Region Neulengbach: Vereine wollen endlich Planbarkeit. Während Profisportler spielen dürfen, ist der Amateursport weitgehend auf Eis gelegt. Die Funktionäre verlieren ihre Geduld.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:19)
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An der Breitensportbasis brodelt’s. Immer lauter werden die Rufe nach Öffnungsschritten. „Der Aufschrei der im Sport führenden Funktionäre gegenüber überzogener Maßnahmen hat bislang aber wenig gebracht“, muss auch Andreas Meinke, Sektionsleiter des ASV Pressbaum Badminton feststellen, dass seit Beginn der Pandemie einige ihre Mitgliedschaft beim Verein nicht erneuert haben. „Die Zahlen der Kinder waren zwar eher stabil, aber es wird sich erst zeigen, wer bei der Wiederaufnahme des Trainings noch kommen wird“, befürchtet er, dass manche andere Freizeitbeschäftigungen gefunden haben. „Erste Stimmen in dieser Richtung haben wir schon vernommen! Aber es gibt auch Nachfragen, wann endlich wieder trainiert werden kann. Und es gibt Leute, die nicht verstehen, dass einige Sportarten trainieren können, andere nicht.“

Meinke kann sich aber einen Trainingsstart gerade im Badminton gut vorstellen. „Unsere Leistungssportabteilung, die in der Bundesliga ja seit Wochen spielt, zeigt vor, wie es geht!“

Die fehlende Perspektive wird bei den Leichtathleten der Union St. Pölten thematisiert. „Die Spitze ist gut versorgt, aber die Breite bleibt auf der Strecke“, sagt Obmann Gottfried Lammerhuber, der seinen Klub benachteiligt sieht. „In anderen Bundesländern wird ohne Einschränkungen trainiert, tummeln sich Nachwuchsgruppen in Hallen“, erzählt er. „Die Lücke im Nachwuchs werden wir alle noch viele Jahre spüren“, ist Union-Trainer Daniel Stehlik überzeugt, denn Schulen würden ihre Rolle als Zubringer und Kooperationspartner nicht erfüllen können. „Beim Spazierengehen — und das ist aktuell Sportunterricht — ist Talentesichtung unmöglich!“

Groß ist der Ärger auch bei Amateurkickern

Das sehen auch die Fußballer vom SV Altlengbach Laabental so. Obmann Stefan Janko hat längst kein Verständnis mehr dafür, dass Nachwuchstraining immer noch nicht möglich ist. „Durch die Schulöffnung, gepaart mit den verpflichtenden Testungen, gibt es ein funktionierendes System, auf dessen Basis der Jugendbetrieb sofort gestartet werden könnte. Selbstverständlich ausschließlich im Freien, ohne Benutzung der Kabinen“, wie er betont. Janko weiß zwar, dass sein Klub mit de facto vier unterschiedlichen Trainingsstätten für die Jugend (Laaben, Innermanzing, Kunstrasen Mittelschule und Prinzbach) „besonders gesegnet“ ist, sieht aber auch bei den anderen Klubs keine Probleme. „Jugendmannschaften sind bestens über WhatsApp und Co. organisiert, wodurch man rasch reagieren kann, sollte im Schulbetrieb tatsächlich einmal ein positiver Fall auftauchen!“

Das letzte Woche erlaubte Kampfmannschafttraining in Kleingruppen „mit entsprechenden Auflagen und gesundem Hausverstand“ erachtete Janko als längst überfällig. „Die Sehnsucht bei unseren Burschen wieder zu Kicken ist so groß, dass sie dafür jede Einschränkung in Kauf nehmen, die sie zudem ohnehin von Arbeit und Schule kennen.“

An den Mitgliederzahlen lasse sich die Coronakrise noch nicht ablesen. „Es gibt noch keine Rückgänge zu vermelden. Das liegt einerseits an der Solidarität unserer VIP-Mitglieder und an unserem Entgegenkommen im letzten Jahr bei den Jugendbeiträgen“, sagt Janko. „Wir haben nur den halben Beitrag eingehoben, wobei einige Eltern es sich aber nicht nehmen ließen, den vollen zu bezahlen“, erzählt er.

„Es wird nicht leicht, alle wieder aus ihrer ‚Komfortzone‘ herauszuholen."

Trotzdem ist Jankos Befürchtung groß, dass sowohl Kinder als auch Betreuer nach so einer langen Pause womöglich die Bindung zu Verein und Mannschaft verlieren könnten. „Es wird nicht leicht, alle wieder aus ihrer ‚Komfortzone‘ herauszuholen. Der Funktionärsmangel, der schon vor Corona bei fast allen ein Problem war, wird nach Corona nicht kleiner sein!“

Und eines, wünscht sich Janko, darf nicht so sein wie im Vorjahr: „Dass Einzelsportarten vor dem Mannschaftssport öffnen dürfen!“ Genau darauf aber hofft wiederum Ramin Madaini, Tennisleiter im Sportzentrum NÖ. Da setzte ein Tennisboom ein, weil es der erste Sport war, der im Freien ausgeübt werden durfte. „Letztes Jahr konnten wir vor allem Fußballer als Mitglieder neu gewinnen!“