Region Wienerwald: Fräsmaterial auf Feldwegen verärgert

Gemeinden haben Wege mit recycelten Asphaltstücken saniert. Für Marion Holzer war das eine unnötige Versiegelung von Böden.

Kristina Veraszto
Kristina Veraszto Erstellt am 25. September 2021 | 05:52
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Feldwege in der Region wurden mit Asphalt-Recyclingmaterial saniert. Das ärgert die Maria Anzbacherin Marion Holzer.
Foto: Michael Höllerschmid

Die Zustände der Feldwege in der Region ärgern die Maria Anzbacherin Marion Holzer. Denn auf ihren Spazierwegen in der Natur kommen ihr immer mehr Wege unter, die mit Fräsmaterial aufgeschüttet wurden.

Im Gemeindegebiet Neulengbach seien vor allem die Feldwege entlang der Großen Tulln betroffen. Auch ein Teilstück von Almersberg in den Wald hinein, in Richtung Burgstall – laut Holzer ein viel benützter Wanderweg – wurde mit dem recycelten Asphaltmaterial saniert. In der Gemeinde Asperhofen wurden zum Beispiel die Wege in der Nähe des Scheibenkreuzes mit Fräsmaterial aufgeschüttet.

„Niemand möchte mehr hier spazieren gehen, geschweige denn laufen oder reiten.“Marion Holzer

Das alles sei nicht notwendig gewesen, meint Holzer: „Es geht zu 99 Prozent um Wege, die immer für alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge gut benutzbar waren. Es besteht keine Notwendigkeit. Das ist der springende Punkt.“ Mit der Sanierung der Wege käme es zur Versieglung der Böden, statt Feld- und Wiesenwegen, gebe es nur mehr schwarze, heiße Straßen. „Niemand möchte mehr hier spazieren gehen, geschweige denn laufen oder reiten“, ist die Maria Anzbacherin überzeugt.

Neulengbachs Bürgermeister Franz Wohlmuth versteht die Aufregung nicht, denn es sei eine übliche Vorgehensweise, Fräsmaterial zur Sanierung von Güterwegen zu verwenden. „Wenn eine Landesstraße abgefräst wird, kann das Material gleich in der Nähe verwendet werden und muss nicht auf eine Deponie gebracht werden“, erklärt er. Außerdem müsse zur Sanierung dann nicht extra Schottermaterial transportiert werden.

Die Kritik der Versiegelung kann er ebenso nicht nachvollziehen, denn das Wasser könne in der angrenzenden Wiese ohnehin versickern. Diese Meinung teilt auch Asperhofens Vizebürgermeister Harald Lechner und er ergänzt: „Es geht darum, dass wir als Gemeinde verpflichtet sind, die Wege für landwirtschaftliche Fahrzeuge benutzbar zu halten. Da die Fahrzeuge immer größer und schwerer werden, müssen wir dem auch Rechnung tragen.“

Laut dem Vizebürgermeister habe Asperhofen rund 150 Kilometer an Güterwegen. Vier Kilometer wurden kürzlich mit dem Asphalt-Recyclingmaterial auf Vordermann gebracht. Obwohl diese Vorgehensweise die günstigste Sanierungsvariante war, musste die Gemeinde noch immer rund 50.000 Euro in die Hand nehmen.

Das Fräsmaterial sei nicht die umweltfreundlichste Lösung, jedoch trage es dazu bei, dass die Feldwege kosteneffizient saniert werden können, so Lechner.