Christof Fischer: „Vertrauen ist zerrüttet“. Christof Fischer betreut sein Ressort nicht mehr, bleibt aber Stadtrat der SPÖ in Neulengbach.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 01. April 2021 (04:19)
Stadtrat Christof Fischer war bei der Angelobung vor gut einem Jahr guter Dinge.
Archiv/rh, Archiv/rh

Vor gut einem Jahr wurde Christof Fischer als neuer SPÖ-Stadtrat für Liegenschaften und Soziales angelobt. Am Freitag hat er Bürgermeister Franz Wohlmuth informiert, dass er das Ressort nicht mehr betreuen wird. Er bleibt aber Stadtrat.

Er habe kein Vertrauen mehr in den Bürgermeister und in die ÖVP, sagt Fischer zu seinem Schritt: „Eine sinnvolle Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich. Als Stadtrat handle ich in der Endverantwortung des Bürgermeisters, aber ich habe keinerlei Rückhalt von diesem.“ Das ursprünglich vorhandene Vertrauen sei völlig zerrüttet.

Gegenüber der NÖN erklärt der Politiker, dass ihm seine Entscheidung nicht leicht gefallen sei: „Es tut mir leid, aber ich habe auch bei der letzten Gemeinderatssitzung gesehen, dass ein sachliches Arbeiten nicht mehr möglich ist.“

"Meine Arbeit wird ausschließlich kritisiert und hinterfragt. Geplante Bauvorhaben, die in das Liegenschaftsressort fallen, erfährt man über die Zeitung. Von einem Miteinander ist man weit weg.“

Schon seit einiger Zeit läuft die Zusammenarbeit nicht gut: Anträge von Fischer, etwa zum Kindergarten Raipoltenbach oder zu den Kabanen beim Freibad, wurden wie berichtet von ÖVP und Grünen abgelehnt. Fischer: „Ich versuche mein Ressort nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen, leider ist das von Seiten der Stadt- und Gemeinderäte von ÖVP und Grünen offenbar nicht gewollt und wird auch nicht mehr geschätzt. Meine Arbeit wird ausschließlich kritisiert und hinterfragt. Geplante Bauvorhaben, die in das Liegenschaftsressort fallen, erfährt man über die Zeitung. Von einem Miteinander ist man weit weg.“

Er könne daher seine Aufgaben nicht mehr im Sinne der Bürger sachlich und konstruktiv erledigen. Zuletzt musste sich Fischer wegen der Vergabe einer Gemeindewohnung schwere Vorwürfe von der ÖVP gefallen lassen, sein Rücktritt wurde gefordert. „Diesen Gefallen werde ich der ÖVP nicht machen. Ich werde das Liegenschafts- und Sozialressort nicht mehr betreuen und diese Aufgaben zurück in den vollständigen Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich von unserem Bürgermeister geben“, hält der SPÖ-Politiker fest.

„Eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir mit einer Ressortverantwortung als Oppositionsstadtrat nicht mehr möglich. Wenn alles abgelehnt wird, kann nichts weitergehen.“

Er habe sich stets bemüht das Beste für die Bürger und die Stadtgemeinde zu geben. „Eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist mir mit einer Ressortverantwortung als Oppositionsstadtrat nicht mehr möglich. Wenn alles abgelehnt wird, kann nichts weitergehen.“ Fischer will aber in den Ausschüssen nach wie vor mitarbeiten und sich einbringen: „Ich will ja arbeiten, aber so funktioniert es nicht.“

Für ÖVP-Bürgermeister Franz Wohlmuth kommt der Schritt von Christof Fischer überraschend: „Das habe ich nicht erwartet“, sagt er auf Anfrage der NÖN. Für ihn ist die Entscheidung des Oppositionspolitikers nicht nachvollziehbar.