entscheidung war, da es schwierig gewesen wäre, kleine Gemeinden zu erhalten.

Josef Breitenecker war 19 Jahre alt, als die Gemeindezusammenlegung erfolgte.
Hell, Hell

Die Neulengbacherin Lilly Heiss kann sich erinnern, dass die Zusammenschlüsse für Diskussionen gesorgt haben: „Tausendblum, Inprugg oder St. Christophen waren ja selbstständige Gemeinden. Das war am Anfang sicher nicht einfach, wenn jeder seinen Amtssessel verliert.“ Insgesamt sei die Zusammenlegung aber eine gute Entscheidung gewesen, meint auch Lilly Heiss.

Anna Hierstand erinnert sich, dass bei der Zusammenlegung der Friedhof nicht hergegeben wurde.
NOEN

Dass auch in Markersdorf niemand Freude mit der Zusammenlegung hatte, weiß Anna Hierstand: „Die Selbständigkeit war dahin und auch der Gemeindewald.“ Aber es sei notwendig gewesen, weil man mit den geringen Steuern die Anforderungen nicht bestreiten hätte können, so Hierstand, „nur der Friedhof wurde nicht hergegeben, eine Gemeinschaft sorgte dafür , dass er im Dorf blieb.“

Johanna Brandstetter, geborene Ollersbacherin und Tochter des letzten Bürgermeisters Franz Dippelreiter, weiß: „Ollersbach war eine blühende Gemeinde mit Schule, Kirche, Standesamt Gendarmerie, Bahnhof, Post, Feuerwehr und vielen Gewerbebetrieben sowie guten Steuereinnahmen, der Zusammenschluss war nicht willkommen.“

Umfrage beendet

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