Zwei Brasilianer machten Stopp in Oberwolfsbach. Zwei Brasilianer fahren durch aller Herren Länder. Dabei erforschen sie die Qualität des Wassers. Auch in Oberwolfsbach machten sie Station.

Von Marcel Chahrour. Erstellt am 12. September 2020 (03:14)
Erika Eigner aus Oberwolfsbach beherbergte zwei Weltreisende aus Brasilien.
Chahrour

31 Länder, drei Kontinente: Zwei Brasilianer reisen mit dem PKW um die Welt. Sie haben eine besondere Mission: Sie suchen das beste Wasser der Welt.

Was bei einer Reise am wichtigsten ist? „Das Wasser!“ antworten Marianne und Marcos Junghans unisono, mit einem breiten Lächeln. Dass den beiden lebenslustigen Brasilianern das Lachen vergeht, kommt selten vor. Im Jänner 2019 sind sie von Curitiba im Süden Brasiliens aufgebrochen. Mit ihrem zum Allzweck-Fahrzeug umgebauten KIA durchquerten die beiden zunächst Nord- und Südamerika. Im vergangenen Herbst überquerten sie den Atlantik. Das Ziel der großen Reise: Sie wollen in allen Ländern die sie besuchen, die Wasserqualität untersuchen.

Eine Weltreise mit Mehrwert

„Wir reisen eigentlich schon immer gerne“, erzählt Marcos Junghans im besten Deutsch. „Als wir beide noch berufstätig waren, haben wir unsere Urlaube in Brasilien als Camper verbracht. Eine Weltreise war aber immer unser Traum“. Vor zwei Jahren trat der jung gebliebene Lehrer Marcos in den Ruhestand.

Davor hatte man schon sechs Jahre auf das Ziel hingearbeitet: Das Ersparte investierte man in ein neues Auto, das auf kleinstem Raum mit allem für die Reise notwendigen ausgestattet wurde. Selbst eine kleine Dusche ist an den Wassertank angebaut. Am Dach lässt sich das Zelt entfalten, in dem die beiden meist schlafen, ein kleines Vorzelt dient als Duschkabine. Ganz Vergnügungsreise sollte es aber nicht werden.

„Wenn man ehrlich und offen auf die Menschen zugeht, dann gibt es kaum Probleme.“ Marianne und Marcos Junghans

„Wir wollten auch etwas Sinnvolles machen“, so Marianne Junghans, ehemals Mathematik- und Physiklehrerin. Deshalb suchten sie vor Reisebeginn Kontakt mit der Universität Curitiba. Ein dortiger Hydrologe erteilte einen kleinen, aber trotzdem aufschlossreichen Forschungsauftrag: Sie sollen „Schwebeteilchen“ messen, die sich in den Wasservorräten der von ihnen besuchten Orte befinden. Je nach Anzahl bestimmter Schwebeteilchen lassen sich dann Rückschlüsse auf die Wasserqualität ziehen - vor allem für Trinkwasser. Von jedem Ort, an dem sie waren, führen die beiden genaue Aufzeichnungen.

Wo sie das bisher beste Wasser gefunden haben? In Ecuador, sagen die beiden, in einem entlegenen Dorf. Nicht weit von dort fanden sie aber auch das schmutzigste Wasser. „Wir haben an vielen Orten in Süd- und Mittelamerika ganz erschreckende Wasserversorgungszustände gesehen“, so Marcos Junghans.

„An einigen Orten war das von der Regierung ausgegebene Trinkwasser in Flaschen fast schlechter als das verfügbare Leitungswasser.“ Besonders schlimm war es in einem Dorf, in dem die Abwässer der Siedlung in den gleichen Teich liefen, aus dem auch das Trink- und Brauchwasser geschöpft wurde. „Die Menschen dort wissen, dass das Wasser verseucht ist. Aber sie haben kaum andere Möglichkeiten“, erzählt Junghans.

Mir dem österreichischen Wasser sind Marianne und Marcos Junghans zufrieden - auch wenn es ihrer Meinung nach nicht mit den besten Grundwasservorkommen Amerikas mithalten kann. Das habe mit dem Kalk- und Eisengehalt zu tun.

Auch Tipps für Reiselustige haben die beiden parat: Die Bedeutung von viel Geld wird gemeinhin überschätzt: „Wir kommen mit sehr wenig aus“, so Marianne Junghans, die über die Ausgaben genau Buch führt. 45 bis 50 Doller pro Tag brauchen die beiden im Durchschnitt. Den Großteil davon machen die Benzinkosten aus. Essen im Restaurant oder Hotelübernachtungen leisten sich die beiden fast nie. Sie kaufen im Supermarkt das Wichtigste ein. Wasser ist tatsächlich auch für die beiden das wichtigste Gut. Wo man sauberes Wasser herbekommt, wenn man in einem fremden Land ist?

Einen Ort gibt es immer, so Junghans mit seinem breitesten Lächeln: Auf dem Friedhof! Von den Eltern haben die Brasilianer das wichtigste Hilfsmittel für die Reisen mitgenommen: umfangreiche Sprachkenntnisse. Die Eltern von Marianne und Marcos Junghans sind vor dem Zweiten Weltkrieg vor Verfolgung und aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation aus Europa geflüchtet. Mariannes Eltern waren vor den Nazis geflüchtet und kamen aus Salzburg und Wien. Neben Portugiesisch sprechen die beiden auch Spanisch und Englisch perfekt. Hier in Europa war es etwas schwieriger, damit durchzukommen doch letztlich klappt die Kommunikation immer - notfalls mit Händen und Füßen.

Schlechte Erfahrungen haben die beiden nur sehr wenige gemacht. Selbst in jenen Ländern, wo man im Nachbarland gemeint hatte, dort sollten sie auf keinen Fall hinfahren: „Es ist überall dasselbe. In Mexiko sagen die Leute: Fahr nicht in die USA, in den USA sagen alle, fahr nicht nach Mexiko. Es sind immer die Nachbarn, die die schlechtesten Meinungen haben. Wenn man ehrlich und offen auf die Menschen zugeht, dann gibt es kaum Probleme.“