Eisvogel sorgt für Baustopp in Neulengbach. BH hat Arbeiten vorläufig untersagt, unter anderem wegen der Eisvögel.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 31. März 2021 (04:32)
Die Bagger sind in der Au noch nicht aufgefahren, nachdem die Bezirkshauptmannschaft einen vorläufigen Baustopp verfügt hat.
Dietl, Dietl

Eine Zufahrt in die Au wurde bereits gebaut, in der Vorwoche hätten die Bagger auffahren sollen, doch daraus wurde nichts: Die Bezirkshauptmannschaft hat einen Baustopp für die Arbeiten im Schauberger- Areal verhängt. Das bestätigt Bezirkshauptmann Josef Kronister auf Anfrage der NÖN.

Es fehlt eine Rodungsbewilligung, außerdem haben Umweltanwalt und WWF die BH auf das Vorkommen des Eisvogels hingewiesen. Nun muss ein Ornithologe das Gebiet kartieren, die Baustelle steht vorläufig. Laut Kronister werden sich dieser Tage Spezialisten des Landes die Situation vor Ort anschauen.

„Das Gerinne wurde plangemäß errichtet und hat sich danach dynamisch entwickelt, was Ökologen keineswegs als Nachteil sehen.“ Der frühere SPÖ-Stadtrat Manfred Schweighofer

Zur Vorgeschichte: In der Au wurde 2013 mit der Realisierung eines Hochwasserschutzprojekts begonnen. Aufgrund der Dynamik des neuen Gerinnes kam es zu Uferanrissen. Der Grundeigentümer hat geklagt und Recht bekommen. Die Stadtgemeinde muss wie berichtet aufgrund eines gewässerpolizeilichen Auftrages jetzt bauliche Maßnahmen treffen: Ein Abstand der Böschungsoberkanten des neuen Gerinnes mit einer maximalen Breite von 12 Meter ist herzustellen.

Die Stadtgemeinde muss die Arbeiten also durchführen: „Der Rückbau muss aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung erfolgen“, hält Bürgermeister Franz Wohlmuth fest: „Wenn jetzt gestoppt wird, muss man sich überlegen, wie man die Entscheidung umsetzen kann.“ Förderungen laufen Ende des Jahres aus.

Gegen den Rückbau gibt es Widerstand in der Bevölkerung: Über 1.000 Personen haben wie berichtet bei einer Online-Petition mitgemacht und hoffen, dass es keine Eingriffe in die Strukturen und Dynamik der unverbauten Flussarme gibt.

In der Sache Schauberger-Areal meldet sich auch der frühere SPÖ-Stadtrat Manfred Schweighofer zu Wort.

Der Eisvogel brütet in der Au.
privat, privat

Er sagt: „Das Gerinne wurde von der bauausführenden Firma mit ihren GPS-gesteuerten Baggern zentimetergenau dem Plan entsprechend hergestellt. Auch von Wasserbaumeister Otmar Grober geforderte Schutzelemente wurden mit Sorgfalt an den Prallufern eingebaut – nicht alle haben gehalten.“

Laut Schweighofer ereignete sich viel zu früh – und noch ehe sich an den Ufern schützender Bewuchs hätte bilden können – ein kleines, etwa fünfjährliches Hochwasser, das sich im Gerinne den Platz schuf, den es brauchte. Als Folge davon entstand die nun vom Grundeigentümer bekämpfte Kronenbreite des Ufers von mehr als den von ihm geforderten 12 Metern.

Manfred Schweighofer war damals der zuständige Stadtrat. Er begleitete das ganze Bauvorhaben „hydromorphologische Verbesserung des Laabenbachs“, und er hält fest: „Das Gerinne wurde plangemäß errichtet und hat sich danach dynamisch entwickelt, was Ökologen keineswegs als Nachteil sehen – im Gegensatz zur nun geplanten neuerlichen Einengung. Mit den genannten Argumenten hätte sich der Neulengbach vertretende Anwalt auch vor dem Verwaltungsgerichtshof durchsetzen und uns den Rückbau ersparen müssen.“