„Falscher“ Zeuge bei Verhandlung. Tschetschene schlug Syrer, der seine Freundin belästigt haben soll. Bei der Verhandlung gab‘s eine Überraschung.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 05. September 2017 (05:48)
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Symbolbild

Zwei Schläge ins Gesicht verpasste ein 21-Jähriger einem Asylwerber, der im Flüchtlingsheim Neulengbach seine Freundin belästigt haben soll. Außerdem drohte er ihm mit dem Umbringen. Der Vorfall vom 1. Februar hatte jetzt ein gerichtliches Nachspiel: Der 21-Jährige musste sich wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung in St. Pölten vor Gericht verantworten.

„Meine Freundin hat gesagt, dass der Mann sie vergewaltigen wollte“

Der Angeklagte kommt aus Tschetschenien, ist seit sechs Jahren in Österreich und lebt in Wien. Seine 19-jährige Freundin wohnte in der Asylwerberunterkunft in Neulengbach und erzählte ihm, dass sie von einem Bewohner sexuell belästigt worden sei. „Meine Freundin hat gesagt, dass der Mann sie vergewaltigen wollte“, übersetzte die Dolmetscherin die Angaben des Angeklagten. Die 19-Jährige habe sich mehrmals über den Mann beschwert. Der Tschetschene stellte den Syrer zur Rede. Dieser habe ihn angegrinst und provoziert. Da habe er nicht mehr klar denken können und zugeschlagen, rechtfertigte sich der 21-Jährige.

Der Mann, der die Faustschläge kassiert hatte, lebt jetzt in einem Heim in Amstetten. Er sollte als Zeuge aussagen. Doch der Mann, der im Gerichtssaal auftauchte, hat mit der ganzen Geschichte überhaupt nichts zu tun und kennt den Angeklagten gar nicht: Er hat einen ähnlich klingenden Namen wie der Syrer und hatte irrtümlich die Zeugenladung erhalten.

Zwei Faustschläge, zwei Monate bedingt

Nachdem der Tschetschene geständig war, konnte auf eine weitere Ladung verzichtet werden. Das Urteil fiel mild aus: zwei Monate bedingte Haft. „Ich will Ihnen Ihre Zukunft nicht verbauen“, meinte Richter Slawomir Wiaderek. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Grapscher wurde übrigens eingestellt.