Erstellt am 10. Mai 2011, 10:00

Rückblick auf 130 Jahre Haltestelle Eichgraben. BLICK ZURÜCK -TEIL 2 / Anlässlich des Jubiläums berichtet die NÖN über die Geschichte der Haltestelle Eichgraben.

EICHGRABEN / Als Zugang zur Haltestelle Eichgraben musste in der Ortschaft Ottenheim eine von der Bezirksstraße abzweigende und ein Stück entlang dem vom Burweg kommenden Zulauf zum Nagelbach verlaufende neue Straße errichtet werden. Alle diese Haltestellen waren mit Wärtern besetzt, die auch Fahrkarten verkauften und Reisegepäck übernahmen. Zur Hebung der Sicherheit wurden in stark frequentierten Stationen Stege über die Westbahn errichtet, so 1904 auch in der Haltestelle Eichgraben.

Die mit der Verstaatlichung der KEB einher gehende Tarifsenkung und das dichtere Zugsangebot durch die Einführung von Lokalzügen zur weiteren Belebung des Nahverkehrs trugen wesentlich zur weiteren Entwicklung der an der Westbahn gelegenen Orte zu Sommerfrischen bei und veränderte deren Siedlungstätigkeit, Gesellschaftsstruktur und Ortsbild. Die Fahrzeit von Wien nach Eichgraben betrug 67 und bis St.Pölten 117 Minuten. Der rege Ausflugsverkehr brachte einen Aufschwung für die Gastronomie und es entstanden Fremdenverkehrsbetriebe, vom Ausflugslokal bis zum großen Hotel und Cafe-Restaurant. Für die bei Schönwetter an Sonn- und Feiertagen in den Wienerwald fahrenden Menschenmassen mussten zusätzliche Züge in Verkehr gesetzt werden.

Mit der zwischen 1899 und 1901 beginnenden Verlängerung der Züge der Wiener Stadtbahn bis Purkersdorf, Rekawinkel bzw. Neulengbach erfolgte eine weitere Verbesserung des Zugverkehrs, die aber mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende fand.

Durch die territorialen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg war die Westbahn zur wichtigsten Durchzugslinie Österreichs geworden. Für den sehr schnell wieder einsetzenden „Ausflugsverkehr“ stand in der ersten Zeit die Beschaffung von Lebensmitteln und Brennholz im Vordergrund. Doch sehr bald war wieder das Wandern in frischer Luft der Beweggrund aufs Land zu fahren und der Massenansturm konnte nur mit zusätzlichen Zügen bewältigt werden. Ein neuerlicher Bauboom wie zurzeit um die Jahrhundertwende blieb aber aus. 1928 wurde die Haltestelle „Eichgraben“ in „Eichgraben-Altlengbach“ und 1933 „Anzbach“ in „Maria Anzbach“ umbenannt.

Die Elektrifizierung wurde erst wieder 1936 aufgenommen und fand in Attnang-Puchheim durch den Zweiten Weltkrieg ihr einstweiliges Ende.

Zur Erhöhung der Streckenkapazität wurden während des Zweiten Weltkriegs die Bahnhöfe Tullnerbach-Pressbaum und Rekawinkel verlängert und bis 1942 die Betriebsausweiche Hutten errichtet. Ab Juli 1944 war die Westbahn das Ziel zahlloser Fliegerangriffe mit Bomben und Bodenbeschuss im Wienerwaldgebiet. Die kurz vor Kriegsende von der Deutschen Wehrmacht beabsichtigte Sprengung des Eichgrabener Viadukts konnte nur durch persönlichen Einsatz des Pfarrers in letzter Minute verhindert werden.