Schimpfanfall: Autofahrer-Streit endet vor Gericht. Weil ihm ein anderer die Vorfahrt nahm rastete ein 64-Jähriger aus. Er muss sich wegen gefährlicher Drohung verantworten: Geldstrafe.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 14. April 2021 (20:40)
Symbolbild
Shutterstock.com/n_defender

An einer Kreuzung in Neulengbach nimmt ein Autofahrer im August einem 64-Jährigen die Vorfahrt. Bevor etwas passiert, können beide noch bremsen. Bei solchen Vorfällen kann man schimpfen und weiterfahren, oder man kann schimpfen und aussteigen. In vielen Fällen endet das nicht gut, in diesem Fall endete es vor Gericht.

Der Mann aus Steinhäusl, der dem älteren Neulengbacher die Vorfahrt genommen hat, gibt das zu. Angeklagt ist allerdings der andere, der sich darüber vielleicht etwas zu sehr echauffierte. Sehr nüchtern trägt der Staatsanwalt die Anklage vor, wonach der Angeklagte die Fahrertür des Vorfahrt-Nehmers aufgerissen, und diesen mit geballter Faust und den Worten „Du Gschissener, i hau da die Goschn ein!“ in „Furcht und Unruhe versetzt haben soll“.

„Haben sie die Faust geballt und gesagt ‚Du Gschissener, i hau da die Goschn ein?‘“, fragt der Richter höflich. Nein, das hat er nicht, sagt der 64-Jährige ein wenig verlegen. Er hat den anderen beschimpft, ja, und darauf sei er nicht stolz, gedroht hat er aber nicht.

Mitfahrerin drohte mit der Polizei

Oh doch, das hat er, sagt der Mann aus dem anderen Auto. Genauer gesagt soll er gesagt haben: „Du Gschissener, i hau da die Goschn ein! Ich prell dir eine an! Ich scheiß mir nichts!“ Dabei soll er mit der flachen Hand auf die Seitenscheibe und das Autodach eingeschlagen haben. Er habe zwar die Tür aufmachen wollen um ebenfalls auszusteigen, der Angeklagte sei aber schneller gewesen und habe die Tür aufgerissen.

Die Frau des Betroffenen, die auch im Auto saß, war „geschockt wie man sich so aufregen kann“. „Ich dachte, gleich schlägt er auf meinen Mann ein“, sagt sie zum Richter. Sie drohte mit der Polizei, daraufhin soll der Angeklagte auch sie beschimpft haben, dann aber gegangen und weitergefahren sein.

Aber, der andere hat angefangen

So ist das gar nicht passiert, sagt der Angeklagte. Als der Mann ihm die Vorfahrt nahm und sich gerade noch vor ihm einbremste, soll dieser zu ihm „Du Oaschloch, bist du deppat?“ gesagt haben. Das habe er zwar nicht gehört, aber deutlich an den Lippen ablesen können. „Ich lasse mich eben nicht gerne beschimpfen“, murmelt der Angeklagte. Im Nachhinein hätte er wohl einfach weiterfahren sollen, meint er.

Im Endeffekt glaubt der Richter ihm seine Version der Geschichte aber nicht, er bietet ihm jedoch eine Diversion statt einer Verurteilung an und zwar in Form einer Geldstrafe. 1.800 Euro soll er zahlen. Besonders glücklich sieht der Angeklagte darüber nicht aus. Nach Beratung mit seinem Verteidiger nimmt er die Diversion aber an.