Neulengbacher Gastronom Reither: „In nächster Zeit wird es rascheln“

Sutt‘nwirt Franz Reither über Probleme in der Branche und seine neue Einstellung aufgrund seiner Erkrankung.

Erstellt am 06. Januar 2022 | 06:04
Lesezeit: 2 Min
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Franz Reither hat 2021 die Diagnose Krebs bekommen. Jetzt geht es ihm besser und so blickt er gemeinsam mit Gattin Michaela optimistisch in das neue Jahr.
Foto: privat

Das Jahr 2021 war für Wirtshaus-Betreiber herausfordernd. Auch für Franz und Michaela Reither. Das Schlimmste waren aber nicht Pandemie und Lockdowns, sondern eine Krebsdiagnose des Sutt‘nwirts. „Das hat Einschnitte gebracht und eine Umdenkphase bedeutet“, erzählt Franz Reither offen im NÖN-Gespräch.

Er ist froh, dass er die Krankheit jetzt halbwegs überstanden und einen guten Befund hat. „Im Großen und Ganzen war es ein schönes Jahr, weil es gut ausgegangen ist“, sagt der Gastronom. Etwa ein Jahr wird er noch brauchen, bis er wieder voll einsatzfähig ist.

„Meine Mannschaft ist super, hat alles gestemmt“

Wirtschaftlich laufe es gar nicht so schlecht. „Meine Mannschaft ist super, sie hat alles gestemmt.“ Mit Abholservice ist das Sutt‘nwirt-Team ganz gut über die Runden gekommen. „Kleine Betriebe können besser agieren. Das ständige Auf und Zu haben wir mit dem Auskochen abgefedert.“

Die Kunden hätten das auch goutiert, freut sich Franz Reither. Was ihn weniger freut, sind Gäste, die sehr fordernd sind: Manche hatten zum Beispiel kein Verständnis dafür, dass das Wirtshaus zu Weihnachten geschlossen war. „Ein gewisser Egoismus hat Einzug gehalten, manche nehmen sich sehr wichtig, und alle anderen sollen springen.“

Aber seine Krankheit lässt ihn manche Dinge hinterfragen. Es habe wenig Sinn, sich für die Arbeit völlig zu verausgaben.

Was die Zukunft der Gastronomiebetriebe betrifft, so ist Franz Reither, der seit 42 Jahren in der Branche ist, nicht sehr optimistisch: Viele Wirte in der Region sind um die 60. Es sei zu befürchten, dass in nächster Zeit einige Betriebe zusperren: „Da wird es in nächster Zeit rascheln.“

Problematisch: Personalsuche

Als großes Problem in der Branche nennt der Wirt den Mangel an gutem Personal. Man bekomme keine guten Leute, in das Ausbildungssystem müsse eingegriffen werden, in den Schulen müsse man wieder mehr Leistung fordern, meint Franz Reither, der seit fast drei Jahren als Prüfer bei Lehrabschlussprüfungen tätig ist.

Was ihm da alles unterkommt, möchte er gar nicht kommentieren. Die Lehre mit Matura hält der Wirt für keine gute Idee, weil dadurch immer weniger junge Menschen im Beruf bleiben würden.

Puncto Pandemie ist man im Gasthaus Reither unaufgeregt: „Es wird ja kolportiert, dass im Jänner ein mehrwöchiger Lockdown verhängt wird. Wir sind das eh schön langsam gewöhnt.“

Gastro im Polit-Würgegriff: „Leute, lasst euch impfen“

Die Politik habe die Gastronomie im Würgegriff. Dass Gasthäuser zusperren müssen, während in Supermärkten zahlreiche Kunden ohne Kontrollen oft auf engem Raum unterwegs sind, kann Franz Reither nicht nachvollziehen. Er vermutet, dass man in Österreich allmählich auf ein amerikanisches System umstellen will, wo Fastfood eine zentrale Rolle spielt.

Der Neulengbacher Wirt meint, dass man trotz allem positiv in die Zukunft blicken müsse. Er wünscht sich, dass alle Leute ein bisschen nachdenken. Sein Appell: „Leute, lasst euch impfen.“