Medikamentenengpass in Region Wienerwald: „Derzeit nicht lieferbar“

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 05:00
Lesezeit: 3 Min
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Sandra Köhler, Irmgard Schöny und Maria Hofeneder (v. l.) betreuen die Kunden in der Altlengbacher Apotheke.
Foto: Hell
Auch gängige Medikamente sind oft nicht oder nur schwer zu bekommen. „Die Produktion von Medikamenten gehört einfach wieder nach Europa geholt“, sagt Altlengbacher Pharmazeutin.
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„Leider ist dieses Medikament derzeit ausverkauft, bitte starten Sie einen Rundruf bei den umliegenden Apotheken. Ich kann Ihnen aber gleich sagen, dass Sie es im Raum Neulengbach nicht bekommen werden“, diese Auskunft in der Apotheke ist höchst ungewohnt, aber real, weil am vergangenen Dienstag selbst erlebt. Dabei handelte es sich aber nicht um ein selten benötigtes Medikament, sondern um eines, das nach einer Schilddrüsenentfernung einzunehmen ist. Auch kurz vor Weihnachten, als ein vom Zahnarzt verordnetes Antibiotikum, das eine Kieferentzündung bekämpfen sollte, abgeholt werden wollte, war in der Neulengbacher Apotheke zu erfahren: „Das gibt es derzeit nicht.“ Und bei einem Cholesterinsenker musste auf ein Produkt eines anderen Pharmaunternehmens zurückgegriffen werden. Wieso ist das so?

Grund: Erzeugung wurde in ferne Länder ausgelagert

„Es ist derzeit generell so, dass in ganz Europa einzelne Medikamente nicht lieferbar sind“, sagt Maria Hofeneder aus der Altlengbacher Apotheke auf Anfrage der NÖN. Speziell Antibiotika, Herzmittel und Schilddrüsenmedikamente seien von diesen Lieferengpässen betroffen, sagt Hofeneder, und sie weiß auch, worauf die Medikamentenknappheit zurückzuführen ist: „Die Erzeugung wurde vielfach in nichteuropäische Länder ausgelagert.“ Auch lassen Pharmaunternehmen verschiedene Wirkstoffe in weit entfernten Ländern, wie China oder Indien herstellen, um es hierzulande zu Medikamenten zusammenzufügen. „In diesen unglaublich riesigen Unternehmen in fernen Ländern führt dann schon eine kleine Panne oder eine einzige Substanz, bei der im Zuge einer Qualitätskontrolle etwa eine Verunreinigung gefunden wurde, zu einer umfangreichen Verzögerung mit sehr großen Auswirkungen auf die Medikamentenversorgung hierzulande, weiß die Altlengbacher Pharmazeutin.

Die strenge Handhabung in der Pandemie dürfte noch mit ein Grund für Verzögerungen sein, mutmaßt Hofeneder. Und offenbar auch die jetzige Erkrankungswelle in China. Hofeneder betont: „Die Produktion von Medikamenten gehört einfach wieder nach Europa geholt!“ Sie und ihr Team hätten aber noch immer eine Lösung finden können, merkt die Pharmazeutin an. Sei es, dass nach Rücksprache mit dem Arzt auf wirkstoffgleiche Medikamente von anderen Pharmafirmen zurückgegriffen wurde oder ein Rundruf zu anderen Apotheken gestartet wurde. Das sei auch bei ihrem Dienst am 26. Dezember so gewesen, als viele Menschen krank und auf Medikamente angewiesen waren.

Eigenes Labor in der Apotheke

„Jede Apotheke verfügt aber auch über ein eigenes Labor, und wir stellen etwa Salben, Zäpfchen, Tropfen und Kapseln, ja sogar Antibiotika nach Anweisung des Arztes in kleinen Mengen selber her“, berichtet Maria Hofeneder.

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