Kirchstetten: Mit dem Rad bis nach Kufstein. NÖN-Reporterin traf jungen Tramper in Kirchstetten.

Von Christine Hell. Erstellt am 21. Juni 2020 (03:30)
Christine Hell hat Stanislav Tomek in Kirchstetten gestoppt.
Hell

Ein altes Fahrrad, über dem Hinterrad dick bepackt, der Radler - ein junger Mann - unterwegs durch Kirchstetten: „Ich stamme aus Košice, einer Gemeinde mit 330 Einwohnern im Osten der Slowakei, wohne aber schon lange Zeit in Wien“, stellte sich der junge Mann vor. Er habe die Coronazeit gut nützen wollen und sich auf eine einsame Urlaubstour nach Kufstein aufgemacht, so Stanislav Tomek. „Damit es nicht viel kostet, habe ich beim Aufbau und bei der Ausstattung improvisiert“, lacht der junge Mann. Ein simpler Geschirrkorb wurde auf den Gepäcksträger geschnallt, darauf wurden Schlafsack, Matte, Kochgerät und Wanderschuhe geschnürt. Statt einem Zelt gab es nur ein einfaches Verdeck. Start war Mitte Mai in Wien, pro Tag wurden 80 bis 100 Kilometer zurückgelegt. Zum Essen gab es unterwegs meistens Bohnen aus der Dose mit Ei und Brot „und zwischendurch ein bisschen Schokolade.“ Oft wurde auch mitten in der Natur gekocht, Gemüse und Fleisch „wie zuhause“.

Freunde aus der Heimat getroffen

Kufstein war das Ziel, und dort kamen auch die Bergschuhe zum Einsatz. Und dort traf er sogar auf Freunde aus seiner ehemaligen Heimatstadt: „Sie stoppten ihr Fahrzeug am Fuße eines Berges, weil die Bremsen überhitzt waren. Ich konnte es gar nicht fassen und machte Aufnahmen mit meinem Handy, weil so etwas glaubt man nicht“, schilderte Tomek.

Diese Art zu reisen liebe er, dabei fühle er sich frei, und er schlafe auch gerne mitten in der Natur, so der junge Mann. Fürs Leben hat er eine Philosophie: „Um glücklich zu sein, muss man Erfolg haben. Und um erfolgreich zu sein, muss man konstruktiv arbeiten. Egal ob man reich ist oder arm.“ Er lässt sich gerne auf Zufälle ein und sieht eine gute Zukunft in der Minimalisierung, „wenn man weniger hat, freut man sich mehr über die kleinen Dinge.“

Das Wetter sei herrlich gewesen, berichtete der Radtramper. Aber der Regen an den beiden letzten Tagesetappen zurück nach Wien machte ihm doch etwas zu schaffen. Überdachte Bushaltestellen waren da und dort ein willkommener Unterstellplatz. „Eine Frau beobachtete mich und lud mich spontan in ihr Haus, verköstigte mich und versorgte mich mit trockenen Socken. Das war wirklich sehr gastfreundlich.“

So zu reisen und neue Menschen in allen möglichen Ländern kennen zu lernen, mag er. „Man versteht dann einfach so manches viel besser“, resümiert Tomek. Der junge Mann bereiste mit Freunden bereits viele Länder der Welt, und das immer per Rad, zu Fuß oder per Autostopp. Auch in Marokko war er. Mit einem Freund und einem Esel: „Wir haben das Tier dort gekauft und sind mit ihm über Berg und Tal marschiert, in Gegenden, in die sonst nie ein Tourist hinkommt. Und wir haben tolle Menschen angetroffen.“